Bau einer Stele

Aus dem Halderner Antoniusaltar entstand eine neue Stele

Schreinermeister Michael Herbst mit seiner selbstgebauten Stele im Innenhof seiner Schreinerei. Die Teile stammen aus der St. Georg-Pfarrkiche Haldern.

Schreinermeister Michael Herbst mit seiner selbstgebauten Stele im Innenhof seiner Schreinerei. Die Teile stammen aus der St. Georg-Pfarrkiche Haldern.

Foto: Markus Weissenfels

Haldern.   Schreinermeister Michael Herbst hat aus Resten des Halderner Altars eine Stele gebaut. Die kann sich jedermann im Hof seiner Schreinerei ansehen.

Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung. So hat sich der griechische Philosoph Herakles geäußert. Was sogar für die Geschichtsschreibung gilt – wie das Beispiel des Hochaltars der Kirche St. Georg Haldern beweist. Der alte Antoniusaltar auf der Seite zur Sakristei ist zwar abgebrochen worden, Teile davon sind aber wiederverwendet worden und haben somit die Geschichte fortgeschrieben. Einige dieser Altarteile befinden sich in der Pfarrkirche, andere im Hof der Schreinerei Michael Herbst an der Lindenstraße 1 a in Haldern. Dort hat Herbst aus Altar-Teilen eine Stele gebaut. „Was sich jedermann ansehen und wo man gern eine Rast einlegen darf“, sagt der 68-Jährige einladend.

Die Geschichte beginnt in den 1960er Jahren

Die Geschichte nimmt bereits mit dem 2. Vatikanischen Konzil (von Oktober 1962 bis Dezember 1965) ihren Anfang. Eine der wichtigsten Neuerungen war die Verlegung des Altars hin zu den Gläubigen mit der Folge, dass die Hochchöre mit dem Altar weitgehend ihre Bedeutung einbüßten. Auch die Kommunionbänke wurden entfernt.

„In unserer Kirche St. Georg bestanden der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre aus deutschen Sandstein aus den Steinbrüchen von Baumberge, was den damaligen Pastor Bernhard Tacke und einige engagierte Handwerker dazu bewog, möglichst viel zu erhalten“, erinnert sich Herbst. Beide Seitenaltäre, der Schmerzensaltar auf der Taufbeckenseite und der Antoniusaltar auf der Sakristei-Seite wurden abgebrochen, Teile davon jedoch – wie bereits erwähnt – wiederverwertet.

Der Hl. Antonius fand einen neuen Standort

So fand die Figur des heiligen Antonius mit dem Schwein unter seinem Mantel, einen neuen Standort auf einer Konsole auf der rechten Seite der Sakristeiwand. Der Schmerzensaltar steht seither zwischen den beiden eichenen Beichtstühlen, als Füllstücke wurden Teile des Altars und des Altartisches verwendet. Die Kommunionbank wurde auch in Haldern abgebaut, aber gerettet. Wie bekannt hat Michael Herbst Teile davon im neuen Altar für die Marienkapelle im Alten- und Pflegeheim St. Marien verarbeitet.

Vom Antoniusaltar blieben einige Teile übrig

Zurück zum Antoniusaltar: Von ihm blieben Mitte der 1960er Jahre einige Teile übrig: der Mittelteil des Seitenaltars mit dem Kreuz sowie die beiden Seitenteile mit den Füllungen. Michael Herbst, heute Schreiner-, Zimmerermeister und Holztechniker, war zu dieser Zeit gerade Messdiener. Er kann sich noch gut daran erinnern, dass Pastor Tacke die Messdiener irgendwann bat, diese drei Altar-Teile zur Pastorat zu bringen. „Also haben wir die Steine auf eine Schubkarre geladen und auf der Rückseite des Gebäudes wieder abgeladen“, so Herbst. Und dort gerieten sie in Vergessenheit.

Erst mit der Abdankung von Tackes Nachfolger Pastor Willi Keysers 2008 und dem damit verbundenen Ausräumen des Pastorats erinnerte sich Herbst der Reste des alten Sandstein-Altars. Mit Keysers schaute er nach. Es gab sie noch, inzwischen zugewachsen von einem Strauch. Keyers fragte Herbst, ob er Verwendung für die Steine habe. „So gelangten sie zu mir an die Lindenstraße“, erzählt er.

Herbst kam es vor wie eine Eingebung des Hl. Antonius

Im Zuge der Gestaltung seines Innenhofs kamen ihm diese Teile wieder in den Sinn. „Es kam mit vor wie eine Eingebung des Hl. Antonius“, sagt Herbst schmunzelnd. Schließlich sei der Heilige ja auch der Ansprechpartner, wenn man etwas verloren habe.

Die quadratischen Steine ließ Herbst durchsägen

Gleich am nächsten Tag begann Herbst die Steine, den einen mit dem Kreuz und die beiden Seitenstücke, zu vermessen. Dann wuchtete er die quadratischen Seitenstücke in seine Werkstatt, ließ sie vom Steinmetz mittig durchzusägen, um sie als Giebelstück verwenden zu können. Er fertigte den Rest aus der Dachformverbreiterung und setzte ihn entsprechend zusammen. Monate später kam ihm die Idee einen tragenden Querbalken mit zwei Konsolen unter die Stele aus Sandstein zu kleben. „Wodurch das Gesamtwerk seine Abrundung und Geschlossenheit erfahren hat“, freut Michael Herbst.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben