Bomber-Absturz

Ein neuer Gedenkstein in Emmerich erinnert an Bomber-Crew

Die Nichte des Bomber-Piloten von damals, Victoria Trevelyan, sitzt bei der Feier zur Gedenkstein-Enthüllung neben Johannes Doerwald (vorne links). Er hatte als 16-jähriger Flakhelfer die Lancaster über Emmerich abgeschossen.

Die Nichte des Bomber-Piloten von damals, Victoria Trevelyan, sitzt bei der Feier zur Gedenkstein-Enthüllung neben Johannes Doerwald (vorne links). Er hatte als 16-jähriger Flakhelfer die Lancaster über Emmerich abgeschossen.

Foto: Christian Creon

Emmerich.   Im Mai 1943 wurde über Emmerich ein Lancaster-Bomber im Krieg abgeschossen. Für die getötete Crew gibt es jetzt am Flassertweg einen Gedenkstein.

Der Lancaster-Bomber flog in nur knapp 40 Metern Höhe, hatte nur eine Bombe an Bord und sollte eine Talsperre zerstören. Auf dem Rückflug, in der Nacht zum 16. Mai 1943, rammte die Maschine eine Hochspannungsleitung bei Heeren – und wurde über Emmerich vom 16-jährigen Flakhelfer Johannes Doerwald abgeschossen. Sieben junge Soldaten kamen damals ums Leben – jetzt wurde dort ein Gedenkstein für sie enthüllt.

Initiiert wurde der kleine Festakt, der nahe der damaligen Absturz-Stelle am Flassertweg enthüllt wurde, von Marcel Hahn und seinem englischen Freund Mark Welch. Mit dabei waren viele englische, kanadische und deutsche Militärs aus Kalkar, auch ein polnischer Brigade-General.

„Ich mache Ihnen keine Vorwürfe“

„Ich freue mich, auch neun Angehörige der jungen britischen und kanadischen Crew, die hier starb, begrüßen zu dürfen“, wandte sich der 34-jährige Marcel Hahn, der seit Jahren die Geschichte des Zweiten Weltkrieges aufarbeitet, an die Gäste. Unter ihnen befand sich auch Victoria Trevelyan, die Nichte des britischen Bomber-Piloten.

„Ich mache Ihnen keine Vorwürfe. Es war eine schlimme Zeit, die Jungs Soldaten. Und Sie waren erst 16 Jahre alt“, sagte sie zu Johannes Doerwald. Denn der Flakhelfer von damals, heute 92 Jahre alt, war ebenfalls bei der Gedenkfeier dabei.

Gräuel-Taten der Nazis

Und hielt eine beeindruckende Rede zum 76. Jahrestag des Abschusses der Lancaster. „Es ist höchste Zeit, dass die Gräuel-Taten der Nazis wieder thematisiert werden“, warnte er vor einem erstarken rechter Gesinnung. Und meinte ganz offensichtlich, ohne sie direkt beim Namen zu nennen, die AfD.

„Ich habe mir nie vorstellen können, dass sich in Deutschland noch einmal eine Partei etablieren könnte, die mir mit dem Nazi-Regime so eng verwandt erscheint“, sagte der alte Mann. Rassismus, Antisemitismus, Populismus und Nationalismus seien Gift und gefährdeten den Frieden in Europa und der Welt.

Zeichen der Versöhnung

Neben dem von Marcel Hahn finanzierten Gedenkstein mit den Namen der Gefallenen waren Fotos der abgestürzten Crew aufgehängt. „Der Stein ist ein Zeichen für Versöhnung“, würdigte auch Bürgermeister Peter Hinze das Engagement von Marcel Hahn und Mark Welch.

Den Frieden zu erhalten gelinge nur als europäische Gemeinschaft, und nicht alleine, fügte Hinze an. Und erhielt dafür von allen Anwesenden, die sich anschließend zum Gespräch im MU-Café trafen, viel Applaus.

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