Schullandschaft

Hinze kritisiert Diskussion um neue Realschule in Emmerich

Dirk Loock, Leiter Sachgebiet Schule, Nadine Bremer, Fachbereichsleiterin Schule, Jugend, Sport, sowie Bürgermeister Peter Hinze klären über die Lage der Schullandschaft in Emmerich auf.

Dirk Loock, Leiter Sachgebiet Schule, Nadine Bremer, Fachbereichsleiterin Schule, Jugend, Sport, sowie Bürgermeister Peter Hinze klären über die Lage der Schullandschaft in Emmerich auf.

Foto: mavi

Emmerich.  Bei der Debatte um eine neue Realschule in Emmerich, verunsichere die Bürgerinitiative Eltern mit Falsch-Informationen, meint der Bürgermeister.

Bürgermeister Peter Hinze ärgert sich über die öffentliche Diskussion über die Gründung einer neuen, kleinen Realschule: „Das ist nicht zielführend. Es tut der Gesamtschule nicht gut. Auch nicht der gesamten Schullandschaft.“ Vor allem ist der Erste Bürger nicht einverstanden, dass die Bürgerinitiative (BI) Freunde der Realschule mit falschen Informationen öffentlich hantiere.

Die BI hantiert mit falschen Informationen öffentlich, meint der Bürgermeister

Faktencheck 1: Die BI meinte, die Gesamtschule sei für eine Siebenzügigkeit ausgelegt und würde tatsächlich nur auf vier Züge kommen. „Es schwankt“, sagt Hinze, „wir kommen in jedem Jahrgang aber mindestens auf fünf Züge.“

Faktencheck 2: Die BI meinte, pro Jahrgang würden 30 Schüler nach Rees zur Realschule abwandern. Hinze: „Insgesamt gehen 86 Schüler der Stufen fünf bis zehn in anderen Städten zur Schule.“ Also im Schnitt 14 pro Jahrgang. Im kommenden Schuljahr würden 28 Schüler in andere Städte wechseln: 13 zur Realschule Rees, 13 zum Gymnasium Rees, zwei zur Hauptschule Rees: „Es ist nicht die Flucht vor der Gesamtschule, wie suggeriert wird“, unterstreicht der Bürgermeister.

Zudem habe es diese Tendenzen auch schon vor vielen Jahren gegeben, als Real- und Hauptschule noch Schüler aufnahmen.

Faktencheck 3: Die Gesamtschule habe ausreichend Räume übrig, um eine zweizügige Realschule dort zu integrieren, meinte die BI. „Das ist definitiv falsch“, betont Hinze. Als Beispiel nennt er das neue Brink-Gebäude, wo Jahrgänge in Clustern hängen, inklusive der Differenzierungsräume. Da sei nichts frei. Die BI habe auch für die Realschule die heute nötigen Differenzierungsräume nicht berücksichtigt.

Eine gemeinsame Unterbringung in den Gebäuden der Gesamtschule würde für diese Schule eine „massive Einschränkung“ bedeuten: „Wir müssten bei Null anfangen und alles neu planen“, sagt Hinze.

Auch Gedankenspiele um eine Unterbringung in Elten (als bilinguale Privatschule) sieht Hinze grundlegend skeptisch: „Da gibt es die Platzkapazitäten auch nicht.“

...dann wird die Gesamtschule zur einer Hauptschule

Prinzipiell würde die Errichtung einer neuen Realschule die Grundidee einer Gesamtschule zunichte machen: nämlich heterogene Schülerschaft und breite Abschlussmöglichkeiten. Ohne die potenziellen Realschüler würde es an der Gesamtschule nicht mehr funktionieren: „Wir würden aus der Gesamtschule eine Hauptschule machen.“

Nicht, dass die Verwaltung naiv wäre und Probleme ignoriere. Sie seien bekannt und es würde auch daran gearbeitet. An allen Schulen. Aber dies seien keine Diskussionen, die in die Öffentlichkeit gehörten, so Hinze.

Das ursprüngliche Problem ist der Lehrermangel, der alle Schulformen trifft

Hinze wirbt für mehr Geduld: „Die Gesamtschule ist im Aufbau. Wir haben noch keine Abgänger, noch keine Oberstufe.“ Der Aus- und Umbau der Gesamtschule kostet über 26 Millionen Euro. Viel Geld. Es werde in neueste EDV investiert. „Das ist beispielhaft. Wir bauen eine Schule für die Zukunft. Der sollte man eine Chance geben“, ergänzt Nadine Bremer, Leiterin des Fachbereiches Jugend, Schule, Sport bei der Stadt.

Sie nennt auch den Ursprung der Probleme: „Die Probleme entstehen durch den Lehrermangel. Das betrifft aber alle Schulformen.“ Auch Sozialpädagogen, die für die Aufgaben der Inklusion nötig sind, fehlten. Ohnehin habe die Inklusion den Schulbetrieb insgesamt verändert und mache eine Rückkehr zu alten Strukturen unmöglich.

Schulbetrieb mit neuer Realschule wäre kaum sicherzustellen

Schon 2017 gab es Bestrebungen der BI für eine neue Realschule, die vom Rat abgelehnt wurden. Und auch jetzt entscheidet schlussendlich der Rat. Auch, ob es zum Beispiel erneut eine Elternbefragung geben soll. Peter Hinze hält die Debatte für „ein Störfeuer einzelner CDU-Mitglieder. Das verunsichere die Eltern. Es ist überflüssig.“ Schlussendlich muss der Schulbetrieb sichergestellt werden. Hinze hat Zweifel, dass dies mit einer neuen Realschule sicher wäre.

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