Hilfe nach Unfall

Männer aus Emmerich halfen selbstlos nach schwerem Unfall

Soldat Niklas Wiedersporn (links) und der Versicherungskaufmann Nils Handrup (rechts) halfen zwei Verletzten nach einem schweren Autounfall.

Soldat Niklas Wiedersporn (links) und der Versicherungskaufmann Nils Handrup (rechts) halfen zwei Verletzten nach einem schweren Autounfall.

Foto: Christian Creon

Emmerich.   Emmericher Nils Handrup und Niklas Wiedersporn halfen zwei Verletzten nach schwerem Verkehrsunfall. „Das sollte für alle selbstverständlich sein“

Der 1. Februar 2019 sollte für Niklas Wiedersporn und Nils Handrup eigentlich ein schöner Zweier-Freundesabend werden. Der 22-jährige Emmericher Soldat und der gleichaltrige Versicherungskaufmann im Außendienst, der als langjähriger Emmericher bald von Wesel wieder dorthin zurückzieht, hatten sich an dem Abend eigentlich „relativ spontan verabredet, um in die Düsseldorfer Altstadt zu fahren.“

Die beiden besten Freunde sehen sich sonst aufgrund der Soldatentätigkeit von Niklas nur am Wochenende. „Niklas kam nach Wesel, die Stimmung war super.“ Was dann aber auf der A 52 Richtung Roermond um 21.36 Uhr laut Polizeibericht passiert, verändert den Abend vollkommen.

„Der hat es aber eilig“

„Wir fuhren auf der rechten Spur, in der Mittelspur eine Frau mit einem Dacia, die war eine Autolänge vor uns“, erinnert sich Niklas. Auf der linken Überholspur fuhr ein BMW mit hoher Geschwindigkeit heran. „Da hab ich noch zu Niklas gesagt: Der hat es aber eilig“, erzählt sein gleichaltriger Freund.

Dann zog der Dacia, der ein langsameres Fahrzeug vor sich hat, nach links „und da ist der BMW draufgefahren“, schildert Niklas die entscheidende Sekunde: „Dann hat sie sich zweimal auf der Bahn gedreht und ist in die Leitplanke geknallt“, erinnert sich Nils.

Nils muss eine Vollbremsung machen, weil die Frau auf der mittleren und rechten Spur mit der Front gegen die Fahrbahn stand. „Die hätte in uns reinfahren können“, war seine Hoffnung in dem Moment nur, dass keiner auffahren würde.

„Niklas hat geschrien: Die ist tot“

Beim Auto der Frau war „vorne alles weg“, erinnert sich Nils. „Niklas hat geschrien, die ist tot. Das sah extrem aus. Ein Trümmerfeld.“ Ohne lange zu überlegen, stiegen beide aus und teilten sich auf -- Nils ging zum BMW-Fahrer, Niklas zu der Frau. „Das Auto war ein Wrack. Ich hab mich erst gar nicht getraut“, erzählt Niklas.

Als er die Tür aufmacht, kommt Dampf aus dem Wagen. „Ich trug sie dann über dem Arm raus, versuchte sie zu beruhigen.“ Er will die Frau in Seitenlage bringen, sie will lieber stehen. Ein Mann kommt ihm zu Hilfe, er geht zu Nils.

Der ist beim BMW-Fahrer. „Der hing über dem Lenkrad.“ Er holt dem Mann aus dem Sitz, führt ihn vom Fahrzeug weg. „Der hat sich sofort übergeben und hat Blut gespuckt. Er bekam dann keine Luft mehr, Als kompletter Laie hab ich ihn dann hingelegt.“ Später sieht er noch einen Kindersitz in dessen Wagen. „Da wird einem nochmal ganz anders.“

Frau mit Handy habe ihn voll ignoriert

Zwei weitere Autos hielten insgesamt an, erinnern sich beide, und unterstützen sie. Dass aber kaum jemand ausgestiegen ist, finden sie traurig.

„Und da war noch eine Dame, die stand da eine Minute mit dem Handy“, sagt Nils. „Ich hab die noch angeschrien, wie man so respektlos sein kann. Die hat mich voll ignoriert.“ Ein paar Minuten später sind Rettungswagen und Polizei da.

Beide schildern den Sachverhalt. Nach einer Stunde fahren sie weiter, kontaktieren die Familie, Freunde, versichern, dass alles gut ist. „Ich hatte richtig Schiss, habe richtig gezittert“, sagt Nils.

Trotz des Hungers kriegen die beiden in der Düsseldorfer Pizzeria kaum einen Bissen runter, versuchen das Erlebte zu verarbeiten, bekommen von Freunden Nachrichten. Die Rückfahrt ist bedrückend.

„Aber ich würde immer wieder so handeln“

Die Frau meldet sich einen Tag später via Handy und bedankt sich. Dass ihre „Heldentat“ publik wird, liegt am BMW-Fahrer, der sich daran erinnert, dass die Jungs wohl aus Emmerich kommen, die Stadt anrief und die das im Netz postet. „Da haben uns dann Freunde markiert, und darüber sind wir aufmerksam geworden“, sagt Nils.

Seit dem Unfall kommen bei Nils Handrup in einer ruhigen Minute schon mal die Bilder des Unfalls hoch -- das Verarbeiten der Ereignisse wird noch dauern. „Aber ich würde immer wieder so handeln“, sagt der 22-Jährige.

Das sieht sein Freund auch so. Ihre Freunde hätten ihnen per whatsapp Respekt gezollt für das , was sie getan haben. „Das war aber nicht supertoll, sondern sollte eigentlich selbstverständlich sein“, meint Niklas.

>>MEHR ALS NUR EINEN SCHUTZENGEL GEHABT

Die haben mehr als nur einen Schutzengel gehabt, sagt Nils Handrup über das unfassbare Glück der beiden Unfallbeteiligten. „Da ist man einfach nur fassungslos“, meint er über eine Frau, die eine Minute lang mit dem Handy bei den Unfallautos stand.

Selbst wenn man Angst hat, ist das Einzige, was man definitiv falsch machen kann, einfach vorbeizufahren. Lieber direkt helfen und was falsch machen, als gar nichts zu tun“, betont Niklas Wiedersporn nach seinem Einschreiten nach dem schweren Unfall auf der A 52.

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