MS-Therapie

Nach MS-Therapie in Mexiko: Eltenerin hat ihre Kraft zurück

Die MS-erkrankte Yvonne Span-Barendsen aus Elten hat gut lachen. Die Stammzellen-Therapie in Mexiko hat sich sehr positiv für sie ausgewirkt.

Die MS-erkrankte Yvonne Span-Barendsen aus Elten hat gut lachen. Die Stammzellen-Therapie in Mexiko hat sich sehr positiv für sie ausgewirkt.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Elten.  Der MS-erkrankten Yvonne Span-Barendsen aus Elten geht es nach einer Stammzellen-Therapie in Mexiko heute richtig gut. Sie hat ihre Kraft zurück.

Würde jetzt der Abspann zu einem Film über die Biografie von Yvonne Span-Barendsen über die Kino-Leinwand laufen, dann würde sicher eine fröhliche Musik dazu ertönen. Den Kampf gegen ihre Krankheit hat die an Multiple Sklerose erkrankte Eltenerin für diesen Hollywood-reifen Streifen jedenfalls gewonnen. „Mir geht es gut“, sagt die 40-Jährige. Und das ist Realität. Keine Fiktion.

Im Juni 2016 wurde bei Yvonne Span-Barendsen MS diagnostiziert, eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, an der ihr Vater schon 64-jährig verstarb. Sie und ihr Mann Freek Span verkündeten im Januar 2017, dass sie das Wirtshaus in Elten verkaufen würden. Sie mussten sich der Krankheit widmen.

Die Therapie war nur durch hohe Spendenbereitschaft möglich

Span-Barendsen startete Anfang 2017 einen Spendenaufruf, ein Crowdfunding. Denn für 80.000 Euro wollte sie nach Mexiko reisen, um dort die Stammzellen-Therapie mitzumachen. In Deutschland oder den Niederlanden gibt es diese Therapie noch nicht und wird von den Kassen nicht bezahlt. Eine Studie dazu wird gerade in Heidelberg durchgeführt.

Das Geld für die Reise kam tatsächlich zusammen. Die Eltenerin erfuhr eine enorme Unterstützung durch die Bevölkerung. Der Trip nach Mexiko war ein Abenteuer für sich, da Yvonne Span-Barendsen auch noch in ein Erdbeben geriet. Die Therapie verlief gut. Die MS-Patienten durfte hoffen. Nun bestätigt sich der Erfolg.

Zehn von elf MS-Patienten aus der Gruppe geht es heute deutlich besser

Und nun, 20 Monate nach dem letzten Treffen mit der NRZ, kann Span-Barendsen strahlen. Als sie jüngst zum MRT beim Spezialisten war, habe dieser gesagt: „So etwas habe ich noch nicht gesehen.“ Ihr Neurologe war damals skeptisch, als die Patientin ihre Mexiko-Pläne schmiedete. Doch selbst er könne nun die Erfolge anerkennen und sie für ihren Mut loben. „Zehn der elf Teilnehmern in meiner Therapiegruppe geht es heute deutlich besser als damals“, verrät Span-Barendsen.

Ob ihr Gesundheitszustand für immer so bleiben wird, müsse wahrscheinlich wie bei einem geheilten Krebspatienten gesehen werden. Man weiß nie, ob die Krankheit zurück kommt. In einer weltweiten Facebook-Gruppe von MS-Patienten erlebe die Eltenerin, dass immer mehr Menschen von einer erfolgreichen Stammzellen-Therapie berichteten.

Yvonne Span-Barendsen kann auch wieder länger als 22 Uhr wach bleiben

„Es gibt Schäden im Gehirn und am Rückmark“, schildert die Mutter eines Sohnes ihren eigenen Zustand, „die Narben bleiben. Meine linke Körperhälfte ist schwächer als die rechte“. Aber es kommen keine neuen Schübe, keine Verschlechterungen hinzu. Im Gegenteil. Die Eltenerin hat ihre Kraft zurück: „Die Müdigkeit ist weg! Diese energielosen Tagen waren schwer zu ertragen.“ Auf ihrer Geburtstagsparty jüngst habe sie bis 2.30 Uhr gefeiert und sei um 8 Uhr wieder aufgestanden: „Vor drei Jahren wäre ich um 22 Uhr ins Bett gegangen.“

Sie hat ihr Leben zurück. Wollte sie vor der Therapie Wäsche waschen, so habe sie sich eine Stunde mental darauf vorbereitet, die Wäsche aus der oberen Etage zu holen und in den Keller zu gehen. Für Außenstehende schwer zu verstehen: „Jetzt denke ich überhaupt nicht mehr darüber nach. Es war eine andere Art der Müdigkeit. Die Energie war weg.“

In der EU kommt die Therapie erst langsam an

Die Stammzellentherapie verlaufe im Prinzip ähnlich wie bei einem Leukämie-Patienten. In Schweden und England werde die Therapie inzwischen angeboten und von den Kassen übernommen. Belgien ist auf dem Weg. Andere Länder seien noch nicht so weit, so die Eltenerin. Sie wundert sich, warum in der EU jedes Land eine eigene Studie erstellen müsse. Die Patienten haben die Zeit nicht.

Die Kosten dürften kein Argument gegen die Therapie in Mexiko sein. „Ich habe vorher im Jahr Medikamente für 40.000 Euro im Jahr gebraucht. Dazu noch Therapie- und Arztkosten. Jetzt brauche ich keine Medikamente mehr.“

DAK wollte Leistungen streichen, lenkte dann aber ein

Ärgerlich sei auch ein Vorstoß ihrer Krankenversicherung, der DAK, gewesen: „Als klar war, dass ich nach Mexiko reisen würde, riefen sie mich an und meinten, sie würden dann in der Zeit kein Krankengeld zahlen und der Versicherungsschutz sei nicht gewährleistet.“ Span-Barendsen wurde sehr böse und beschwerte sich vehement. Erst dann lenkten sie ein: „Es können ja auch Dinge passieren, die nichts mit der Therapie zu tun haben. Ich hätte mir ein Bein brechen können. Von einer Krankenversicherung erwarte ich schon, dass sie besser mitdenkt.“

Ihr Glück war es wohl, dass sie recht frühzeitig behandelt wurde. Viele MS-Patienten erkundigten sich bei ihr nach der Therapie. Yvonne Span-Barendsen betont immer, dass die Therapie bei ihr sehr gut funktioniert habe, aber jeder Fall individuell zu betrachten sei. Jeder müsse sein Risiko abschätzen und eine Entscheidung selbst treffen.

Zurück in einen Gastro-Service-Tätigkeit wird es die 40-Jährige nicht ziehen: „Ich kann zwar ein Tablett tragen, aber das Vertrauen in den Körper ist nicht so groß, dass ich das den ganzen Tag machen würde.“ Muss sie auch nicht. Sie ist zurück in ihrem alten Beruf als Event-Managerin. Außerdem haben sie und ihr Mann die Firma Horeca-Lab gegründet, eine Gastronomie-Beratung.

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