Stromtrasse A-Nord

Stromtrasse: Bürgermeister von Rees ist gegen Baumfällungen

Für den Bau der 380 KV-Höchstspannungs-Leitung, ebenfalls durch den Halderner Wald, wurden schon Hunderte Bäume gefällt.

Für den Bau der 380 KV-Höchstspannungs-Leitung, ebenfalls durch den Halderner Wald, wurden schon Hunderte Bäume gefällt.

Foto: Stadt Rees

Rees.   Gerwers lehnt Verlauf durch Halderner Wald statt durchs Wasserschutzgebiet Wittenhorst ab. Hunderte Bäume müssten sonst gefällt werden.

Irgendwie muss ja der Strom, der durch die Windräder in der Nordsee erzeugt wird, in den Süden der Bundesrepublik transportiert werden, sagt Bürgermeister Christoph Gerwers. Notfalls verlaufe die Stromtrasse eben wie vom Energie-Unternehmen Amprion unter fünf möglichen Varianten favorisiert über Reeser Stadtgebiet. „Dafür dürfen aber, wenn irgendwie vermeidbar, nicht wieder wie 2016 Hunderte Bäume im Halderner Wald gefällt werden“, fordert Gerwers.

Denn genau das würde passieren, wenn die zur Zeit noch durch das Wasserschutzgebiet Wittenhorst bei Haldern geplante Trasse, wie gerade in einer Info-Veranstaltung für Bürger erläutert, nach Nordwesten verlagert würde – eben mitten durch den Halderner Wald, beklagt der Verwaltungschef.

Bedenken auch der Unteren Wasserbehörden

Grund für die neue, alternative Planung ist, dass nicht nur der Wasserverband, sondern auch die Unteren Wasserbehörden der Kreise Wesel und Kleve Bedenken gegen die Trasse durchs Wasserschutzgebiet angemeldet haben. „Dafür habe ich ja auch Verständnis“, sagt Gerwers.

Bei einem gemeinsamen Termin der Bedenken-Träger im November, bei dem auch die Stadt Rees vertreten war, wollte er vom Energie-Unternehmen wissen, wie groß denn eigentlich das Risiko fürs Trink- und Grundwasser wäre, wenn dort die Trasse gebaut würde.

Risiko fürs Grundwasser nur während der Bauzeit

„Da wurde von Amprion deutlich gesagt, dass nur während der Bauzeit ein erhöhtes Risiko, etwa durch auslaufendes Öl, existiert“, so der Bürgermeister. Für diesen Fall sei er klar für die Trasse durchs Wasserschutzgebiet. „Die Bäume wären sonst für immer verschwunden. Und Rees hat ja so schon kaum Wald“, beklagt Gerwers.

Überhaupt habe die Stadt für die Errichtung der 380 KV-Höchstspannungs-Leitung von Amprion in den sauren Apfel beißen und den Verlust von Hunderten Bäumen hinnehmen müssen. Immerhin quere die künftige Strom-Trasse ja auf dem Reeser Stadtgebiet hochwertige Naturschutz-Flächen, zum Beispiel das „Natura 2000“-Gelände.

Interesse der Bürger an der Stromtrasse eher gering

Verwundert ist Gerwers schon darüber, dass es seitens der Bürger offensichtlich nicht besonders viel Interesse an der Stromtrasse und deren Verlauf in Rees gebe. „Wenn ich da an den Hambacher Forst denke...“, fügt er stirnrunzelnd hinzu.

Dafür macht sich das Stadtoberhaupt stark für die Bäume „und das landschaftlich so schöne Gebiet dort“, in dem viele Jogger und Sparziergänger unterwegs seien. „Falls sich das Risiko bei der jetzigen Untersuchung als so gering erweist, wenn man während der Bauphase besonders vorsichtig vor geht, lehnen wir die Trasse durch den Wald jedenfalls ab“, stellt Christoph Gerwers klar.

Auch, weil es noch nicht einmal die Möglichkeit von Ausgleichs-Aufforstung geben würde. „Wir haben dafür in der Stat einfach keinen Platz mehr“, beschreibt er die Situation. Immerhin habe man schon heute dafür Flächen in Isselburg gepachtet.

Mehr Klarheit im Juni

Mehr Klarheit, wie es weiter geht, dürfte ein Termin im Juni geben. Mit Blick aufs Wasserschutzgebiet will Amprion dann eine hydrologische Erst-Einschätzung geben, und wohl auch die Auswirkungen auf der Alternativ-Route durch den Wald erläutern können. „Genaue Zahlen, wie viele Bäume dann gefällt werden müssten, liegen uns heute auch noch nicht vor“, bestätigt Jonas Knoop, beim Unternehmen zuständiger Presse-Mann für Energie-Politik.

Wie sich die Stadt endgültig positionieren wird, so Gerwers, werde sich zeigen, „wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen“. Dass die Strom-Trasse letztlich, wie von Amprion favorisiert, über Reeser Stadtgebiet verlaufen und den Rhein bei Haffen queren wird, daran hegt der Bürgermeister keine Zweifel. Es gehe nur noch um die Frage, ob sie dann durchs Wasserschutzgebiet oder den Halderner Wald verläuft.

>>STROMTRASSE SOLL 2025 FERTIG SEIN

Der Zeitplan sieht vor, dass die neu entwickelten Pläne für alle fünf geplanten Trassen-Führungen im Herbst erneut der Bundesnetzagentur vorgelegt werden. 2020 würden Offenlegungen sowie die Erörterungs-Termine stattfinden.

Mit einer Entscheidung der Netzagentur, welche Trasse letztlich kommt, wird im dritten Quartal 2020 gerechnet, heißt es von Amprion. Nach dem Planfeststellungs-Beschluss 2020 müsste die Strom-Trasse A-Nord 2025 fertig sein. rey

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