Bürgerverein Emmerich

Vortrag in Emmerich: Äthiopien ist besser als sein Ruf

In Äthiopien gibt es Hochland, Wüste und Sumpf – ein Hingucker sind sicher die Blue Nile Falls im Norden des Landes.

In Äthiopien gibt es Hochland, Wüste und Sumpf – ein Hingucker sind sicher die Blue Nile Falls im Norden des Landes.

Foto: Carola Frentzen / dpa

Emmerich.  Vortrag von Ben van Ampting zu Äthiopien beim Bürgerverein Emmerich. Seit 44 Jahren ist der Niederländer in dem afrikanischen Land tätig.

Nein, er wollte nicht zum Wehrdienst im Jahre 1975. „Die Alternativen: Ich werde Priester, Polizist oder gehe für 27 Monate in die Entwicklungshilfe“, so Ben van Ampting vor 50 Gästen des Bürgervereins Emmerich am Mittwoch in der Societät. Er entschied sich für Letzteres. „Wobei ich eigentlich nach Tansania sollte. Doch drei Tage vor dem Abflug hieß es: Du gehst nach Äthiopien.“

Eine glückliche Fügung. Denn vom Niederländer mit Wurzeln in Zeddam hieß es: „Meine erste Heimat ist Äthiopien!“ Seit 44 Jahren ist er dort aktiv. Mehr als 31 Jahre als Projektleiter in unterschiedlichen Funktionen, vielfach für die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Sie fühlen sich als Äthiopier, nicht als Afrikaner

„Viele wissen nicht viel über Äthiopien. So erging es mir 1975 auch.“ Schnell war für ihn beim Blick ins Landesinnere mit Hochland, Wüste und Sumpf klar, dass sich Äthiopier nicht als Afrikaner fühlen, sondern als Äthiopier. Soll heißen: „Nicht weiß und nicht schwarz.“

Innerhalb von anderthalb Stunden erzählte er – Fragen inklusive – von einem föderalistischem Staat, der seit 25 Jahren aus neun Bundesländern bestünde. Die Hauptstadt Addis Abeba hieße übersetzt: Neue Blume. Eine junge Hauptstadt, die es erst 150 Jahre gebe. „Nur weil Kaiser Menelik Rheuma hatte, entstand sie“, schmunzelte Ben van Ampting.

Ein Jahr mit 13 Monaten

„In Äthiopien ist man sieben Jahre jünger als hier.“ Denn jedes Jahr habe 13 Monate: zwölf mit 30 Tagen und ein Monat mit fünf oder sechs. Neben der offiziellen Landessprache Amharisch gibt es noch weitere 75. „Das sorgt für Probleme.“

Van Amptings erstes Projekt führte ihn in den Norden. Mit zwei weiteren Entwicklungshelfern war zwischen Kobo und Lalibela, der weltweit bekannten Stadt mit den als Lava gemeißelten Kirchen, Straßenbau angesagt. Doch ganz anders als sonst vielleicht üblich, erfolgte die Entlohnung der Arbeiter: „Drei Kilogramm Getreide und zwei Liter Öl war der Tageslohn für sieben Stunden.“

Vieles erreicht in Äthiopien

Das Projekt ging auf. Denn waren die Arbeiter zu Hause, so bauten sie Getreide an. Ob als Logistiker eines Lagers für 50.000 Lkw-Ersatzteile, da aus aller Herren Länder die Fahrzeuge kamen, oder als Chef einer Sesam-Farm mit Werk, Ben van Ampting hat viel in Äthiopien erreichen können. Auch, dass 25 Cent pro Liter Treibstoff zweckgebunden für den Straßenbau vor Ort verwendet werden.

Äthiopien habe im Laufe der Jahrzehnte eine gute Infrastruktur mit Straßennetz, Eisenbahn und der bekannten Ethiopian Airlines aufbauen können. Ben van Ampting weiß aber, dass Realität und das Image des Landes weit auseinanderklafften. „Es ist ein sehr interessantes und ziemlich sicheres Land. Aber es gibt nur wenig Touristen“, bedauerte er.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben