Tierschutz

Wildtiere anzufassen, bedeutet in aller Regel deren Tod

Felix Streuff. Leiter des Hegering Emmerich-Rees am neu aufgestellte Schild an der Marie-Curie-Straße. Darauf wird an den Hundebesitzer appelliert, ihre Tiere anzuleinen.

Felix Streuff. Leiter des Hegering Emmerich-Rees am neu aufgestellte Schild an der Marie-Curie-Straße. Darauf wird an den Hundebesitzer appelliert, ihre Tiere anzuleinen.

Foto: Christian Creon

Emmerich/Rees  Der Hegering Emmerich-Rees hat Schilder aufgestellt, um an die Hundebesitzer zu appellieren, ihre Tiere in der Brut- und Setzzeit anzuleinen.

. Gut gemeint war es. Aber das Gegenteil wurde bewirkt. „Aus Unkenntnis heraus“, sagt Felix Streuff. „Jetzt werden zwei junge Hasen mit ziemlicher Sicherheit den Hungertod erleiden“, beklagt der Vorsitzende des Hegerings Emmerich-Rees.

Was war geschehen? In der vergangenen Woche war ein Bekannter Streuffs mit Kindern und Hund an der Marie-Curie-Straße zwischen Feldern und Gewerbegebiet unterwegs gewesen. Mit einem Mal bemerkte der Mann zwei junge, augenscheinlich kranke Kaninchen am Feldrain, offenbar von ihren Eltern verlassen. Der Mann griff die beiden Jungtiere auf, packte sie in einen Karton und informierte Tierarzt und Polizei, die den Mann wiederum an den Hegeringleiter verwiesen.

Es handelte sich um Hasen, nicht um Kaninchen

„Der Familienvater hatte wohlmeinend externe Hilfe einholen wollen“, ist Streuff bewusst. Dabei seien die Tiere – dabei handelte es sich im Übrigen nicht um Kaninchen, sondern um Hasen – keineswegs verlassen und unbeaufsichtigt gewesen, klärt der Landwirt und Jäger auf. Die Hasen-Eltern hielten sich in aller Regel in der Nähe auf. Streuff fürchtet, dass die Jungtiere möglicherweise von dem frei laufenden Hund aufgescheucht worden sind.

Felix Streuff hat sofort gesehen, dass die Hasen erst zwei, drei Tage alt waren. Frisch gesetzt, wie es bei den Jägern heißt. Ganz bewusst würden junge Hasen von ihren Eltern einzeln in Bereichen mit guter Deckung abgelegt, klärt der 36-Jährige auf. Aus Gründen der Sicherheit. Zudem gäben sie in den ersten Lebenstagen keine Witterung ab, so dass sie auch so weitgehend vor Feinden geschützt seien.

Streuff appelliert, Tiere anzuleinen

Der Kontakt eines Wildtiers mit einem Menschen oder mit einem Hund, der ebenfalls mit menschlichen Gerüchen behaftet sei, bedeute, so Streuff, in aller Regel dessen Tod. Die Hasen z.B. werden dann von der Mutter nicht mehr gesäugt, müssen elendig verhungern“, sagt er. Streuff hat die beiden aufgegriffenen Junghasen an die Fundstelle zurückgebracht. „In der vagen, äußerst vagen Hoffnung, dass die Althasen sie hoffentlich doch wieder annehmen“, sagt er.

Sein Appell: Wildtiere niemals mitnehmen! Weil es ihr sicherer Tod bedeutet. Im Notfall sollte besser der Kontakt zu dem zuständigen Jäger gesucht werden. Zudem gilt: In der Setz- und Brutzeit brauchen sie Ruhe. Daher sollten Hunde, die auf Spaziergängen durch Feld und Flur mitgeführt werden, in der kritischen Zeit angeleint werden.

Die Setzzeit für die Hasen beginnt schon im März und geht bis in den August hinein. Das Anleinen der Hunde ist nicht nur für Hasen, auch für Rehe und Vögel wie Kiebitze, Rebhühner und Fasane wichtig. Denn: Werden die Vögel durch Hunde aufgeschreckt, kann es sein, dass sie zu lange ihr Nest verlassen und das Gelege auskühlt und keine neue Generation heranwächst.

Drei neue Warnschilder

Nach dem Vorfall in der vergangenen Woche hat Hegeringleiter Streuff im Jagdrevier Groin drei neue Warnschilder des Landesjagdverbands NRW, eines auch an der Marie-Curie-Straße, aufgestellt. Zwei stehen schon seit vergangenem Jahr im dortigen Revier. „Aus Liebe zum Tier: Bitte Hunde anleinen!“ ist dort zu lesen.

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