Geschichte

Zweiter Weltkrieg: Pokerspiel mit Hochwasser am Niederrhein

Der niederländische Landschaftshistoriker Ferdinand van Hemmen hielt einen Vortrag über das Wasser als Waffe im Rheinmuseum in Emmerich.

Der niederländische Landschaftshistoriker Ferdinand van Hemmen hielt einen Vortrag über das Wasser als Waffe im Rheinmuseum in Emmerich.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Emmerich.  Vortrag im Rheinmuseum Emmerich: Der Niederrhein mit seinen Überflutungsräumen spielte im Zweiten Weltkrieg eine besondere Bedeutung.

Auch wenn es hier und da schwierig war, den Ausführungen zu folgen, so gab es für Ferdinand van Hemmen nach zwei Stunden einen kräftigen Applaus der 60 Anwesenden im Rheinmuseum. Der Niederländer aus Huissen, der zu „Wasser als Waffe“ im Zweiten Weltkrieg auf Einladung des Geschichtsvereins referierte, verfügt über ein enormes Fachwissen – gerade wenn es um den Niederrhein geht.

Rheingeschichte verbindet bis heute

Abschließend wusste der Landschaftshistoriker: „Es muss erst vieles schiefgehen. Aber dafür können wir vieles bis heute davon lernen.“ Die Rheingeschichte verbinde. Auch oder erst recht im Zeitalter des Klimawandels.

Angst vor dem Bombardement der Deiche

Wer hätte wohl gedacht, dass trotz Kriegswirren Deutsche und Niederländer zum Schutz vor Hochwasser und Überflutungen gemeinsame Sache 1944 und 1945 machten. „Man hatte Angst, dass die Alliierten die Deiche bombardieren würden und da fragten die Niederländer bei den Alliierten nach, ob sie etwas dagegen hätten, dass sie mit den Deutschen einen Notdamm bauen würden“, wusste van Hemmen. Die Alliierten hatten kein Interesse an einer Überflutung. Und so stand der Zusammenarbeit der Gegner nichts im Wege.

Auch Drusus und Moritz von Oranien-Nassau nutzten das Wasser

Schon zu Zeiten des römischen Heerführers Drusus spielte das Wasser und dessen Verlauf eine wichtige, strategische Rolle. Das hatte auch Prinz Moritz von Oranien-Nassau im Achtzigjährigen Krieg und nicht zuletzt die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg für sich erkannt.

Westfront spielte wichtige Rolle im Zweiten Weltkrieg

„Dass die Westfront im letzten Krieg eine besondere Rolle einnahm, wissen viele gar nicht.“ Zum Schutz der Besetzung des Ruhrgebiets und letztendlich Berlin von Arnheim, Nimwegen, Kleve und Emmerich aus kommend, zeigte Ferdinand van Hemmen auf, wie man seitens der Wehrmacht im letzten Kriegsjahr versuchte, Herr über das Wasser zu werden und dieses für sich zu nutzen. Schließlich galt es, „das Tor zur Heimat zu verteidigen“,

Doch so einfach gelang es nicht, wusste der Experte. Die akribisch geplanten Überflutungsmaßnahmen verliefen nicht nach Plan. Dammbrüche, nicht evakuierte Dörfer, in denen tausende Bürger lebten und nicht zu planende Hochwasserperioden oder die kalte Jahreszeit mit Eis und Schnee bereiteten Probleme.

Nachversorgung der Truppe

Dazu kam die Nachversorgung der deutschen Truppen, die Wehrmachts-Generale beschäftigte. Und die, so wusste er weiter, waren nicht einer Meinung, wenn es um die strategische Ausrichtung ging. Bei allen Überlegungen kam den Brücken in Nimwegen und Arnheim eine besondere Bedeutung zu. Karten und Fotos stellten dies anschaulich unter Beweis.

Schiffe wurden bei Dammbruch eingesetzt

Zudem war stets die Verzweiflung bei durchgeführten und nicht gewollten Dammbrüchen spürbar: „Um die Dämme zu stopfen, wurden sogar Schiffe längsseitig eingesetzt.“ Aber mit wenig Erfolg, so Ferdinand van Hemmen.

Fiel das Wasser, das sich den Weg nach Westen suchte, waren umkämpfte Inseln die Folge. Von erbitterten Gefechten, gerade bei Abenddämmerung und in der Nacht, sprach Ferdinand van Hemmen in seinem Vortrag: „Alles war immer ein Pokerspiel mit dem Wasser.“

>>>Kriegstagebuch und Google Earth

Sehr hilfreich für die „Wasser als Waffe“-Recherchen war das Kriegstagebuch von General Reinhard, so Ferdinand van Hemmen. Im Gegensatz zu vielen anderen Nachweisen blieb es der Nachwelt erhalten und wurde nicht zerstört. Darüber hinaus bediente sich der Historiker an Grafiken, alter erhaltener Karten und nicht zuletzt dem neuzeitlichen virtuellen Globus „Google Earth“.

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