Wittener Straße

Abgestelltes Fahrrad beschäftigt Stadt Gevelsberg

Dieses augenscheinlich herrenlose Fahrrad steht seit einiger Zeit an der Wittener Straße in Gevelsberg. Mittlerweile hat sich sogar die Politik mit dem Drahtesel beschäftigt.

Dieses augenscheinlich herrenlose Fahrrad steht seit einiger Zeit an der Wittener Straße in Gevelsberg. Mittlerweile hat sich sogar die Politik mit dem Drahtesel beschäftigt.

Foto: Max Kölsch / Westfalenpost

Gevelsberg.  An der Wittener Straße in Gevelsberg steht seit einiger Zeit ein Fahrrad. Unklar ist, wem es gehört. Nun hat sich die Politik damit befasst.

Ein vermeintlich herrenloses Fahrrad, das seit einiger Zeit an der Wittener Straße in Gevelsberg steht, hat kürzlich das höchste politische Gremium der Stadt beschäftigt. In der jüngsten Sitzung des Rates hatten wie üblich auch Bürger die Möglichkeit, persönliche Anliegen vorzutragen und Fragen an die Verwaltung zu stellen. Dabei kam ein Einwohner auf den Drahtesel zu sprechen.

„Wenn man aus der Geerstraße herauskommt, steht seit Monaten rechts ein Fahrrad. Die Polizei sagt, sie darf es nicht entfernen, das wäre Diebstahl. Wer ist denn dafür zuständig?“, so die Frage. Bürgermeister Claus Jacobi sagte zu, dass die Stadt sich der Sache annehme. „Wir gucken uns das Fahrrad an und schauen, ob wir eine Rechtsgrundlage für die Entfernung haben“, sagte er.

An Verkehrsschild befestigt

Besagtes Rad stand am Mittwoch noch an seinem Platz, direkt an einer Hecke und kurz hinter dem Bürgersteig. Per Schloss ist es an einem Verkehrsschild befestigt. Im Vorbeifahren oder aus der Ferne wirkt es, als sei es in einem guten Zustand. Erst bei näherem Hinsehen werden Spinnenweben und Laubreste auf dem Gepäckträger sichtbar.

Auf Nachfrage dieser Zeitung bringt die Polizei ein wenig Licht ins Dunkel. „Das Entfernen des Fahrrads ist nicht unsere Aufgabe“, bestätigt Sonja Wever, Sprecherin der Kreispolizeibehörde. Zumindest sei das im Fall des Fahrrads an der Wittener Straße so. „Wenn uns ein herrenloses Fahrrad gemeldet wird, müssen wir zunächst prüfen, ob eine Straftat vorliegt“, erklärt Wever.

Dazu werfe man einen Blick auf die Rahmennummer. Das ist ein für jeden Fahrradrahmen spezifischer Code. „Dann gucken wir, ob das Rad als gestohlen gemeldet worden ist.“ Liege ein Diebstahl vor, werde es von der Polizei gesichert. Eine solche Prüfung habe im Fall des Fahrrads an der Wittener Straße auch stattgefunden.

Sache des Ordnungsamts

„Im April ist uns gemeldet worden, dass es dort schon seit vier Wochen steht“, so Wever. „Wir haben vor Ort dann festgestellt, dass keine Straftat vorliegt.“ Damit sei die Sache eine Angelegenheit der Stadt, genauer des Ordnungsamtes.

Häufig stehe die Polizei vor dem Problem, dass Menschen ihre Fahrräder selbst nicht gut genug kennen, sprich Dinge wie die Rahmennummer nicht wüssten, sagt die Sprecherin. „Es kommt aber auch vor, dass ein augenscheinlich herrenloses Fahrrad nachvollzogen und zugeordnet werden kann“, so Wever weiter.

Oft würden Menschen ein Fahrrad aus einer Bierlaune heraus mitnehmen und dann irgendwo in ein Gebüsch schmeißen. „Das ist natürlich nicht gut, aber nochmal etwas anderes, als wenn jemand ein Fahrrad klaut, um es zu verkaufen“, betont sie.

Augenscheinlich nicht kaputt

Tatsächlich prüft die Stadt Gevelsberg aktuell, wie sie mit der Angelegenheit umgeht. „Eigentlich stehen wir vor dem gleichen Problem wie die Polizei“, gibt Andreas Saßenscheidt, Fachbereichsleiter Zentraler Service, Bürger- und Ordnungsdienste, auf Nachfrage zu. Das Rad einfach zu entfernen, wäre Diebstahl. „Es ist augenscheinlich nicht kaputt und auch nicht einfach dort abgestellt worden“, so Saßenscheidt. Er selbst fahre regelmäßig daran vorbei.

Eine Überlegung sei, dass Fahrrad von der Wittener Straße ins Rathaus zu holen und die Polizei darüber zu informieren. „Das Schloss wollen wir nicht knacken“, betont Saßenscheidt. „Möglicherweise können wir das Schild herausnehmen, an dem das Rad befestigt ist.“ Das hänge davon ab, wie fest dieses montiert sei.

Ungewöhnlicher Fall

Laut Saßenscheidt kommt es hier und da mal vor, dass alte Fahrräder in der Stadt gefunden werden. „Die nehmen wir dann mit und entsorgen sie, wenn sie kaputt sind“, erklärt der Fachbereichsleiter. Seien die Räder noch in einem guten Zustand, würden sie versteigert, sofern sie nach einer gewissen Zeit nicht abgeholt worden seien.

Der Fall des Fahrrads an der Wittener Straße sei ein eher ungewöhnlicher. „Hier muss man vorsichtig sein, weil das Eigentum nicht offensichtlich aufgegeben wurde“, sagt Andreas Saßenscheidt.

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