Drogensumpf

Altstadtbrand Schwelm: Das Leben des Spendendiebs

Der Altstadtbrand beschäftigt das Hagener Landgericht, wo sich der stark drogenabhängige 45-Jährige derzeit verantworten muss.

Der Altstadtbrand beschäftigt das Hagener Landgericht, wo sich der stark drogenabhängige 45-Jährige derzeit verantworten muss.

Foto: berndhenkel.com / Bernd Henkel

Schwelm.  Selbst ein erfahrener Facharzt konnte glauben, was der 45-jährige Schwelmer sich alles an Rauschmitteln gleichzeitig einverleibte.

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Im Prozess gegen den mutmaßlichen Dieb der Spenden für die Opfer des Altstadtbrands hat das Hagener Landgericht nun den Lebenslauf des Angeklagten beleuchtet. Ein Leben, in dem sich Straftat an Straftat reiht und eine übermächtige Drogensucht alles dominiert.

Der Drogenkonsum begann schon früh, als der Angeklagte mit 13 Jahren in einer Jugendclique landete, wo es durchaus üblich war, Cannabis zu rauchen und Straftaten zu begehen. So sind im Leben des Schwelmers Sucht und Kriminalität aufs Engste miteinander verknüpft. Nun sitzt der 45-Jährige wieder vor Gericht und ist angeklagt, einen Behälter mit Spenden für die Schwelmer Brandopfer gestohlen und auf der Flucht einer Frau gedroht zu haben, ihr den Schädel einzuschlagen.

20 Vorstrafen seit 1995 gesammelt

Seit 1995 hat der Angeklagte 20 Vorstrafen angesammelt. Etliche davon sind einschlägig oder tragen eine ähnliche Handschrift wie die Tat vom 13. August, die ihm im aktuellen Prozess vorgeworfen wird. Die Hagener Richter zitierten aus einigen Vorstrafenakten: Bereits als Heranwachsender habe der Mann mit einer Gaspistole jemandem gedroht, ihn zu erschießen. 2007 griff er eine ältere Verwandte an, die er trat und von der er 1000 Euro forderte, die er nicht bekam. Für diese versuchte räuberische Erpressung wurde er zu anderthalb Jahren mit Bewährung verurteilt.

2012 versuchte er, einer 86-Jährigen die Handtasche zu entreißen. Diese Tat zusammen mit weiteren Diebstählen und vielen Schwarzfahrten brachte ihm zwei Jahre Haft ein – er war im März 2011 aus der Haft entlassen worden. In den Jahren zwischendrin hagelte es Geldstrafen wegen Schwarzfahrens und weiterer Diebstähle, die die Gerichte der Beschaffungskriminalität zuordneten. Zwischenzeitlich drohte ihm die Zwangsvollstreckung und er lebte auf der Straße. Seine letzte Verurteilung war im Januar wegen Schwarzfahrens.

Im Gespräch mit dem Gutachter Dr. Brian Blackwell, Facharzt für Psychiatrie, gab der 45-jährige Schwelmer an, bis zu drei Blister des Medikaments Benzodiazepin an einem Tag eingenommen zu haben. Selbst in geringen Dosen verursacht das Mittel bereits Erinnerungsstörungen. Des Weiteren habe er während seines Drogenlebens noch Kokain geschnupft, Heroin gespritzt und Alkohol getrunken. Auch die Substitution, wo Drogen mit einem ähnlichen Mittel wie Methadon ersetzt werden, brachte nicht viel.

Keine Angaben zur Schuldfähigkeit

„Der Angeklagte kam nie ohne Beikonsum aus. Er gab im Gespräch an, er habe Heroin und Kokain zusammen mit Benzodiazepin und einem weiteren starken Schlafmittel konsumiert. Das ist ein absoluter Extremfall. Aber er sagte, dass es wirklich so gewesen sei“, betonte der Sachverständige, der am zweiten Prozesstag nur den Lebenslauf und die Drogensucht des Schwelmers erörterte, aber noch keine Angaben zur Schuldfähigkeit des Mannes machte.

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