Stadtentwicklung

Bahnhof Schwelm soll Ende 2020 endlich fertig sein

Außen hui, innen pfui - und das schon seit Jahren:. Jetzt gibt es einen neuen Gesellschafter, der verspricht, den Bahnhof in Schwelm bis zum Jahresende fertigstellen zu wollen.

Außen hui, innen pfui - und das schon seit Jahren:. Jetzt gibt es einen neuen Gesellschafter, der verspricht, den Bahnhof in Schwelm bis zum Jahresende fertigstellen zu wollen.

Foto: Hans Blossey

Schwelm.  Außen hui, innen pfui - der Bahnhof in Schwelm. Jetzt gibt es einen neuen Gesellschafter, der verspricht, dass der Bau bis Jahresende fertig ist.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Stillstand bei der Sanierung des Bahnhofempfangsgebäudes in Schwelm scheint vorbei zu sein. Von den ehemals vier Gesellschaftern der „Aedificia Bahnhofempfangsgebäude Schwelm KG“ sind zwei ausgeschieden, ein neuer Gesellschafter aus Wuppertal ist Mitte November 2019 hinzugestoßen. Die Gesellschaft wurde unbenannt, heißt „Bahnhof Schwelm KG“ und hat ihren Sitz nicht mehr in Frankfurt, sondern in Wuppertal.

Die Sicht der Investoren

„Wir starten die Projektentwicklung neu mit einem erweiterten Konzept“, sagt der Sprecher der KG, Gerhard Otto. Ein neuer Generalunternehmer soll die ausgesetzten Arbeiten fortführen. Geplanter Fertigstellungstermin für den „neuen“ Bahnhof ist der 31. Dezember 2020. Avisierter Wiedereintritt in die Bauarbeiten: zum 1. März 2020.

Dreh- und Angelpunkt des neuen Konzepts ist die Mobilität der Zukunft. Die Besucher der Stadt kommen mit elektrisch betriebenen Zügen über den Bahnhof in Schwelm an und setzen ihren Weg von dort fort auf der Straße mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Der Bahnhof als Stützpunkt für eine neue Elektromobilität. An dem Konzept wird noch gearbeitet. Mit einem weiteren Investor aus Schwelm werden zurzeit Gespräche geführt.

„Die Mieterstruktur ist wieder völlig offen, lediglich die Deutsche Bahn, die VER und auch das Taxiunternehmen sind nach wie vor mit im Boot“, sagt Gerhard Otto. Zwei Bäckereien hätten bereits Interesse am Standort bekundet, auf deren Anfragen habe man allerdings noch nicht reagiert, weil zunächst das Konzept für den Bahnhof entwickelt werden müsse. In den ursprünglichen Planungen für das Bahnhofempfangsgebäude war die Einteilung in neun vermietbare Einheiten vorgesehen. „Wir sind als Wuppertaler Unternehmen nah an Schwelm dran und werden die Sanierungsarbeiten zu einem guten Abschluss führen“, verspricht Gerhard Otto den Schwelmern. Das Projekt sei eine „tolle Location mit einer tollen Anbindung an die Stadt.“

Die Sicht der Stadt

Den Optimismus der neuen Gesellschaft bezüglich des Zeitplans kann Schwelms Beigeordneter nicht teilen. „Die Aussage ist völlig aus der Luft gegriffen. Die bisherige Baugenehmigung ist ausgelaufen, ein neuer Bauantrag ist noch nicht gestellt. Das Baugenehmigungsverfahren dauert mindestens drei Monate“, sagt Ralf Schweinsberg. Im Übrigen sei ein Bauantrag im Vorfeld mit der Deutschen Bahn AG abzustimmen. „Wir haben die Aedificia mit einem potenziellen Investor an einen Tisch gebracht, werten es bereits als positives Zeichen, dass man wieder miteinander spricht “, so der Verwaltungsvorstand. Den Vertrauensvorschuss hat die „Bahnhof Schwelm KG“ bei Schweinsberg aber bereits verspielt, indem sie den für den 13. Januar geplanten Gesprächstermin mit der Stadt hat platzen lassen. „Politik und Verwaltung haben jegliches Vertrauen in die dort gemachten Aussagen verloren“, lässt sich Schweinsberg zitieren.

Die Sicht eines Mieters

„Unser Ziel ist es, in den Bahnhof als Mieter einzuziehen. Dort ist unserer Meinung nach der beste Standort, um unseren Kunden einen Service bieten zu können“, sagt Peter Bökenkötter, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr (VER), auf Nachfrage dieser Zeitung. Ein irgendwie geartetes Vertragswerk gebe es allerdings nicht. Zur Erinnerung: Die VER ist schon seit Jahren mit einem Info-Point als Ankermieter im Gespräch. Nachdem drei Jahre lang Mitarbeiter in einem kleinem Provisorium direkt vor dem Eingang zum Bahnhof untergebracht waren, hatte die VER am 1. Oktober 2019 ein großes Provisorium an der Ecke Herzogstraße/Bahnhofplatz bezogen.

Fertigstellungstermine gab’s gleich mehrere

Schwelm schreibt gerade ein weiteres Kapitel in der unendlichen Geschichte des Bahnhofempfangsgebäudes. Hoffentlich diesmal mit Happy End. Im Zuge einer angekündigten Sanierung wechselte die Immobilie bereits mehrfach den Besitzer. Die Geschichte reicht bis in das Jahr 2005 zurück. Bereits damals war klar, dass die Deutsche Bahn & Service AG den Bahnhof verkaufen wollte. 2007 lief das Vorkaufsrecht der Stadt Schwelm aus. 2010/2011 wollte ein Wetteraner Projektentwickler drei Millionen Euro in den Bahnhof investieren – eine Luftnummer, wie sich viele Monate später herausstellte.

Im Oktober 2014 übernahm dann die Aedificia mit Sitz in Frankfurt die Immobilie. Wieder einmal wurde ein Fertigstellungstermin genannt. Ende 2017 sollten die Arbeiten abgeschlossen sein. Doch statt durch einen schmuckes „neuen“ Einfallstor die Stadt zu betreten, gelangten die Besucher der Stadt durch eine halbfertige, häufig verdreckte Baustellen nach Schwelm. Keine gute Visitenkarte für eine Kommune.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben