Interview mit Dagmar Tewes

„Besondere Mischung“ beim Gitarrenfestival Gevelsberg

Dagmar Tewes, die Leiterin der Städtischen Musikschule Gevelsberg und Urheberin des Gitarrenfestivals Gevelsberg, hier nach dem Finale des Internationalen Wettbewerbs mit der Gitarre des griechischen Gitarrenbauers Giannis Seintoulas, die die Siegerin des Wettbewerbs erhielt.

Dagmar Tewes, die Leiterin der Städtischen Musikschule Gevelsberg und Urheberin des Gitarrenfestivals Gevelsberg, hier nach dem Finale des Internationalen Wettbewerbs mit der Gitarre des griechischen Gitarrenbauers Giannis Seintoulas, die die Siegerin des Wettbewerbs erhielt.

Foto: Hartmut Breyer

Gevelsberg.   Musikschulleiterin Dagmar Tewes zieht im Interview Bilanz des 19. Gitarrenfestivals Gevelsberg und spricht über die Situation der Musikschule.

Sie ist die Leiterin der Städtischen Musikschule sowie Urheberin und Motor des Gitarrenfestivals Gevelsberg, das seit der Premiere 2001 in der internationalen Gitarrenwelt einen festen Platz hat. Im Gespräch zieht Dagmar Tewes Bilanz der gerade zu Ende gegangenen 19. Auflage und gibt einen Ausblick auf Nummer 20. Außerdem erläutert sie die aktuelle Situation sowie Pläne und Wünsche der Musikschule.

Das Gitarrenfestival 2019 ist Geschichte. Sind Sie zufrieden?

Dagmar Tewes: Das bin ich sehr. Ich fand die Mischung der Künstler besonders, weil sie so kontrastreich war. Wir haben immer eine Mischung der Genres, in diesem Jahr passte sie richtig gut zusammen. Im Haus harmonierten alle und die Abfolge der Konzerte war sehr schön.

Was war Ihr persönliches Highlight?

Was mich wirklich gefreut hat, war die „brennende Bühne“ am Montagabend mit Michalis Sourvinos und seinem Flamenco-Stil. Das ist die Zukunft für unser Instrument. Da war auch schön zu sehen, wie sich Ivan Petricevic entwickelt hat, der mit Krisztian Palágyi am Akkordeon als Duo zu hören war. Und das Niveau beim Wettbewerb war sehr hoch. In den vergangenen Jahren ging es eher um „schneller, höher, weiter“, jetzt war es mit großer Musikalität verbunden.

Die Veranstaltung in Gevelsberg gilt als besonders familiär. Was macht denn das Familiäre aus?

Es ist entspannt. Gerade beim Wettbewerb versuchen wir, den Druck rauszunehmen, den haben die Teilnehmer ja sowieso. Wir bemühen uns, dass nicht alle permanent unter Spannung stehen. Ein Teilnehmer sagte mir: „Das ist hier so freundlich im Haus“. Nach kurzer Zeit helfen die Teilnehmer sogar, beim Tisch decken oder wenn sonst mit anzupacken ist. Das sagt viel aus.

Für das Festival stellt die Stadt Haushaltsmittel bereit. Ist die Finanzierung in Zukunft gesichert?

Wir bekommen ja seit zwei Jahren auch Landeszuweisungen vom Kultusministerium. Natürlich müssen wir die Anträge jedes Jahr aufs Neue stellen. Meine Hoffnung ist, dass zum 20. Festival im kommenden Jahr nichts Großes in negativer Hinsicht passiert.

Das Festival wird im kommenden Jahr zum 20. Mal stattfinden. Haben Sie dafür besondere Pläne?

Ja, natürlich. Wir würden gerne einen Rückblick betreiben, in welcher Form auch immer. Bisher waren insgesamt immerhin 130 verschiedene Künstler hier. Vielleicht können wir davon einige herausragende Akteure gewinnen. Denkbar wäre jemand aus der englischen Fraktion wie Gary Ryan oder Mark Eden und Chris Stell, die ja als Duo spielen und auch ein Quartett haben. Oder Aniello Desiderio, der das Festival in den ersten Jahren mit geprägt hat. Eine Idee ist auch, den Fokus auf die Preisträger zu legen. Einige davon haben inzwischen eine Professur.

Wenn Sie auf die Premiere im Jahr 2001 zurückblicken: Was hat sich verändert?

Das Verhalten der Zielgruppe. Die Studenten wollen den Wettbewerb spielen und dann nach Hause fahren. Diejenigen, die da bleiben, genießen das aber sehr, den Kontakt untereinander und zu den Professoren. Auch das Publikumsverhalten ist anders. Anfangs, als Aniello Desiderio in der Erlöserkirche spielte, habe ich Autokennzeichen aus Holland gesehen. Heute geht jemand auf Youtube, wenn er ihn hören will.

Das Gitarrenfestival ist ein Leuchtturm für die Städtische Musikschule. Hat es auch eine Sogwirkung für das Fach Gitarre?

Es wird ja immer behauptet, dass wir eine Gitarren-Musikschule wären. Aber Gitarre ist überhaupt eines der gefragtesten Instrumente und so auch bei uns. Wir haben im Unterschied zu anderen Musikschulen eine Warteliste. Durch den Gitarrenchor und die Mithilfe beim Festival wird unseren Schülern sicher etwas mehr geboten. Zum Beispiel spielt das Saxofon eine große Rolle, wir haben das Kindermusical, das Weihnachtskonzert mit Ballett und im Mai beim Boulevard Gevelsberg ein Bläserfestival. Überhaupt haben wir viele Veranstaltungen.

Wie sehen Sie die Musikschule aufgestellt? Sehen Sie besondere Stärken und Schwächen?

Grundsätzlich sehe ich uns im Moment relativ gut aufgestellt. Wir haben durch unser eigenes Haus viele Möglichkeiten. Da können wir unter anderem viele Workshops anbieten, in denen unsere Schüler ihren Horizont erweitern können. Als Schwäche würde ich es nicht sehen, aber natürlich verändert sich die Musikschullandschaft. Heute ist es für Schüler normal, eine App zu nutzen. Da ist man mit einem MP3-Spieler schon „old fashioned“. In dieser Hinsicht müssen wir uns mitentwickeln. Und den Bereich Geragogik, also gezielte Angebote für Senioren, wollen wir ausbauen. Da gibt es eine Riesenbandbreite: vom 60-Jährigen, der frisch im Ruhestand ein Instrument lernen will, bis hin zu Demenzgruppen. Das müssen wir strukturiert angehen.

Es laufen Planungen, die Musikschule aus der ehemaligen Schule Lindengraben mitten in die Stadt, ins frühere Rupprecht-Kaufhaus zu holen. Wie stehen Sie zu diesem Vorhaben?

Ich bin Pragmatikerin. Wir fühlen uns in unserem Haus wohl und bekommen viele Rückmeldungen, dass dort eine besondere Atmosphäre herrsche. Aber egal, wo wir hingehen: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen – und das ist ganz wichtig –, wird die Musikschule auch dort ein Zuhause finden.

Zum Abschluss: Haben Sie nach einer intensiven Festivalwoche und so viel Gitarre Lust, selbst wieder zum Instrument zu greifen? Oder können Sie Gitarren erst einmal nicht mehr sehen und hören?

Ich habe beim Festival einen Workshop mit Michalis Sourvinos zur Flamenco-Technik mitgemacht. Dabei habe ich schon gemerkt, dass ich an dem einen oder anderen mal wieder etwas feilen muss. Wenn ich viel Gitarrenmusik höre, wünsche ich mir immer, mehr Zeit zum Üben zu haben. Und gerade, wenn ich ein Konzert wie am Montagabend erlebe, weiß ich, warum ich so gerne Gitarre spiele.

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