Politik

Buchvorstellung in Gevelsberg: Netzwerk der Neuen Rechten

Journalist und Autor Christian Fuchs während seiner Lesung in der VHS in Gevelsberg. Mark Busch und Christiane Tovar (Mitte) moderieren die Veranstaltung.

Journalist und Autor Christian Fuchs während seiner Lesung in der VHS in Gevelsberg. Mark Busch und Christiane Tovar (Mitte) moderieren die Veranstaltung.

Foto: Laura Dicke / WP

Gevelsberg.  Auch in Gevelsberg sind die Neuen Rechten ein Thema, sagen die Journalisten Christian Fuchs und Paul Middelhoff.

Sie sollen die AfD unterwandert haben, ihre Ideologie in den sozialen Medien verbreiten, Täter wie den Mörder von Walter Lübcke oder den Täter aus Halle zu ihren Taten angetrieben haben und das alles fast unbemerkt von der Öffentlichkeit – die Rede ist von den Neuen Rechten, einem politisch rechts orientierten Netzwerk aus Vereinen, Stiftungen und Medien in ganz Deutschland. Die beiden Journalisten Christian Fuchs und Paul Middelhoff, beide tätig für die Wochenzeitung Zeit, sind dem Netzwerk in den vergangenen Jahren nachgegangen und berichten über die Verbindungen, Wirkungsmächte und ideologischen Grundlagen in ihrem Buch „Das Netzwerk der Neuen Rechten“. Christian Fuchs stellte das Buch nun im Zuge des Programms „Demokratie Leben“ in der VHS vor. Er sprach dabei von alarmierenden Ergebnissen sind und wie nah die Neuen Rechten auch im Ennepe-Ruhr-Kreis agieren.

Vor allem vor dem Hintergrund des aktuellen Falls in Halle erklärte Christian Fuchs, wie verworren das Netzwerk sei. „Es gibt zwar keine direkten Verbindungen des Täters mit dem Netzwerk, doch in seinem Video beruft er sich auf die Verschwörungstheorien der Neuen Rechten“, berichtete der Autor. Dabei dürften die Neuen Rechten jedoch nicht mit den „alten Rechten“, den Neonazis, verbunden werden. Im Gegensatz zu diesen leugneten sie den Holocaust nicht und bauten ihre Ideologie nicht auf den biologischen Rassismus, sondern auf den sogenannten „Ethnopluralismus“ auf. „Die Neuen Rechten sagen, dass jede Kultur ihren eigenen Radius und Lebensraum hat, in dem sie glücklich sind, was im Grunde dasselbe bedeutet wie die Ausgrenzung“, erklärte Christian Fuchs. Ziel der Neuen Rechten und damit Basis der Ideologie sei eine Zurückentwicklung der Demokratie hin zu einem Staat mit einem homogenen Volk und einer homogenen Meinung. „Die Aktiven, circa 3000 Menschen, sind zwar wenige, doch was sie erreichen, ist viel“, so Christian Fuchs.

Das Netzwerk baue dabei auf fünf Säulen auf: Den Vordenkern wie Götz Kubitschek, einer Jugendbewegung, die vor allem in den sozialen Medien die Ideologie verbreite, einer Reihe von Publizisten mit eigenen rechts orientierten Verlagen, Pegida und einem großen Teil der AfD. „Alles, was es im Sinne der Demokratie gibt, gibt es auch von den Neuen Rechten. Von Vereinen, Medien, Podcasts bis zu Modelabels“, erzählte der Journalist und fügte hinzu, dass die meisten Organisationen in NRW und im Osten vorkämen. So gebe es zum Beispiel in Düsseldorf einen Verlag, in Paderborn eine große Identitäre Verbindung oder Waffenenthusiasten in Menden.

Ihre Themen und Ziele verbreiteten die Neuen Rechten über die sozialen Medien, eigene Zeitschriften oder den Einfluss der AfD. „Bei vielen fallen die Ideen auf fruchtbaren Bode, was zu Gewalt führt. Es gab schon immer Rassisten, doch durch Demos oder die Verbreitung im Internet trauen sie sich, Taten statt Worte sprechen zu lassen“, so Fuchs. Um die Wirkungsmacht solcher Netzwerke einzudämmen, ruft Fuchs dazu auf, sich immer wieder bewusst zu machen, was Demokratie bedeutet und sich dafür zu engagieren. „Gegenüber Rassismus müssen wir Haltung zeigen und Fehlgeleitete zurückholen. Wir müssen Hass mit Liebe besiegen und nicht Hass mit Hass bekämpfen“, sagte der Autor. Dazu gehört auch der direkte Dialog mit Sympathisanten.

Wichtigkeit von Präventivarbeit

Genauso wichtig ist nach Fuchs die Präventivarbeit, besonders in den Schulen und Bildungseinrichtungen. Moral, Ethik und die Relevanz der Demokratie sollten mehr in den Vordergrund rücken, ebenso Medien und der Umgang mit ihnen.

Auch wenn es noch keine bekannte Organisation der Neuen Rechten im Ennepe-Ruhr-Kreis gebe, seien Einflüsse der Ideologie auch hier sichtbar, wie Mark Busch, Leiter des Jugendforums Gevelsberg, und Journalistin Christiane Tovar, die gemeinsam die Veranstaltung moderierten, berichteten: „In der Stadt klebten in letzter Zeit kleine Aufkleber mit ausländerfeindlichen Sprüchen und an der Uni in Wuppertal werden Flyer der Identitären Bewegung verteilt“. Wichtig sei es, da waren sich sowohl Publikum, das Moderatorenteam und auch Christian Fuchs einig, sich nicht der Illusion hinzugeben, dass Gevelsberg seine Ausnahme wäre.

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