Rathaus

Bürgerbüro Schwelm sperrt die Bürger aus

Um die Arbeitszeitverordnung einhalten zu können, hat das Bürgerbüro am Montag kurzerhand früher geschlossen.

Um die Arbeitszeitverordnung einhalten zu können, hat das Bürgerbüro am Montag kurzerhand früher geschlossen.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.   Besucherandrang in Behörde war am Montag so stark, dass der Vorgesetzte aus Angst vor einem Arbeitszeitverstoß die Dienststelle früher schloss

Das Bürgerbüro sperrt die Bürger aus. Vor verschlossenen Türen standen am Montagvormittag Männer und Frauen, die eigentlich nur einen Behördengang zu erledigen hatten und deshalb das Bürgerbüro im Verwaltungsgebäude an der Moltkestraße 24 während der regulären Öffnungszeit besuchen wollten. Die Dienststelle der Stadt hat gewöhnlich montags von 7.30 bis 12 Uhr und nachmittags von 14 bis 18 Uhr (nur mit Termin) geöffnet. Gewöhnlich – nur nicht an diesem 18. März eben.

Zum Schutz der Mitarbeiterinnen

„Der Chef schließt die Tür ab, die Leidtragenden sind die Bürger“, beschwerte sich ein Schwelmer bei unserer Zeitung über das Verhalten der Rathaus-Mitarbeiter. Stadt-Pressesprecherin Heike Rudolph bestätigt auf Nachfrage den Vorgang und spricht von einem Sonderfall. Aus arbeitsrechtlichen Gründen und zum Schutz der Mitarbeiterinnen habe der Vorgesetzte so handeln müssen. Heike Rudolph schildert die Situation: 20 Minuten vor 12 Uhr sollen noch 18 Bürger im Bürgerbüro gewesen sein. Für die Mitarbeiterinnen beginnt der Dienst um 7 Uhr. Dienstschluss ist an diesem Tag erst um 18 Uhr. Wegen des Arbeitsaufkommens hätten die Sachbearbeiterinnen durcharbeiten, auf ihre gesetzliche Pause verzichten müssen und somit die zulässige Arbeitszeit von maximal zehn Stunden täglich überschritten. „Der Vorgesetzte war in einer echten Notlage und musste sich entscheiden, wie er damit umzugehen habe“, so die Stadt-Sprecherin. Die Entscheidung fiel im Sinne der Kolleginnen. Ein Zettel wurde an der Tür angebracht mit dem Hinweis auf die Nachmittags-Sprechstunde.

Für den in unserer Redaktion vorstellig gewordenen Bürger ein unverständliches handeln. „Nur zwei der vier vorhandenen Arbeitsplätze waren zu diesem Zeitpunkt im Bürgerbüro besetzt. Die Führungskraft läuft im Raum herum, ohne mit anzupacken. Als Chef muss man Prioritäten setzen. Mir tun auch seine Mitarbeiterinnen leid.“ Für den Leser unserer Zeitung ist auch nicht nachvollziehbar, warum Bürger, die nur eine Rolle Gelber Säcke abholen wollen, auch eine Wartenummer ziehen müssen. Eine unnötige Schikane aus seiner Sicht. Dazu Heike Rodolph: „Im Bürgerbüro gibt es unterschiedliche Warte-Nummern, die gezogen werden können; einmal für Bürgerbüro-Anliegen und einmal für die Ausgabe von Gelben Säcken. Die Mitarbeiter sehen an ihren Arbeitsplätzen den Unterschied und reagieren entsprechend.“

Kommentar: Verantwortlich ist die Politik

Der Vorfall im Bürgerbüro ist nicht Gott gegeben, sondern ein hausgemachtes Problem mit langer Ansage. Den dort beschäftigten Mitarbeitern sind keine Vorwürfe zu machen. Denn der Personalengpass in dieser Dienststelle des Rathauses, der letztendlich zum Absperren der Tür am Montag geführt hat, ist die Folge der Sparmaßnahmen, die von der Politik gefordert, beschlossen und dann auch umgesetzt wurden. Alt-Bürgermeister Jochen Stobbe wies schon vor Jahren darauf hin, dass man über die Absenkung der Standards reden müsse. Weniger Personal bedeutet eben auch weniger Öffnungszeit. Und wenn dann noch ein nicht vorhersehbarer Krankenstand hinzukommt, kollabiert jedes System. Das hat man nun im Fall des Bürgerbüros erneut gesehen. Schon in der Vergangenheit wurden dort aus Personalmangel die Öffnungszeiten gelegentlich eingeschränkt. Und das wird auch in Zukunft so passieren. Wer etwas anderes verspricht, der lügt, oder muss dafür sorgen, das mehr Personal für das Bürgerbüro bereitgestellt wird.

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