Abfallwirtschaft

EN-Kreis: Visionäres Konzept für Restmüll-Entsorgung

Dies ist die Eko City-Sortieranlage in Bochum. Etwas ähnliches könnte in Witten für den Restmüll des EN-Kreises entstehen.

Dies ist die Eko City-Sortieranlage in Bochum. Etwas ähnliches könnte in Witten für den Restmüll des EN-Kreises entstehen.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Ennepe-Ruhr.  Die Kreisverwaltung muss nun prüfen, ob diese visionäre Idee zum Restmüll, tatsächlich realsierbar ist.

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Wirklich freundlich waren die Worte, die sich die Politiker im Kreistag zum Thema Müll an den Kopf warfen, nicht, aber am Ende der ausgedehnten Sitzung existiert tatsächlich eine Lösung im Zoff darum, wer künftig den Müll aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis wohin fährt. Mit einem einstimmigen Votum haben die Kreistagsmitglieder für einen Verbleib im Abfallwirtschaftsverband Eko City bis Ende des Jahres 2033 gestimmt. Allerdings hat die Verwaltung um Landrat Olaf Schade auch ein Aufgabenpaket mit auf den Weg bekommen, das einen ökologisch wie auch ökonomisch besseren Weg der Abfallentsorgung im Kreis ermöglichen soll (wir berichteten).

Müll technisch clever reduzieren

Das Ziel, das in dem Grundkonzept, das die CDU-Fraktion auf den Tisch gelegt hat, verfolgt wird, lautet, die Menge des Mülls zu reduzieren und bestenfalls auch noch wirtschaftlichen Nutzen in Form von Gewerbesteuern für den EN-Kreis zu generieren. Ebenso sollen die Gebühren für die Bürger gesenkt werden.

Bislang sieht die Entsorgungssituation so aus: Zwischen 20.000 und 25.000 Tonnen Biomüll, die in den neun kreisangehörigen Städten jährlich anfallen, werden in die Biogasanlage nach Witten gebracht, wo zwei Blockheizkraftwerke das Gas in Strom für etwa 2500 Haushalte umwandeln. Die zusätzlich anfallenden 45.000 bis 50.000 Tonnen Restmüll werden mit Lkw in Verbrennungsanlagen nach Wuppertal, Herne und Bochum gefahren.

„An dieser Stelle wollen wir den Hebel ansetzen“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Flüshöh. Denn: Im Restmüll landen mehr als 25.000 Tonnen Biomüll, die dort nichts zu suchen haben. Es werde wohl deutlich schwerer, die Menschen zum korrekten Sortieren zu bringen, als sich Gedanken darüber zu machen, wie die Gegebenheiten sinnvoll genutzt werden könnten, argumentiert die CDU.

Müll mit Abwärme trocknen

Die AHE hat zudem den Restmüll beprobt und festgestellt, dass er einen Wassergehalt von fast 55 Prozent hat. Gleichzeitig verpuffen 3,5 Millionen Kilowattstunden Abwärme pro Jahr aus der Vergärungsanlage ungenutzt in die Atmosphäre. Die Vision lautet: Auf dem etwa 20.000 Quadratmeter großen Grundstück neben der Vergärungsanlage könnte eine weitere Anlage entstehen, in die der gesamte Restmüll des Ennepe-Ruhr-Kreises zunächst gebracht wird. Dort soll mit der ohnehin entstehenden Abwärme von nebenan der Müll getrocknet werden, was bereits etwa 25.000 Tonnen Gewicht reduzieren würde.

Kreis muss Vision erst noch prüfen

„Der Biomüll könnte dann aus der verbliebenen Masse aussortiert und sofort der benachbarten Vergärungsanlage zugeführt werden“, sagt Oliver Flüshöh, der diesbezüglich bereits in Kontakt mit AHE-Geschäftsführer Johannes Einig steht.

Am Ende sollen so mehrere hundert Lkw weniger mit Restmüll aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis über die Autobahnen zu den Verbrennungsanlagen fahren. Mit dem Gesamtkonzept sollen einerseits tausende Tonnen CO2 gespart und Energie effizienter genutzt werden. Zudem könnte dies die Abfallgebühren senken, Gewerbesteuer und neue Arbeitsplätze für den Kreis einbringen.

Nun bleibt abzuwarten, was die Prüfung dieser Idee durch die Kreisverwaltung ergibt und ob sie am Ende auch realisiert werden kann.

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