Bauen

Ennepetal: Trotz Protestes darf Neubau Grenzen überschreiten

Um dieses Grundstück an der Vilvoorder Straße geht es: Anwohner meinen, dass der geplante Bau zu groß für den Bereich wird.

Um dieses Grundstück an der Vilvoorder Straße geht es: Anwohner meinen, dass der geplante Bau zu groß für den Bereich wird.

Foto: Hartmut Breyer / WP

Ennepetal.  Trotz der Proteste von Anwohnern darf ein Grundstückseigentümer ein Haus bauen, dessen Grundfläche nicht den Vorgaben des B-Plans entsprechen.

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Trotz der Proteste von Anwohnern darf ein Grundstückseigentümer eine Baulücke an der Vilvoorder Straße mit einem Mehrfamilienhaus bebauen, dessen Grundfläche über die Festsetzungen des dort geltenden Bebauungsplans hinaus geht. Der Ausschuss für Stadtentwicklung stimmte einer entsprechenden Befreiung mit deutlicher Mehrheit zu.

Schon im Mai hatte sich der Ausschuss mit der Bauvoranfrage für das Grundstück Vilvoorder Straße 50 befasst. Der Eigentümer plant dort den Bau eines zweieinhalbgeschossigen Mehrfamilienhauses mit fünf Wohnungen.

Größeres Baufenster

Die Grundfläche beträgt den Plänen zufolge ca. 13,80 x 15 Meter. Der Bebauungsplan Nr. 6 „Voerde-Nord“ sieht auf dem vorderen Teil des Grundstücks allerdings nur ein Baufenster von ca. 11 x 11,50 m vor und auf dem hinteren Teil ein weiteres Baufenster von ca. 12 x 13 m. In der Voranfrage schlägt der Eigentümer vor, dass die hintere Grundstücksfläche ganz oder teilweise für eine Bebauung aufgegeben und diese Fläche dem Vorhaben im vorderen Teil zugeschlagen wird. „Hieraus würde sich eine Bebauungsmöglichkeit ergeben, die in ihrer Größe geringer ist als durch Addition möglicher bebaubarer Flächen“, heißt es weiter.

Unmittelbare Anlieger des betreffenden Grundstücks hatten Bedenken gegen das Projekt geäußert und bereits in der Sitzung im Mai vorgetragen. Ihrer Meinung nach passe der große Komplex nicht in das Wohngebiet. Darauf hin hatte der Ausschuss einen Ortstermin anberaumt, der nun im Vorfeld der jüngsten Sitzung stattfand. Stadtplaner Ulrich Höhl stellte den Ausschussmitgliedern und mehreren Anwohnern im Beisein des Grundstückseigentümers und des Architekten das Projekt noch einmal vor. Das Gebäude solle im Vergleich zu den Festlegungen etwas gekippt werden, so dass es mit den beiden benachbarten Mehrfamilienhäusern eine Linie bildet. Vorgesehen sind zwei Vollgeschosse sowie ein zurückgesetztes Geschoss mit Satteldach und umlaufender Terrasse.

Die Grundstücksnachbarn machten vor Ort und in der anschließenden Ausschusssitzung deutlich, dass der geplante Baukörper ihrer Meinung nach zu groß sei und sich daher nicht in die Umgebung einfüge. Wäre das schon damals so vorgesehen gewesen, hätte man dort nicht gebaut, hieß es unter anderem. Durch die Höhe des Hauses und die um das Staffelgeschoss umlaufende Terrasse habe man keine Privatsphäre mehr, die Gärten seien komplett einsehbar. Ulrich Höhl betonte, dass der Bebauungsplan dort zwei Vollgeschosse zulasse, eine maximale Höhe des Hauses in Metern nicht festgesetzt sei. Als Dachform sei ein Satteldach mit einer Neigung von 20 bis 40 Grad vorgegeben. Bei der nun beantragten Befreiung gehe es nur um die Größe und Ausrichtung des Baufensters.

Höhl betonte, dass man sich zum Ziel gesetzt habe, bestehende Siedlungsbereiche zu verdichten. Dabei könne es dazu kommen, dass man gegenüber den alten Strukturen etwas abweicht. An dieser Stelle bewege man sich nach Meinung der Verwaltung an der Grenze des Verträglichen. Jürgen Hofmann, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen ,widersprach dem und meinte, dass das Volumen des Baukörpers und damit die Überschreitung der Festlegungen zu groß sei. „Ich sehe das so, dass hier mit dem Holzhammer möglichst viel gemacht werden soll.“ Frank Scherie (AfD) äußerte sich ähnlich. Er wies zudem darauf hin, dass man bei der Ausweisung künftiger Baugebiete eine Gestaltungssatzung mit erarbeiten sollte. Anita Schöneberg (SPD) erklärte hingegen, dass man die Gesamtbetrachtung des Stadtgebiets im Auge behalten müsse. „Wir wollen ja Baulücken schließen.“ Das Dach mit der umlaufenden Terrasse entspreche den Ansprüchen, die sich verändert hätten. Schöneberg wies zudem darauf hin, dass auf dem Grundstück ansonsten auch ein zweiter Baukörper zulässig wäre.

Letzlich stimmten die Vertreter von SPD, CDU und FDP der Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans zu. Bündnis 90/Die Grünen und AfD sprachen sich dagegen aus.

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