Prozess

Ennepetaler Werkstattbetreiber wegen Betrugs vor Gericht

Justitia hat Recht zu sprechen: Diesmal im Fall des Betreibers einer Autowerkstatt in Ennepetal, der einen Kunden monatelang hinhielt.

Justitia hat Recht zu sprechen: Diesmal im Fall des Betreibers einer Autowerkstatt in Ennepetal, der einen Kunden monatelang hinhielt.

Foto: Volker Hartmann

Ennepetal.   Ennepetaler (33) steht erneut wegen Betrugs vor Gericht. Weitere Verfahren laufen gegen den Werkstattbetreiber. Angeklagter zahlt Strafe bar.

Das Schwelmer Amtsgericht hat einen Ennepetaler Automechaniker wegen Betrugs verurteilt. Für das Gericht war es erwiesen, dass der Mann einem Kunden Geld für einen Rußpartikelfilter abgenommen hatte, ohne die Leistung zu erbringen. Noch im Gerichtssaal zückte der Angeklagte ein prall gefülltes Portemonnaie und bezahlte das Geld zurück.

Monatelang hielt der Betreiber einer Autowerkstatt in Ennepetal einen Kunden hin. Der reiste schließlich sogar aus Wassenberg an, um endlich herauszufinden, wann denn der 700 Euro teure Rußpartikelfilter in seinen Wagen eingebaut würde. Dabei hatte alles im November 2017 gut angefangen. Der Wassenberger hatte im Internet recherchiert, wer die richtigen Ersatzteile für sein Auto anbot und kam auf eine Werkstatt in Ennepetal. „Er schien sich damit auszukennen und hatte meine Ersatzteile. Das klang vielversprechend, also schickte ich ihm eine Mail“, erzählte der 30-jährige Mann im Zeugenstand.

Kunden ständig nur vertröstet

Er machte sich auf ins mehr als 100 Kilometer entfernte Ennepetal und ließ sein Auto in der Werkstatt. Am 1. Dezember überwies der Mann 700 Euro für einen Rußpartikelfilter an den Ennepetaler. Danach drei Wochen Schweigen. „Ich habe dann angerufen und gefragt, ob das Geld angekommen ist. Ich wurde vertröstet. Danach gab es keinen Kontakt mehr.“

Der verzweifelte Kunde schrieb und telefonierte sich die Finger wund. Der Mechaniker ging nicht ans Telefon und beantwortete keine Nachrichten mehr. Erst Ende Februar habe der Wassenberger ihn endlich erreicht und wurde prompt erneut vertröstet: „Er sagte mir, der Wagen müsse noch über den TÜV“, so der Zeuge weiter. Schließlich wurde es ihm zu bunt, und er nahm – abermals – mit seinem Vater den weiten Weg nach Ennepetal auf sich und holte nun seinen Wagen ab. „Ich verlangte die Herausgabe des Schlüssels. Ich musste sogar noch eine neue Batterie einbauen lassen, weil die alte leer gelaufen war.“

Der Angeklagte (33) gab zu, das Geld verlangt zu haben. Er bestritt aber, dass er nicht bereit gewesen sei, den Auftrag auszuführen. „Das ist zwar doof gelaufen, aber es war keine Absicht. Ich hatte Lungenentzündung. Und außerdem hatte der Kunde gesagt, es wäre nicht so eilig.“

Staatsanwalt platz der Kragen

Im Plädoyer platzte dem Staatsanwalt der Kragen: „Ich bin fest überzeugt: Sie sind ein Betrüger! Sie haben sich einer klassischen Masche bedient! Sich nicht melden, dann krank melden, dann vertrösten. Oder wie kommt es, dass Sie praktisch vierteljährlich von Kunden wegen Betrugs angezeigt werden?“ Der Angeklagte meinte darauf patzig: „Es gibt eben viel Neid in der Welt!“

Ein Blick in den Bundeszentralregisterauszug sprach eine deutliche Sprache: zwei einschlägige Eintragungen wegen Betrugs. Offenbar gibt es zwei weitere noch laufende Verfahren gegen den Ennepetaler. Das Gericht folgte dem Antrag des Staatsanwaltes und verurteilte den Mann zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe. Des Weiteren zog es 700 Euro vom Angeklagten ein und verdonnerte ihn auf Schadenersatz von 892 Euro (700 Euro für den Filter und 192 Euro für die neue Batterie), die er an den Wassenberger zahlen muss. Genervt zückte der Ennepetaler auf einmal eine prall gefüllte Brieftasche und zählte mit abfälliger Geste das Geld hin, das der Geschädigte wortlos in Empfang nahm. Der Angeklagte kündigte an, dass das noch ein Nachspiel haben werde und stürmte aus dem Gerichtssaal.

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