Corona

„Essen ist fertig“ – die EN-Südkreis-Redaktion im Homeoffice

Ist zuständig für den Online-Auftritt unserer Redaktion: Veronika Szary an ihrem Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden. 

Ist zuständig für den Online-Auftritt unserer Redaktion: Veronika Szary an ihrem Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden. 

Foto: Veronika Szary / WP

Schwelm.  Die Corona-Pandemie zwingt auch die Lokalredaktion in Schwelm dazu, völlig neue Wege zu gehen. Ein kleiner unterhaltsamer Einblick.

Die Corona-Pandemie stellt auch unsere ohnehin durch Krankheit und Urlaub reduzierte Redaktion vor besondere Herausforderungen. Bis auf eine Minimal-Besetzungen der Büros in Schwelm und Ennepetal arbeiten alle inzwischen von zu Hause aus. Artikel schreiben, Schlagzeilen bauen, ins Internet stellen und Zeitungsseiten füllen – die Aufgaben sind die gleichen, die Bedingungen komplett anders. Hier ein Einblick von einem Arbeitstag, den wir uns vor zehn Tagen niemals hätten träumen lassen.

8.43 Uhr: Andreas Gruber fährt seine Programme hoch, um vorm großen Ansturm sicher auf die Datenautobahn zu gelangen. Stabile Leitungen sind im Homeoffice das A und O.

8.50 Uhr: Mails checken. Die Vereine und Institutionen haben ihre Absagen und Ausfälle alle längst kundgetan. Das elektronische Postfach ist so gut wie leer. Womit füllen wir die kleinen Meldungen?

9.30 Uhr: Hartmut Breyer verlässt seine Wohnung, die für ihn noch nicht zum Büro geworden ist, und macht sich auf den Weg in die Ennepetaler Redaktion. Dort befindet er sich ohnehin das ganze Jahr über in Isolation, so dass sich seine Arbeitsweise kaum verändert hat. Auffällig ist, dass weniger Menschen auf den Straßen unterwegs sind als sonst. Und der Terminkalender gähnt vor Leere...

10.00 Uhr: Die Morgenbesprechung startet. Skype macht’s möglich. Nach wie vor ungewohnte Einblicke in die Wohnungen der Kollegen. „Deine Pflanze im Hintergrund ist nicht echt, oder?“ Stimmt! „Das hatten wir uns schon gedacht.“ Gut, dass das Übertragungsbild von Kollege Gruber unscharf ist. So bekommt niemand mit, dass er sich seit drei Tagen nicht mehr rasiert. Dafür hat er im Hintergrund die gesammelten Werke der Weltliteratur aufgereiht, der Angeber. Stefan Scherer und Max Kölsch arbeiten ebenfalls von zu Hause aus, Birgit Böttcher hält tapfer die Stellung in der Redaktion.

10.15 Uhr: Die Themen für die aktuelle Ausgabe stehen. Aufmacher auf der lokalen Seite eins ist erstmals seit Tagen kein Corona-Thema mehr. Puuh, endlich mal! Aber der Tag hat gerade erst begonnen...

11.00 Uhr: Max Kölsch hat ein Problem: Ein Bild zu seinem Artikel ist nicht wie gewünscht geliefert worden. Da er gerade mitten in der Recherche zu einer anderen Geschichte steckt, kann er sich in diesem Moment nicht selbst um eine Alternative kümmern.

Glücklicherweise ist seine Freundin gerade zuhause. Sie bekommt prompt die Kamera in die Hand gedrückt. Mit ein paar Instruktionen schickt er sie darauf hinaus zum Fototermin.

11.27 Uhr: „Westfalenpost und Rundschau-Redaktion Scherer“. Der Telefonspruch ist auch bei Rufumleitung eingebrannt, die Umgebung stimmt nicht. Auch das Ende des Gesprächs muss geändert werden. „Lassen Sie uns das bei einem Kaffee bereden, ich bringe die Kamera für ein Foto mit“, stammt aus der Prä-Corona-Zeit. „Wann können wir skypen, und können Sie mir ein hochauflösendes Foto schicken?“, heißt es nun. Und: Alle sind total kooperativ. Dankeschön, dass Sie uns nicht hängen lassen.

12.00 Uhr: Stefan Scherer geht in die nächste Videokonferenz mit der Chefredaktion und den anderen Redaktionsleitern im gesamten Verbreitungsgebiet. Wie ist die Lage in den Redaktionen? Kann die Zeitung noch sicher zugestellt werden?

12.34 Uhr: Unsere drei Lieblingsdamen – Layouterin Wiebke Rübel, Grafikerin Manuela Nossutta und Onlinerin Veronika Szary – greifen mit ins Rad, damit wir optisch und digital ebenfalls einen guten Eindruck hinterlassen. Das Trio ist ebenfalls im Homeoffice.

13.00 Uhr: „Das Mittagessen ist fertig“, schallt es aus der Küche. Die letzte halbe Stunde durfte Max Kölsch schreiben, während ihm der Magen in den Kniekehlen hing und ihm der liebliche Duft von Gemüsesuppe in die Nase stieg. Da kommt das Essen gerade recht. Und wann steht es während der Arbeit schonmal fertig angerichtet auf dem Tisch?

Coronavirus: Richtiges Verhalten bei Infektionsverdacht
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13.32 Uhr: Die Kollegen Scherer und Gruber kommen auf Betriebstemperatur. Aber anders als gewollt. Der Platz unter der Dachschräge ist bei strahlendem Sonnenschein ein denkbar schlechter Ort fürs Homeoffice. Also besser in einen anderen Raum umziehen? Es hagelt Proteste vom Rest des Hausstandes. Im Hause Scherer heißt es deutlich: „Telefonierst Du, oder schreist Du da oben einfach so laut Du kannst?“ Ein Umzug näher an die Ohren der Frau im Hause und des Teenagers im Homeschooling ist ausgeschlossen.

14.44 Uhr: Das war’s mit Homeoffice. Zumindest für Kollege Max Kölsch. Er muss raus zu einem Brand in Gevelsberg. Gut für ihn: Der Einsatzort befindet sich unmittelbar in seiner Nachbarschaft. So ist er schnell vor Ort, kann Fotos machen und mit der Feuerwehr sprechen. Ebenso schnell ist er danach wieder zuhause und kann den Artikel schreiben, den er zuerst ins Internet stellt.

15.12 Uhr: „Es ist schon ein komisches Gefühl hier in Schwelm. Nun bin ich alleine in der Redaktion“, denkt sich Redaktionsassistentin Birgit Böttcher. Wenn alle anderen Kollegen im Büro sind, wünscht sie sich manchmal etwas mehr Freiraum. Aber jetzt ist es ihr zu still und viel zu groß. Sie hofft, dass bald wieder alle aus dem Homeoffice zurück sind.

16.12 Uhr: Die Waschmaschine piept. Max Kölsch unterbricht seine Arbeit kurz, um sich um seine Wäsche zu kümmern. Er freut sich, dass er das dank Homeoffice nun auch mal nachmittags tun kann und nicht erst abends, wenn es für die Nachbarn eigentlich zu laut ist. Dafür muss er jetzt tagsüber feststellen, dass seine Nachbarn sehr laut sind. Die hocken nämlich auch alle zuhause. Er wünscht sich doch wieder zurück ins Büro.

18.00 Uhr: Hartmut Breyer verlässt die Redaktion Ennepetal. Ohne Ablenkung durch Fernseher, Bett, einen übervollen Kühlschrank oder andere Luxuselemente verlief der Arbeitstag recht geradlinig. Und der Blick aus dem Fenster in die ehemalige Fußgängerzone in Milspe förderte den ganze Tag über im Hinblick auf die Menschendichte auch kaum einen Unterschied zur sonstigen Situation zutage… Die Zeitung ist fertig, das Internet und natürlich die Facebook-Seite sind gefüttert. Bis Morgen – im Video-Chat und am Telefon.

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