Prozesse

Ex-Schwelmer (46) soll Stieftochter schwer missbraucht haben

Ein 46-Jähriger soll seine Stieftochter in Schwelm zwei Jahre lang immer wieder missbraucht haben. Der Prozess beginnt am Montag.

Ein 46-Jähriger soll seine Stieftochter in Schwelm zwei Jahre lang immer wieder missbraucht haben. Der Prozess beginnt am Montag.

Foto: Patrick Pleul / picture alliance/dpa

Schwelm/Ennepetal.  Ein Schwelmer soll seine Stieftochter schwer sexuell missbraucht, ein Ennepetaler seine Halbschwester. Jetzt beginnen die Prozesse.

Die Anklageschriften sind nichts für schwache Nerven. Gleich zwei Prozesse, in denen heftigste Sexualstraftaten in Schwelm und in Ennepetal angeklagt sind, beginnen in der kommenden Woche vor dem Hagener Landgericht. Am Montag, 9. Dezember, ist Verfahrensauftakt gegen einen 46-Jährigen, der seine Stieftochter in Schwelm schwer und über Jahre missbraucht haben soll.

Am Dienstag, 10. Dezember, schließlich beginnt der Prozess gegen einen 35-jährigen Ennepetaler, der sich unter anderem wegen eines gewalttätigen sexuellen Übergriffs auf seine Halbschwester verantworten muss. Ihm droht nach Verbüßen seiner möglichen Haftstrafe eventuell sogar noch die Sicherungsverwahrung, sollte das Gericht zu dem Schluss kommen, dass er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

Die Tat in Schwelm

Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen sind die Taten, die die Staatsanwaltschaft einem 46-Jährigen vorwirft. Die Missbräuche sollen bereits einige Zeit zurückliegen und in den Jahren 2010 und 2011 stattgefunden haben. Der Mann, der mittlerweile in Hamm lebt, wohnte damals noch mit seiner Lebensgefährtin und deren Tochter in Schwelm. Ihm wird zur Last gelegt, das damals neun- bis elfjährige Mädchen in zwölf Fällen sexuell missbraucht zu haben.

„Überwiegend soll es im Zimmer des Mädchens in der damaligen Wohnung der Familie in Schwelm zu den Übergriffen gekommen sein“, teilt die Pressestelle des Landgerichts Hagen mit. Ebenso soll der heute 46-Jährige seine Stieftochter während einer gemeinsamen Vater-Kind-Kur in Plön mehrfach missbraucht haben. Von den zwölf angeklagten Fällen hat die Staatsanwaltschaft drei Fälle als schweren sexuellen Missbrauch gewertet, in drei Fällen geht es um versuchten schweren sexuellen Missbrauch von Kindern.

Die Geschichte kam nur nach und nach ans Tageslicht. Das heute 19-jährige Mädchen soll sich erstmals im Alter von 14 Jahren einer Freundin anvertraut haben. Sie tritt in dem Verfahren, das vor der ersten großen Strafkammer des Hagener Landgerichts am Montag um 9.30 Uhr eröffnet wird, als Nebenklägerin auf.

Der Angeklagte kann im Falle einer Verurteilung mit einer Freiheitsstrafe zwischen zwei und 15 Jahren rechnen. Er ist nicht vorbestraft, befindet sich auf freiem Fuß und wird laut der aktuellen Planung der Kammer nach sechs Verhandlungstagen am Donnerstag, 23. Januar, mit seinem Urteil rechnen können.

Die Tat in Ennepetal

In Untersuchungshaft befindet sich derzeit der 35-jährige Ennepetaler, der auf brutale Art und Weise einen sexuellen Übergriff auf seine Halbschwester durchgeführt haben soll. Im Falle einer Verurteilung kann er für bis zu 15 Jahre ins Gefängnis wandern. Das Gericht – auch hier verhandelt die Erste große Strafkammer des Hagener Landgerichts – hat bereits darauf hingewiesen, dass auch die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt, einem psychiatrischen Krankenhaus und in der Sicherungsverwahrung zu prüfen sei. Letzteres kann im Extremfall bedeuten, dass der vorbestrafte Vergewaltiger für den Rest seines Lebens weggesperrt wird.

Der Fall, weshalb die Staatsanwaltschaft ihn wegen eines gewaltsamen sexuellen Übergriffs mit gefährlicher Körperverletzung und dem Verstoß gegen Bewährungsauflagen anklagt, ereignete sich am 8. Juli dieses Jahres und begann damit, dass er seine 20-jährige Halbschwester, die sich bei ihm aufhielt, vor die Tür geschickt haben soll, um mit seinem Hund Gassi zu gehen.

Als sie von dem Spaziergang zurückkam, soll er ihr im dunklen Flur hinter der Tür aufgelauert und sie vollkommen unvermittelt angegriffen haben. „Dabei soll er sie heftig gewürgt haben, ihr an die Brüste gefasst haben, erfolglos versucht haben sie zu entkleiden und gesagt haben, er wolle sie nunmehr im Keller ,ficken’“, teilt das Hagener Landgericht mit. Die junge Frau soll sich jedoch derart heftig gegen ihren Peiniger gewehrt haben, dass dieser schließlich von ihr abließ.

Sie tritt in dem Verfahren gegen ihren Halbbruder als Nebenklägerin auf und wird bestimmt mit Spannung verfolgen, was mit ihrem Halbbruder passiert. Denn der hat eine lange Strafakte und bereits reichlich Erfahrungen im Gefängnis sowie auch im psychiatrischen Krankenhaus gesammelt. So soll der Enneptaler bereits wegen mehrerer Vergewaltigungen – in einem Fall zugleich mit schwerer räuberischer Erpressung – Diebstahls, Unterschlagung sowie Urkundenfälschung zugleich mit Betrug vorbestraft sein.

Insbesondere soll er im Jahr 2005 zu einer Jugendstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt worden sein. Zugleich ordneten die Richter damals seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus im Jahr 2017 wurde seine Reststrafe von etwa zweieinhalb Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Aus dieser Verurteilung stammt auch die gerichtliche Auflage, dass der Ennepetaler keinen Alkohol und keine Drogen mehr konsumieren darf.

Allerdings soll er vor der Tat gegen seine Halbschwester entgegen dieser richterlichen Weisung Kokain konsumiert haben, weshalb nun auch dieser Verstoß gegen die Bewährungsauflagen und der damit verbundene Widerruf der Bewährung Gegenstand des Verfahren sein werden. Dieses beginnt am Dienstag, 10. Dezember, um 9.30 Uhr vor der Ersten Großen Strafkammer des Hagener Landgerichts im Saal 201. Die Kammer hat für das Verfahren gegen den 35-Jährigen sieben Verhandlungstage angesetzt. Bislang ist der Urteilsspruch für Mittwoch, 5. Februar 2020, vorgesehen.

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