Bauarbeiten

Brückenarbeiten: A 1 bei Gevelsberg im September gesperrt

Darauf haben die Menschen seit Jahren gewartet: Die Arbeiten laufen an der Eichholzstraße. Bald soll die Behelfsbrücke stehen.

Darauf haben die Menschen seit Jahren gewartet: Die Arbeiten laufen an der Eichholzstraße. Bald soll die Behelfsbrücke stehen.

Foto: Stefan Scherer

Gevelsberg.   Bauarbeiten an der Gevelsberger Brücke sind mit Jahren Verzögerung gestartet. Eine Behelfsbrücke über die Autobahn soll am 16. Juni stehen.

Höher könnten die beiden Stellen kaum sein, die den seit Jahren genervten Autofahrern an der Brücke, die die Eichholzstraße in Gevelsberg über die A 1 führt, ein schriftliches Versprechen geben: Das Bundesverkehrsministerium und sein NRW-Pendant verkünden den Autofahreren in großen Lettern von zwei Schildern: „Wir bauen für Sie bis Juli 2020“. Ob dieses neuerliche Datum gehalten werden kann? „Verzögerungen sind ja durch viele Unwägbarkeiten möglich, aber zumindest ist dieses Datum bei optimalem Verlauf möglich“, sagt Andreas Berg, Pressesprecher des Landesbetriebs Straßen NRW.

Der Glaube in Versprechungen und Terminzusagen der Landesbehörde ist mit Blick auf diese Baustelle bei den Gevelsbergern auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt, doch sie nehmen zumindest wohlwollend zur Kenntnis, dass die Arbeiten seit einigen Wochen rund um die Brücke laufen und sich deutlich sichtbar etwas verändert. „Wir haben die Bohrpfahlgründungen für die Behelfsbrücke nun fertig“, teilt Andreas Berg auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Es folgen weitere vorbereitende Arbeiten bis zur 24. Kalenderwoche, die die lang erwartete Verbesserung bringen soll. „Wir wollen vom 14. bis 16. Juni die Behelfsbrücke installieren“, sagt Berg. Dafür werden die jeweils linken Fahrstreifen der Autobahn 1 in beide Richtungen gesperrt und der Verkehr sowohl in Richtung Köln als auch in Richtung Bremen zweispurig an der Baustelle vorbeigeführt.

Entlastung für Gewerbetreibende

Mit der Installation der Brücke atmen vor allem die Gewerbetreibenden auf. Denn die Behelfsbrücke ist keinen Restriktionen unterworfen, trägt uneingeschränkt den Schwerlastverkehr in beide Richtungen. Auch wenn es zahlreiche Bedenkenträger vor allem mit Blick auf die Kosten gegeben hat, ob es sinnvoll sei, die teure Behelfsbrücke für nur etwa ein Jahr zu installieren, haben sich insbesondere der Gevelsberger Bürgermeister Claus Jacobi und sein Wetteraner Pendant Frank Hasenberg dafür stark gemacht, dass die Behelfsbrücke in jedem Fall installiert wird. „Zum einen haben wir oft genug mitbekommen, was alles schief laufen kann, zum anderen ist dies für unsere Gewerbetreibenden eine ungemeine Entlastung, die wir ihnen zukommen lassen wollten“, sagt Claus Jacobi.

Steht die Behelfsbrücke, fängt die eigentliche Arbeit erst an. Dann wird nämlich das alte Bauwerk, das im Spätsommer 2015 durch eine Brückenprüfung gefallen war, abgerissen. Bislang war der August von Straßen NRW anvisiert, es werde aber wohl eher September werden, teilt der Landesbetrieb Straßenbau mit. „Den genauen Termin werden wir rechtzeitig bekannt geben“, sagt Andreas Berg.

Brücke soll gesprengt werden

Denn: Der Abriss wird erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr im Rheinland und im Ruhrgebiet haben, weil die A 1 – zwischen Köln und Dortmund der meist befahrene Autobahnabschnitt Europas – dafür komplett gesperrt werden muss. „Wir gehen davon aus, dass dies auch an einem Wochenende möglich sein wird“, sagt Andreas Berg. Dieser Abriss wird aller Wahrscheinlichkeit über eine Sprengung erfolgen.

>>> INFO

Der Wiederaufbau der neuen Brücke wird einige Monate in Anspruch nehmen.

Im April 2020 soll das neue Stahlbeton-Verbundbauwerk stehen.

Im Anschluss wird die provisorische Brücke wieder abgebaut und die Baustelle soll bis Ende Juni verschwunden sein.

Auch bei der Montage der Träger der neuen Brücke wird die Autobahn – wohl auch nur für ein Wochenende – komplett gesperrt werden müssen.


>>> KOMMENTAR

All die Zweifler, die nun aufschreien und anmerken, nach all den Jahren sei es pure Geldverschwendung, dort für nur etwa ein Jahr die teure Behelfsbrücke hinzusetzen, sei die gesamte Geschichte dieser Baustelle noch einmal in Erinnerung gerufen. Mittlerweile sind vier Jahre ins Land gezogen, seit die Brückenprüfung ergab, dass das Bauwerk umgehend für den Schwerlastverkehr gesperrt werden muss. Die erste Prognose, für die sich auch Landtagsabgeordneter Hubertus Kramer massiv einsetzte, lautete: Im Frühjahr 2017 steht die neue Brücke. Straßen NRW – so etwas wie das Bauamt des Landes Nordrhein-Westfalen – hat sich von diesen politischen Wünschen allerdings wenig beeindrucken lassen. Aus eineinhalb Jahren Planung und Bau sind mittlerweile fünf geworden.


Diese Egal-Haltung des Landesbetriebs, was Zeit, Steuergelder und Auswirkungen auf Bürger betrifft, lässt sich auch an anderen Stellen ohne Mühe nachvollziehen. Nur eines von vielen Beispielen ist die Vollsperrung der ehemaligen B 7 in Ennepetal, wo gar überhaupt nichts wie versprochen umgesetzt worden ist und dann ohne groß darüber nachzudenken, noch die Einbahnregelung hinzukam.


Ich hoffe, dass die Planungen an der Eichholzstraße tatsächlich Realität werden und ab Juli 2020 eine neue Brücke steht. Gleichzeitig halte ich es aber auch nicht für ausgeschlossen, dass die Behelfsbrücke ein recht andauerndes Provisorium werden könnte. Daher ist es gut und absolut richtig, diese nun zu installieren. Stefan Scherer

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