Diebstahl

Gevelsberg: „Das Herz der Kirche“ gestohlen

Unbekannte entwenden den Tabernakel in der St. Engelbert-Kirche und richten damit nicht nur einen materiellen Schaden an

Unbekannte entwenden den Tabernakel in der St. Engelbert-Kirche und richten damit nicht nur einen materiellen Schaden an

Foto: WP

Gevelsberg.  Der Diebstahl des Tabernakels in der Kirche St. Engelbert trifft die Gemeinde bis ins Mark.

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„Es ist das Herz einer Kirche“, sagt Propst Norbert Dudek. In der St.-Engelbert-Kirche wurde es gewaltsam herausgerissen. „Das trifft die Gemeinde bis ins Mark“, erklärt der Geistliche einen Tag nach der Tat und ist noch immer fassungslos. Dass ein Tabernakel gestohlen wurde, das habe er noch nie erlebt. Zumal es fest an einem Tisch verschraubt war. Wie hoch der materielle Schaden ist, dass kann Dudek noch nicht sagen, aber der ideelle Wert des Tabernakels für die Kirche sei unermesslich.

Sakrament der Eucharistie

Seit Jahrzehnten steht der Tabernakel links vom Altar. Er sieht aus wie ein kleiner metallener Schrank, der mit Bergkristallen besetzt ist. Er ist kunstvoll gestaltet und spielt in jedem katholischen Gottesdienst die zentrale Rolle. Denn in seinem Inneren werden die Hostien aufbewahrt, die für den Leib Christi stehen.

Das Kästchen, in denen wiederum die Hostien sind, besteht entweder aus Silber oder ist vergoldet, das sei von Kirche zu Kirche unterschiedlich, sagt Dudek. Manchmal stehe dort auch ein Glas Wein, symbolisch für das Blut Christi.

Fest steht seine große Bedeutung in der Kirche. „Er ist im Mittelpunkt“, sagt Dudek und erklärt: Vor jeder Messe wird der Tabernakel geöffnet, um die Hostien herauszuholen, für das Abendmahl, der Danksagung am Ende einer Messe, das Sakrament der Eucharistie. „Es steht für die Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Das Tabernakel ist ein wichtiges Zeichen für Gottes Gegenwart.“

Provisorium wird geweiht

Norbert Dudek versichert aber, dass der nächste Gottesdienst wie geplant in der St.-Engelbert-Kirche stattfinden kann. Für den heutigen Donnerstagabend ab 18 Uhr wurde ein Tabernakel aus Holz aufgestellt, ein Provisorium, das während der Fronleichnamsprozessionen zum Einsatz kommt. Es ist kleiner, leichter und nicht so kunstvoll wie das Original – aber es erfüllt seinen unverzichtbaren Zweck. Im Gottesdienst am kommenden Sonntag, 18. August, ab 9.30 Uhr wird der Propst den neuen Tabernakel in der Kirche segnen.

Schon vor 14 Tagen gab es in der St.-Engelbert-Kirche einen Diebstahl. Wie sich später herausstellte, hatte ein Betrunkener die Osterkerze mitgenommen. Dudek erklärt, dass dieser auf seinem Weg durch die Stadt von jemanden gesehen wurde, der ihm die Kerze abnahm und wieder zur Kirche zurück brachte. Zum Glück. Die Kerze sei mittlerweile gereinigt und wieder geweiht worden. Der Tabernakel ist weiterhin verschwunden und mit Sicherheit auch beschädigt. Mehrere Teile lagen verstreut auf dem Boden, als der Diebstahl am Montag bemerkt wurde. Dudek geht davon aus, dass mehrere an der Aktion beteiligt gewesen sein müssen. „Einer alleine kann den Tabernakel nicht tragen.“ Weitere Spuren von den Tätern gebe es nicht. Die Kirche wurde, wie immer, am Morgen auf- und am Abend abgeschlossen.

Jetzt bleibt das Gebäude bis zum Gottesdienst verschlossen – und auch der Unterarm von den sterblichen Überresten vom Namensgeber der Kirche Engelbert, der unter dem Tabernakel in einem Glasgefäß aufbewahrt wurde, ist dort nicht mehr zu sehen. „Er steht jetzt im Tresor“, sagt Dudek. Und noch etwas ist nach dem Diebstahl anders: Das ewige Licht, die rote Kerze links vom Tisch, wo der Tabernakel stand, brennt nicht mehr. „Es ist das Zeichen dafür, dass im Tabernakel geweihte, bzw. gewandelte Hostien aufgehoben werden“, sagt Dudek.

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