Strückerberg

Gevelsberg: Straßen NRW kündigt Gehölzpflege an

Baumprüfer Sven Kottsieper von Straßen NRW hier am Strückerberg in Gevelsberg.

Baumprüfer Sven Kottsieper von Straßen NRW hier am Strückerberg in Gevelsberg.

Foto: Carmen Thomaschewski / WP

Straßen NRW teilt mit, dass wieder Gehölzpflegearbeiten an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen anstehen. Vor einem Jahr hagelte es viel Kritik.

Gevelsberg. Auch wenn die freie Sicht vom Strückerberg auf Gevelsberg ein Hingucker ist, sie ist und bleibt umstritten. Der Landesbetrieb Straßen NRW spricht von notwendigen Gehölzarbeiten, der Gevelsberger Bürgermeister Claus Jacobi von einem Kahlschlag. Jetzt, ein Jahr später, stehen die nächsten Eingriffe in die Natur an. Die Behörde betont, dass die Maßnahmen dem Artenschutz und der Verkehrssicherheit dienen.

Zwei Menschen sind in diesem Jahr durch plötzlichen Baumschlag auf den Straßen in NRW getötet worden. Der Haßlinghauser Harald Gerbracht hatte Glück. Er ist mit dem Schrecken davon gekommen. Er war am Montag kurz nach sechs Uhr morgens auf der Gevelsberger Straße unterwegs, als eine mehr als 20 Meter große Buche auf seinen Wagen knallte – genau genommen war es nicht der Stamm, sondern die Spitze, die ihn erwischte. Nur deshalb ist er so glimpflich davon gekommen.

Für die Staatsanwaltschaft sei die Schuldfrage bei einem Baumschlag eindeutig, sagt Sven Kottsieper. Hätte der Vorfall vermieden werden können und wer ist Eigentümer des Grundstücks, auf dem der Baum steht? Es gehe um die Verkehrssicherungspflicht, betont der Baumprüfer, darum, dass niemand zu Schaden kommt und dass der Eigentümer die Verantwortung trägt.

1200 Kilometer Straße hat der Landesbetrieb im Blick, rechts und links davon stehen Bäume, sind Sträucher und Gehölzer. Jeden Tag ist Sven Kottsieper im EN-Kreis, in Hagen oder im Märkischen Kreis unterwegs, um kranke Bäume aufzuspüren, potenzielle Gefahrenquellen für die Verkehrsteilnehmer rechtzeitig zu erkennen.

Mehr Transparenz

Der Mann von Straßen NRW kann nachvollziehen, dass Kritik nach den Rodungsarbeiten am Strückerberg und entlang der Rosendahler Straße in Gevelsberg aufkam. Für den Verkehrsteilnehmer sehe es beim kurzen Blick auf eine solche, frisch bearbeitete Fläche schnell nach Kahlschlag aus. Das Eschentriebsterben habe aber einen Großteil des Bestandes geschädigt. Es habe keine Alternative gegeben. Vereinzelt Bäume stehen zu lassen, wäre auch keine Option gewesen, erklärt Kottsieper. „Jetzt kann sich der Bestand erholen, die Bäume treiben wieder aus. In zwei Jahren ist hier wieder ein grünes Band“, sagt der Baumprüfer.

Der Landesbetrieb hat aus diesem Konflikt seine Lehren gezogen. „Wir haben die Kommunikation intensiviert“, erklärt Kottsieper, zu Terminen vor Ort eingeladen, um zu erklären, warum und wie die Behörde tätig werde.

In der kommenden Woche beginnen Gehölzarbeiten an der Eichholzstraße. Es gibt ein Gutachten über den Baumbestand, der der Gevelsberger Stadtverwaltung ebenso zugeleitet wurde, wie Informationen über die Maßnahme an sich. „Ich finde es gut, dass wir dieses Mal im Vorfeld informiert wurden“, sagt Claus Jacobi auf Nachfrage unserer Zeitung. Er freut sich, dass eine größere Transparenz geschaffen worden sei und die Stadt die Möglichkeit habe, ihre Einschätzung dazu abzugeben. „Ich habe trotzdem die Sorge, dass es wieder zu einem Kahlschlag kommt“, erklärt Jacobi und betont, dass natürlich die Sicherheit der Menschen an erster Stelle stehe, „aber im vergangenen Jahr sind zu viele Bäume gefällt worden.“ Er kündigte an, vom ersten Tag an genau hinzuschauen, was an der Eichholzstraße passiert. „Und ich würde mich freuen, wenn wir in zwei Wochen ein positives Resümee ziehen würden.“

Dem Straßenbaulastträger gehe es einzig um Sicherheit, Artenschutz- und Pflegemaßnahmen, sagt Sven Kottsieper. An der Gevelsberger Straße herrscht nach dem Unfall am Montagmorgen dringender Handlungsdruck. „Wir werden jetzt jeden Baum in dem Bereich prüfen, damit so etwas nicht noch einmal passiert.“ Zum Glück haben alle gut reagiert. Harald Gebracht, der das Lenkrad nicht rumgerissen hat, die anderen Autofahrer, die rechtzeitig bremsen konnten und die Gefahrenstelle absicherten, die Feuerwehr, die die Straße schnell räumte.

Warum der Baum plötzlich mitsamt der Wurzel auf die Straße kippte? Der Grundwasserspiegel sei aufgrund der Trockenheit gesunken, die Wurzeln reichen nicht tief genug, dann der ergiebige Regen der vergangenen Tage, der das Laub schwer und den Boden weich gemacht habe, ein unglückliches Zusammenspiel. „Welche Schäden die Hitze in diesem Sommer in diesem Jahr hinterlassen hat, das ist erst in ein, zwei Jahren zu sehen“, sagt der Fachmann.

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