Gleichstellung

Gevelsberger Bürgermeister hält nichts von Gender-Sprache

Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi (oben rechts) bekam für seine Aussagen zur Gendersprache Applaus von Wieland Rahn (unten links).

Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi (oben rechts) bekam für seine Aussagen zur Gendersprache Applaus von Wieland Rahn (unten links).

Foto: Stefan Scherer / WP

Gevelsberg.  Beim Thema Gendersprache bremst der Gevelsberger Bürgermeister seine Gleichstellungsbeauftragte aus. Die gelebte Praxis sei wichtiger.

Es passiert nicht oft, dass im Ratssaal nach einem Wortbeitrag von Bürgermeister Claus Jacobi völlige Ruhe herrscht und einzig der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Wieland Rahn dem SPD-Stadtoberhaupt Applaus klatscht. Am Dienstag im Hauptausschuss trat dieser seltene Fall ein, nachdem Gleichstellungsbeauftragte Christel Hofschröer den Gleichstellungsplan der Stadt Gevelsberg bis zum Jahr 2023 vorgestellt hatte. Es ging um geschlechtergerechte Sprache.

Wolfram Thiel, Fraktionssprecher der Grünen, wollte nach dem Vortrag der Gleichstellungsbeauftragten wissen, wie es denn in der Stadt Gevelsberg mit der geschlechtergerechten Sprache aussehe. „Das ist eines meiner Herzensthemen seit vielen Jahrzehnten“, begann Christel Hofschröer. „Wir wollen immer beide Geschlechter benennen, und wenn das nicht möglich ist, geschlechtsneutral umschreiben. Es ärgert mich immer maßlos, wenn das nicht umgesetzt wird“, fuhr sie fort und machte ihren Standpunkt für die Arbeit mit Sprache in der Stadtverwaltung Gevelsberg deutlich. Einer, der dies offensichtlich nicht konsequent anwendet, sitzt allerdings auf dem Chefsessel im Rathaus.

Große Herausforderungen

Denn bevor irgendjemand anderes etwas sagen konnte, ergriff Claus Jacobi das Wort: „Man sollte beim Thema Sprache nicht verkrampfen. Bevor beispielsweise Grußworte unlesbar werden, wähle ich weiterhin die männliche Form. Es hat sich noch niemals eine Frau deswegen bei mir beschwert. Von Binnen-I und Gender-Star halte ich überhaupt nichts. Sprache muss sich auch ihre Eleganz bewahren. Da müsst ihr mich auch aushalten.“ Ruhe im Saal. Applaus Wieland Rahn.

Gleichwohl machte der Bürgermeister, nachdem er seine eigene Gleichstellungsbeauftragte ausgebremst hatte, aber auch klar, dass die Stadtverwaltung in der beruflichen Praxis alles daran setzt, Männer und Frauen gleich zu stellen, durch fortschrittliche Arbeitsmodelle so familienfreundlich wie nur eben möglich zu sein und nichts unversucht lässt, mehr Frauen in Führungspositionen zu installieren. Dies hatte Christel Hofschröer als eine der großen Herausforderungen für die Gültigkeitsdauer des neuen Gleichstellungsplans bis 2023 ausgemacht.

„In der höchsten Hierarchie-Ebene unterhalb des Bürgermeisters gibt es nur Männer, erst darunter werden es immer mehr Frauen, bis schließlich in den unteren Ebenen zu sehr überwiegenden Teilen Frauen arbeiten.“

Zu wenige Frauen in Spitzenpositionen

„Es gibt in der Stadt Gevelsberg kaum jemanden, der als Arbeitgeber so flexibel ist, wie die Verwaltung“, antwortete der Bürgermeister. Dennoch sei es nicht möglich gewesen, Frauen, für die offenen Spitzenpositionen der vergangenen Jahre gewinnen zu können. „Die letzte Kandidatin, um die wir uns sehr bemüht haben, wollte einfach nicht weiter aufsteigen und hat uns deutlich gemacht, dass dieser Job mit ihrer Lebensplanung nicht in Einklang zu bringen ist“, sagte der Bürgermeister.

Nicht zuletzt, um auch diesem Umstand entgegen zu wirken, setzt der neue Gleichstellungsplan der Stadt Gevelsberg voll und ganz auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Untertitel lautet: „Geschlechter- und Familiengerechtigkeit als Basis für ein zukunftsfähiges Personalmanagement“. Damit sollen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.

Einerseits sollen Müttern und Vätern die maximalen Karrierechancen eröffnet werden, andererseits soll damit der Schwierigkeit entgegenwirkt werden, dass auch die Stadt Gevelsberg immer schlechter qualifiziertes Personal findet.

Denn: In den kommenden 15 Jahren wird der Bedarf an guten Kräften weiterhin steigen. „Etwa die Hälfte der Belegschaft wird dann das Rentenalter erreichen“, sagte Christel Hofschröer. Dazu kommt die normale Fluktuation, was den Bedarf an neuem Personal weiter erhöhen wird. Da will die Stadt Gevelsberg als familienfreundliche Kommune punkten – ob mit oder ohne geschlechtergerechte Sprache.

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