Schule

Gevelsberger Grundschule Vogelsang sieht Vielfalt als Chance

Die Grundschule Vogelsang Am Schultenhof in Gevelsberg. Schulleiterin Birgit Kaiser begreift die Vielfalt der Schüler- und Elternschaft vor allem als Chance.

Die Grundschule Vogelsang Am Schultenhof in Gevelsberg. Schulleiterin Birgit Kaiser begreift die Vielfalt der Schüler- und Elternschaft vor allem als Chance.

Foto: Max Kölsch / Funke Mediengruppe

Gevelsberg.  Birgit Kaiser, Leiterin der Grundschule Vogelsang in Gevelsberg, spricht über die Schwerpunkte ihrer Arbeit und Vorurteile gegenüber ihrer Schule.

Sie will Kindern die Welt im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar machen und sieht kulturelle Vielfalt mehr als Chance denn als Problem. Birgit Kaiser ist seit etwas mehr als einem Jahr Leiterin der Grundschule Vogelsang. Damit ist sie die Nachfolgerin von Annette Steudtner, die vor einigen Wochen starb (wir berichteten). Möglichen Vorurteilen gegenüber ihrer Schule erteilt Kaiser eine klare Absage.

„Schüler müssen die Welt entdecken und das geht nur, wenn sie etwas anfassen können“, deutet sie an, welche Schwerpunkte sie in ihrer Arbeit setzen will. Dazu passt, dass Kaiser selbst eine Affinität zu Naturwissenschaften hat, wie sie sagt.

Experimente-Raum

Einen Heißluftballon auf dem Schulhof steigen lassen oder eigene Lichterketten bauen – „die Kinder sollen viel ausprobieren und anfassen können“, sagt die Schulleiterin.

Im Sachunterricht beschäftigten sich die Vogelsang-Schüler daher unter anderem mit Magnetismus oder der Frage, warum etwas brennt. „Wir sind aktuell dabei, einen Raum mit Materialien für Experimente einzurichten“, freut sich Kaiser.

Zudem sei angedacht, mit den Schülern verstärkt außerschulische Lernorte wie beispielsweise Naturkundemuseen zu besuchen. „Das Konzept entwickelt sich“, so Kaiser.

Kampf mit Vorurteilen

Die Grundschule Vogelsang habe aber auch mit Vorurteilen zu kämpfen, gibt die 48-Jährige zu. „Es gibt Eltern, die ihre Kinder lieber an anderen Grundschulen anmelden“, sagt sie.

Das Umfeld der Schule sei gemischt. „Wir haben hier Kinder aus 14 Nationen, die unsere Schule besuchen“, weiß Birgit Kaiser. „Das bedeutet, dass Kinder zu uns kommen, die noch kein Deutsch sprechen.“ Das sei eine Herausforderung. Kaiser sagt aber klipp und klar: „Die Vielfalt macht unsere Grundschule aus.“

Probleme seien solche, die es an Grundschulen eben immer gebe. „Wir sind immer ein Schulsystem, dass alle Kinder hat“, erklärt die Schulleiterin. „Das hier ist gemeinsames Lernen von Beginn an.“ Die Kinder seien in ihrem Leistungsstand bunt gemischt. Hinzu kämen verschiedene Sprachen, Kulturen oder auch Erziehungsstile.

Problemen begegnen

Die Grundschule Vogelsang habe aber Möglichkeiten, dem zu begegnen. „Klar gibt es Situationen, in denen Kinder dem Unterricht nicht folgen können, weil sie kein Deutsch können“, sagt Kaiser. In solchen Fälle könne eine zweite Kollegin mit in die Klasse gehen und sich um diese Kinder kümmern. Auch Arbeitsmaterialien könne man reduzieren. Zudem gebe es Sonderpädagogen an der Schule, die Material speziell aufarbeiten könnten.

„Die Kinder werden bei uns alle in Regelklassen unterrichtet“, sagt Birgit Kaiser. „Manchmal nehmen wir Kleingruppen raus und machen Vokabel- oder Grammatikunterricht.“ Die Schule erhalte zusätzlich ehrenamtliche Unterstützung von drei Kolleginnen, die Kindern auf spielerische Art und Weise Deutsch beibrächten.

„Durch die verschiedenen Hintergründe der Kinder und auch der Eltern bieten sich viele Möglichkeiten“, so Kaiser. „Wir merken bei Projekten, die wir machen, dass Kinder dadurch lernen, anders an Dinge heranzugehen.“

Flexibilität der Stadt

An der Stadt Gevelsberg schätzt Kaiser laut eigener Aussage die Flexibilität. Das sagt die Schulleiterin mit Blick auf den Beschluss des Schulausschusses, die maximale Klassengröße an den Grundschulen Pestalozzi und Strückerberg auf 25 Kinder zu reduzieren (wir berichteten). Im Zuge dessen beschloss die Politik, an den beiden Schulen maximal drei Eingangsklassen zu bilden.

An den drei weiteren Gevelsberger Grundschulen – in der Schnellmark, im Vogelsang und in Silschede – sollen es maximal jeweils zwei Eingangsklassen sein. Die Entscheidung gilt zunächst für dieses und das folgende Schuljahr 2021/22.

Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi begründete den Beschluss unserer Zeitung gegenüber mit „enorm gestiegenen Anmeldezahlen“. Man brauche ein Steuerungselement für die fünf Grundschulen, sagte er. Nach zwei Jahren solle geschaut werden, ob und wie sich das Anmeldeverhalten ändere.

Zwei Eingangsklassen

„Was die Stadt Gevelsberg ganz gut macht, ist, die Anmeldezahlen abzuwarten“, sagt Birgit Kaiser. Die Grundschule Vogelsang starte in diesem Jahr erstmalig wieder zweizügig. In den letzten vier Jahren sei jeweils immer nur eine Eingangsklasse gebildet worden.

33 Kinder starten laut Kaiser in diesem Jahr Am Schultenhof in die Schulzeit. 96 Schüler habe die Schule dann insgesamt.

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