Politik

„Grauzone“ für Tempo-30-Zone am Winterberg in Schwelm

Mit selbst gemalten Achtungs-Schildern fordern auch die AWO-Kitas Grothestraße mehr Sicherheit auf der Winterberger Straße.

Mit selbst gemalten Achtungs-Schildern fordern auch die AWO-Kitas Grothestraße mehr Sicherheit auf der Winterberger Straße.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Mehr Sicherheit für Fußgänger wollen nicht nur die Mädchen und Jungen der Kita Grothestraße in Schwelm. Erste Maßnahmen kosten 5000 Euro.

„Objektiv betrachtet, herrscht auf der Winterberger Straße keine Raser-Problematik. Jedoch übersteigt die V85-Messung – insbesondere talwärts -- die derzeit angeordnete Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h um durchschnittlich 7 km/h“. So kommentierte Ordnungsamtsleiter Christian Rüth vor dem Hauptausschuss die Messergebnisse. Diese Daten sind Voraussetzung, um auf der Bundesstraße „Tempo 30“ einführen zu können.

Es ist die zweite Messreihe. Der erste Versuch hatte wegen eines Messfehlers wiederholt werden müssen. Im Messzeitraum 1. bis 7. Oktober wurde bei insgesamt 28.950 Fahrzeugen (darunter 4074 Lkw und 5054 Transporter), die das Radargerät passierten, bergauf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 43,1 km/h, bergab von 49,87 km/h erfasst. Zum Vergleich lag der Geschwindigkeitsdurchschnitt der Lkw bei 34,28 km/h bergauf und 44,76 km/h bergab.

9679 Fahrzeuge fuhren talwärts, 19.271 Fahrzeuglenker waren bergauf unterwegs. Autofahrer, die besonders flott unterwegs waren, gab es natürlich auch. Den Spitzenwert lieferte ein Pkw, der aufwärts mit 88 km/h gemessen wurde. Bei maximal 86 km/h blieb die Messanzeige talwärts stehen.

Zurück geht die Messung auf einen Antrag der SPD-Fraktion. Diese hatte sich der Anwohner-Bedenken angenommen, die den Verkehr auf „ihrer“ Straße als bedrohlich empfinden und sich eine Reduzierung der Verkehrsbelastung sowie Erhöhung der Sicherheit – insbesondere für die Fußgänger – auf der Winterberger Straße wünschen. Auch die beiden direkt an die Winterberger Straße angrenzenden AWo-Kitas an der Grothestraße fordern mehr Sicherheit für die Fußgänger ein.

Bei der Winterberger Straße handelt es sich um eine Bundesstraße (B 483), welche sich in der Straßenbaulast vom Landesbetrieb Straßen befindet. Eine Geschwindigkeitsreduzierung erfordert die Zustimmung von Straßen.NRW. Das Ordnungsamt hat bereits telefonisch Kontakt mit Straßen.NRW aufgenommen. Christian Rüth spricht von einer „Grauzone“ zur Einführung von Tempo 30: Die haben nicht Nein, aber auch nicht Ja gesagt.“

Politik muss entscheiden

Bis zur Erteilung der vorgenannten Zustimmung kann die Stadt Schwelm Einrichtungen installieren, die auf die gefahrene Geschwindigkeit (elektronische Geschwindigkeitsanzeige) und auf die passierenden Kinder („Achtung Kinder“ und Plastikpuppen) hinweist. Die Kosten von 4000 bis 5000 Euro für derartige Einrichtungen sind von der Stadt Schwelm zu tragen.„Das Geld haben wir aber nicht“, sagte Christian Rüth. Jetzt ist die Politik gefragt.

Die 85-Prozent-Geschwindigkeit einer Straße

Die 85-Prozent-Geschwindigkeit dient als Maßstab der Verkehrssicherheit. Sie ist die Geschwindigkeit, die von 85 Prozent der gemessenen Fahrer eingehalten, von 15 % überschritten wird.

Die 85-Prozent-Geschwindigkeit einer Straße sollte unterhalb der zulässigen Höchstgeschwindigkeit liegen. Falls nicht, wird das Tempolimit von mehr als jedem siebten Fahrer überschritten. Dies ist ein Sicherheitsmangel der Straße, der von der Behörde behoben werden sollte.

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