Kultur/Politik

Große der Politik halten Einzug in Ennepetal

Nach der Lesung im Reichenbach-Gymnasium: Ulrich Wickert schreibt zigmal seinen Namen in die Bücher, die er geschrieben hat und die von Besuchern dort erworben wurden.

Nach der Lesung im Reichenbach-Gymnasium: Ulrich Wickert schreibt zigmal seinen Namen in die Bücher, die er geschrieben hat und die von Besuchern dort erworben wurden.

Foto: Hans-Jochem Schulte / WP

Ennepetal.  Der Journalist, Autor und früherer Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert liest im Reichenbach-Gymnasium in Ennepetal aus seinem Buch.

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Wenn alle „harten Nachrichten“ in den „Tagesthemen“ der ARD schon die deutschen Wohnzimmer erreicht hatten, dann sprach der Moderator und Anchorman Ulrich Wickert noch die „allerletzte Nachricht“ – zumeist amüsante Geschichten und vermeintlich absurde Alltäglichkeiten, die zur aktuellen Nachricht geworden waren. Ulrich Wickert erzählte diese Geschichten verschmitzt und auch mal mit Ironie. Er verteilte mit den „allerletzten Nachrichten“ für viele das „Sahnehäubchen des Abends“. Viele dieser Sahnehäubchen servierte der Journalist und Buchautor nun am Mittwochabend in der vollbesetzten Aula des Reichenbach-Gymnasiums. Eingeladen hatte ihn die Kulturgemeinde.

Da saß er nun auf der Bühne und las aus seinem Buch „Donnerwetter“. Es ging kreuz und quer, zumeist durch die Bonner Republik, und als Zuhörer stellte man fast erstaunt fest, wie es menschelte und wie Große abseits der Öffentlichkeit und des Protokolls über andere Große redeten, ja sogar herziehen. Gleich zu Beginn eine „Meldung“, die auch in Frauenzeitschriften eine Schlagzeile gemacht hätte. Wickert will aus dem Buckingham Palast erfahren haben, dass Lady Di (Diana) nicht gerade die Hellste gewesen sei. Bleiben wir bei den Yellow-Press-Nachrichten: Frankreichs Präsident Chirac hatte eine Liebschaft: Claudia Cardinale hieß sie, verriet er. „Der Mann hatte Geschmack“, schob Ulrich Wickert nach und schaute verschmitzt in das wohl staunende Publikum. Er war als Korrespondent immer nah dabei, bekam Einladungen von Prominenten, genoss abends – natürlich im Dienst – mit hohen Politikern den Rotwein und war oft Gast bei Staatsempfängen. So war Madame Chirac seine Tischnachbarin, und er plauderte mal eben mit Hillary Clinton und Hannelore Kohl. „Heute weiß ich, warum Hillary Clinton keine Präsidentin in Amerika werden konnte“, kommentierte er ihren Auftritt. Beim Small Talk mit Hannelore Kohl soll es so gewesen sein. Wickerts Frage: „Wie groß ist ihr Mann?“ Die Antwort: „1,92 Meter. Aber er ist größer als sie.“ Noch heute bewundert Wickert die Antwort der Ehefrau von Helmut Kohl. Am Rande eines Politikertreffens in Bonn mit Clinton lautete eine Frage von US-Seite: „Gibt es im Kanzleramt Praktikantinnen?“ Das war eine Anspielung auf die Affäre des US-Präsidenten.

Nicht nur Sonnenschein

Nein, Druck auf den Journalisten Wickert habe es nie gegeben. Erika Steinbach, früher CDU, heute AfD-nah, habe sich einmal beschwert, vorher darüber aber die Bildzeitung informiert. „Das ist unhöflich, habe ich ihr am Telefon gesagt. Sie legte sofort auf.“ Auch der damalige Minister Norbert Blüm war einmal am Telefon erbost und ließ wissen, er könne sich vor Ärger aus dem Fenster stürzen. Wickerts Antwort: „Das ist nicht so schlimm. Ich weiß, wo sie wohnen, im ersten Stock.“ Man dürfe schließlich nicht alles hinnehmen, so Wickert dazu. Beifall aus dem Publikum.

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