Gesundheit

Histaminintoleranz: Neue Selbsthilfegruppe in Gevelsberg

Petra Alberts (links) gründet bei der Kontakt - und Informationsstelle für Selbsthilfe (Kiss) eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die unter Histaminintoleranz leiden. Brigitte Wortmann (Zweite von rechts) hat sich bei Kiss-Leitung Susanne Auferkorte als Teilnehmerin angemeldet

Petra Alberts (links) gründet bei der Kontakt - und Informationsstelle für Selbsthilfe (Kiss) eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die unter Histaminintoleranz leiden. Brigitte Wortmann (Zweite von rechts) hat sich bei Kiss-Leitung Susanne Auferkorte als Teilnehmerin angemeldet

Foto: Carmen Thomaschewski / WP

Gevelsberg.  In Gevelsberg wird eine neue Selbsthilfegruppe für Menschen mit Histamin-Intoleranz gegründet. Erstes Treffen ist am 3. September.

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Was sich Brigitte Wortmann am meisten wünscht? Spontan sein. Nicht mehr jeden Tag planen müssen. Oder mit Freunden ganz entspannt einmal Essen gehen, sagt Petra Alberts. Die beiden Gevelsbergerinnen leiden an einer schweren Form der Histamin-Intoleranz. Eine Stoffwechselstörung, die krank macht, alles verändert – und wenig greifbar ist. „Man steht mit seinen Problemen oft alleine da“, weiß Petra Alberts und hat deshalb eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Am Dienstag, 3. September, findet ab 18.30 Uhr das erste Treffen in den Räumen der Kontakt - und Informationsstelle für Selbsthilfe (Kiss) statt.

Diffuse Symptome

Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen, die Symptome der Histamin-Intoleranz sind diffus. Sie gleichen einer Allergie, einer Lebens­mittel­vergiftung oder einer Erkältung, ohne zu wissen warum. Jahrelang quälten sich Brigitte Wortmann und Petra Alberts, wurden mit dem Essen immer vorsichtiger. Nicht weil sie es wollten, sondern weil sie es mussten. Zickig, schnöggelig, die stellt sich doch nur an. Vieles haben sich die beiden anhören müssen, und dabei würden sie gerne einfach nur ganz normal essen.

„Ich liebe Schokolade, ein schönes Glas Rotwein“, sagt Petra Alberts. Doch das wird es für sie nie wieder geben, ihrer Gesundheit zuliebe.

Es gibt viele Lebensmittel, die Histamin in sich haben und die bei Histamin-Intoleranz starke Probleme verursachen. So wie Erdbeeren, Käse, Spinat, Tomaten. Lange hat es gedauert, ehe die Frauen herausgefunden haben, was ihnen bekommt und was nicht. Brigitte Wortmann erlitt sogar einen anaphylaktischen Schock. „Wenn meine Tochter nicht da gewesen wäre, dann wäre ich nicht mehr am Leben“, sagt sie. Jetzt hat die Gevelsbergerin immer eine Notfalltasche dabei. Was den Anfall mit Herzrasen, Ausschlag und Atemnot ausgelöst hat? „Keine Ahnung“, sagt sie. „Was ich heute noch essen kann, kann morgen schon Schwierigkeiten verursachen.“ „Alles, was ich zu mir nehme, muss ich selbst zubereiten, damit ich weiß, dass mir nichts passiert“, sagt Petra Alberts. Auf Feiern bringt sie ihr Essen mit, ohne Vorbereitung geht nichts mehr in ihrem Leben. Auch die Einladungen wurden im Laufe der Jahre weniger. „Sie isst doch eh nichts.“

Was die beiden Frauen verbindet, ist der lange Leidensweg, den sie hinter sich haben, das viele Unverständnis, ehe die Diagnose fest stand. Letztlich war es eine Heilpraktikerin, die herausfand, was Brigitte Wortmann fehlt. Bei Petra Alberts war es ein Arzt in den Niederlanden, der ihr den Tipp gab, ihren Dao-Spiegel messen zu lassen. Der zeigt, ob eine Histamin-Abbau-Störung vorliegt. Denn genau darin liegt das Problem.

Noch schwieriger für die Betroffenen sei, dass die Krankheit wenig Akzeptanz habe. „Ich musste bei meinem Arzt auf diesen Test hinweisen und auch bezahlen“, erklärt Brigitte Wortmann. Er habe gesagt, „führen Sie ein Ernährungstagebuch und rufen Sie einen Notarzt, wenn wieder ein Schock kommt.“ Sie fühlt sich mit ihrer Krankheit allein gelassen. Als sie von der Idee, eine Selbsthilfegruppe zu gründen gehört hatte, war sie sofort begeistert. Es sei schwer Menschen zu finden, die wissen, was man durchmacht. Genau das sei auch das Ziel von Petra Alberts gewesen, als sie auf die Kiss-Leitung Susanne Auferkorte zukam.

Viele Menschen würden unter einer Histamin-Intoleranz leiden und es nicht wissen. Und diejenigen, die es wissen, müssen sich alle Informationen darüber selbst zusammen suchen. Ein Austausch sei wichtig. Die richtigen Tipps und Hilfestellungen, das hätte für Petra Alberts und Brigitte Wortmann vieles leichter machen können. Das Problem ist: „Histamin-Intoleranz wird nicht als Krankheit anerkannt, obwohl sie krank macht und das Leben stark einschränkt“, erklärt Brigitte Wortmann. Die Liste der Lebensmittel, die sie verträgt, ist kurz.

Doch die Erkrankung ist nicht nur darauf beschränkt. Zu viel Stress oder Lärm sorgt dafür, dass Histamin ausgeschüttet wird. Doch auch der selbst produzierte Botenstoff kann nicht abgebaut werden. Sogar Zahnpasta, Gewürze, Gerüche oder eine Aspirin könne heftige Reaktionen auslösen, oder aufgewärmtes Essen. „Das kann sich doch kaum einer vorstellen“, weiß Petra Alberts. Sie hofft, weitere Mitstreiter zu finden, ein Netzwerk zu schaffen, in dem sich die Betroffenen gegenseitig unterstützen. Allein mit ihrem Leiden sind die Betroffenen lange genug.

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