Brand in der Altstadt

Historisches Filmarchiv bei Feuer in Schwelm vernichtet

Friedhelm Bühne (mit Kamera) vor den Resten seiner Lebenserinnerungen. Gemeinsam mit Sohn Peter, Tochter Sybille (von rechts) und Bruder Gerd ist der Schwelmer Filmemacher in die Wache gekommen, um seinen Hausrat zu sichten, den die Feuerwehr aus der Brandruine retten konnte.

Friedhelm Bühne (mit Kamera) vor den Resten seiner Lebenserinnerungen. Gemeinsam mit Sohn Peter, Tochter Sybille (von rechts) und Bruder Gerd ist der Schwelmer Filmemacher in die Wache gekommen, um seinen Hausrat zu sichten, den die Feuerwehr aus der Brandruine retten konnte.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Nur ein paar Filmrollen und Fotos sind Friedhelm Bühne nach dem Großfeuer in Schwelm geblieben. Auch sein Filmarchiv wurde zerstört.

Brandgeruch liegt in der Luft. Auf den Tischen verschiedene Kisten, dazwischen alte Kameras, Filmrollen, Fotos und Filmapparate, Schallplatten, VHS-Bänder und ein Gusseisenrelief, das den Heiligen Sankt Florian zeigt und das Datum 1734 trägt. Zeugnisse eines langen Lebens von 87 Jahren, ausgebreitet auf wenigen Tischen, die in einem Raum in der ersten Etage der Feuerwache an der August-Bendler-Straße stehen. Und davor Friedhelm Bühne, der, ein wenig zögerlich, von einem Karton zum nächsten schreitet, die entdeckten Gegenstände abwechselnd in den Händen hält und betrachtet: „Ein altes Klassenfoto von mir, Bilder meiner Mutter, und Kameras.“

Feuerwehrchef Matthias Jansen hatte aus der Brandruine die wenigen Gegenstände retten können, die sich jetzt im Domizil der Hauptwache in Schwelm befinden. Die Rettungsaktion musste schnell gehen, das nach dem Großbrand in der Altstadt einsturzgefährdete Haus stellte ein Sicherheitsrisiko dar und musste Stück für Stück vorsichtig abgetragen werden. Ein leergeräumtes Grundstück in der Oberstadt ist alles, was von dem historischen Fachwerkhaus Kölner Straße 24 übrig geblieben ist – und eben die wenigen Hausratsgegenstände und Erinnerungsstücke, die jetzt vor dem Schwelmer Filmemacher liegen.

„Alle meine Filme weg. Auch meine Bücher habe ich nicht mehr.“ Friedhelm Bühne, Filmemacher und Stadtchronist aus Schwelm, steht vor dem Nichts. Die wenigen Gegenstände auf dem Tisch sind Erinnerungen an ein bewegtes Leben. 1958 ist er mit seiner Frau zu einer Nil-Expedition aufgebrochen, hat mit dem Paddelboot Ägypten durchquert. Zwei Jahre später, wieder zurückgekehrt nach Deutschland, sucht der junge Bühne mit seiner Frau sein berufliches Glück als Fotohändler in Stuttgart, um nach zwei Jahre wieder zurück in seine Heimatstadt zu kommen. Seit Jahrzehnten war das Haus in der Oberstadt sein Zuhause. Jetzt stehen von seinem Heim nicht einmal mehr die Grundmauern.

Keine Hausratversicherung

„Ich gehe davon aus, dass das Haus wieder aufgebaut wird und ich dort einziehen werde“, sagt Friedhelm Bühne im Gespräch mit unserer Zeitung. Der 87-Jährige hat noch gar nicht so richtig realisieren können was ihm am Samstag widerfahren ist. Als der Brand ausbrach, war Friedhelm Bühne im Garten. „Ich habe noch versucht, das Feuer mit einem Gartenschlauch zu löschen, habe aber schnell bemerkt, dass da nichts mehr zu machen war, auch weil starker Wind die Flammen anfachte“, erinnert er sich.

Nach dem Brand ist Friedhelm Bühne gemeinsam mit Tochter Sibylle (58) und Sohn Peter (56) erst einmal bei seinem Bruder Gerd am Ehrenberg in Schwelm untergekommen. Doch nicht nur der Lebenskünstler, Weltenbummler, Filmemacher, Fotograf und gelernte Drogist, der sich selbst einmal in seiner Autobiographie als Rebellen bezeichnet hat, hat alles verloren. Auch seine Kinder stehen vor dem Nichts. Nur die Immobilie war versichert. Eine Hausratsversicherung gab es im Hause Bühne nicht. Der ideele Wert der Einrichtungsgegenstände ist sowieso nicht zu ersetzen.

Sibylle Bühne, die im Haus ihres Vaters seit einigen Jahren ein Kosmetik-Studio betrieb, steht vor dem wirtschaftlichen Ruin. All ihre Gerätschaften, Einrichtungen und Kosmetika sind ein Raub der Flammen geworden. Verständlich, dass sie beim Anblick ihrer in Trümmern liegenden Existenz von der Feuerwehr mit sanfter Gewalt daran gehindert werden musste, in die Ruine zu laufen. Umso größer die Freude von Sybille, als ihr die Feuerwehr beim Besuch auf der Wache auch einen Umschlag überreicht. „Das ist ja mein Autoschlüssel“, ruft sie erfreut. Der Wagen parkt seit dem Brand verschlossen neben dem leergeräumten Grundstück, auf dem einmal das Denkmal Kölner Straße 24 gestanden hat.

Reise nach Gambia bereits gebucht

Wie es weitergeht, weiß Familie Bühne noch nicht. Jetzt wollen sie erst mal Abstand gewinnen. Da kommt Friedhelm Bühne der bereits im Vorfeld geplante 13-tägige Aufenthalt in Gambia gerade recht. „Wenn nicht schon alles bezahlt wäre, hätte ich die Reise abgesagt“, sagt der Filmemacher. Jetzt macht sich der Weltenbummler erst einmal auf nach Afrika. Vielleicht hilft ihm die Distanz zur Heimat ja, wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Bevor die Koffer gepackt werden, nahm Bühne bei seinem Besuch in der Feuerwache einige wenige gerettete Habseligkeiten mit. Den Rest der Erinnerungsstücke, die nach dem Großfeuer noch von 87 erfüllten Lebensjahren übrig geblieben sind, wird er am heutigen Samstag abholen. Zeugnisse seines langen, erfüllten Lebens, dass nun in eine Hand voll Kartons passt.

Mit Paddelboot den Nil befahren

Friedhelm Bühne ist nicht nur ein weit gereister Mann, hat auf mehreren Touren die Türkei, Afrika, Sri Lanka, Europa, Bali und andere Länder besucht, sondern auch mit seiner verstorbenen Frau Gitti zwischen 1958 und 1960 mit einem Paddelboot den Nil befahren. Seine Erlebnisse hat der Schwelmer in zwei Büchern „Weit ist der Weg zum Nil“ und „7000 Kilometer Abenteuer“ niedergeschrieben.

Der Filmemacher hat Schwelmer Zeitgeschichte im Film festgehalten. All sein historisches Filmmaterial ist durch den Großbrand in der Kölner Straße ein Raub der Flammen geworden.

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