Politik

Kinder in Schwelm an die Macht

So voll ist der Ratssaal selten. Die erste Kinder-Ratssitzung am Freitag in  Schwelm gestalten 20 Gruppierungen aus der Stadt.

So voll ist der Ratssaal selten. Die erste Kinder-Ratssitzung am Freitag in Schwelm gestalten 20 Gruppierungen aus der Stadt.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Im Rathaus in Schwelm treffen sich Mädchen und Jungen erstmals zur einer Kinder-Ratssitzung. Sie stellen konkrete Forderungen an die Politik.

Kinder an die Macht: Herbert Grönemeyer hätte am Freitagmorgen beim Blick in den Ratssaal in Schwelm sicherlich seine Freude gehabt. Wo sonst gestandene Damen und Herren über das Schicksal der Stadt entscheiden, füllten Mädchen und Jungen den großen Saal an der Hauptstraße fast bis auf den letzten Platz aus. Die erste Kinder-Ratssitzung in der Kreisstadt war aus Sicht der Organisatoren ein voller Erfolg.

Kinder mit konkreten Forderungen

Und das, was die Kinder zu sagen hatten, waren durchaus konkrete Themen, die ihren Widerhall in der Lokalpolitik finden. Da standen die Forderungen nach mehr Radwegen, Verkehrsinseln und Tempo-30-Zonen. Andere Gruppen bemängelten die mangelhafte Sauberkeit im Stadtgebiet: „Warum schmeißen die Menschen den Müll auf die Straße. Die Natur ist doch so schön.“ Aber auch die freie Fahrt für Kinder in Bussen und der bauliche Zustand der Räume, in denen der Offene Ganztag der Grundschule Nordstadt untergebracht ist, kamen zur Sprache.

Erarbeitet hatten die Themen rund 20 Gruppen. Stadt und Kinderschutzbund hatten gemeinsam zur Projektwoche „Wir Kinder haben Rechte“ eingeladen. Anlass ist der 30. Jahrestag zum Inkrafttreten der UN-Kinderrechtskonvention. An den Kinderrechten orientierte sich auch die 12 Punkte umfassende Tagesordnung der Kinder-Ratssitzung. Die teilnehmenden Schulen, die Schul- und Lernhilfe, die Pfadfinderinnenschaft St. Georg, die AWo-Kitas Oelkinghauser Straße und Grothestraße, die DRK-Kitas Tigerente, Kleiner Häwelmann und Wilde 13 und das Jugendzentrum hatten sich im Vorfeld zusammengesetzt und ihre Gedanken zusammengetragen. Anschließend hatten sie ihre Delegierten gewählt, die auf den Plätzen der Ratsmitglieder im Ratssaal Platz nahmen und mit den stellvertretenden Bürgermeisterinnen Dr. Frauke Hortolani und Brigitta Gießwein und den Vertretern der Fachbereiche diskutieren.

Natürlich wurde der Verlauf der gesamten Sitzung – wie bei den Vorbildern aus der Erwachsenenwelt – auch protokolliert, um die Ergebnisse festzuhalten. Jeder Vertreter seiner Gruppe hatte ein Rederecht und durfte etwas sagen. Abgestimmt wurde auch durch Handzeichen. Eine Mehrheit fand auch der Antrag, ein regelmäßig tagendes Kinderparlament einzurichten. „Wir werden die Ergebnisse zusammenfassen und im Jugendhilfeausschuss präsentieren“, versprach Hildegard Peters, die neue Leiterin des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales bei der Stadt Schwelm. Man werde auch überlegen, ob und in welcher Art und Weise diese Zusammenkunft der Kinder in Zukunft wiederholt werden könne.

Doch nicht nur im Ratssaal bestimmten die Kinder das Bild. Draußen im Flur hatten die Mädchen und Jungen eine interessant Ausstellung zusammen getragen, in der noch einmal ihre Forderungen nach mehr Mitsprache in der Gesellschaft deutlich herausgestellt werden. Die Tafeln und Bastelarbeiten werden bis zum 30. September im Flur der zweiten Etage des Rathauses für jedermann zur freien Besichtigung stehen und hängen bleiben. Den Abschluss bildete ein gemeinsames Frühstück, gespendet von der Hans-Grünewald-Stiftung.

Politik wird informiert

In der Sitzung des Jugendhilfeauschusses der Stadt Schwelm am Montag, 23. September, ab 17 Uhr wird die Verwaltung eine erste kurze Zusammenfassung der „1. Kinder-Ratssitzung“ vom Freitag geben.

In der gemeinsamen Sitzung von Schul- und Jugendhilfeausschuss am 30. September sollen der Politik auch die ausgewerteten Ergebnisse präsentiert werden.

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