Abenteuer-Camp

Kinder verlieren im Wald bei Gevelsberg Angst vor der Natur

Lagebesprechung im Abenteuer-Camp. Hier lernen die Kinder im Wald bei Gevelsberg mehr über die Natur.

Lagebesprechung im Abenteuer-Camp. Hier lernen die Kinder im Wald bei Gevelsberg mehr über die Natur.

Foto: Max Kölsch

Gevelsberg.  35 Kinder haben im Zuge des Gevelsberger Ferienspaßprogrammes eine Woche lang viel über die Natur gelernt. Am Donnerstag kam ein besonderer Gast.

Würde der Wind nicht durch die Wipfel der Bäume rauschen, es wäre beinahe mucksmäuschenstill im Wald an der Asker Straße. Lediglich das Knacken zerbrechender Zweige auf dem Gehweg stört die Ruhe. Ein Mann geht vorsichtig einen Hügel hinauf. Urplötzlich schallt ein lautes „Attacke“ aus dem Unterholz. Mehr als 30 Kinder springen auf den Weg. Sie tragen Kartoffelsack-ähnliche Tarnkleidung. Schnell haben sie den Mann umzingelt. Die Angreifer werfen ihrem Opfer ein Fangnetz über. „Wir haben ihn“, rufen sie triumphierend.

Das Opfer ist kein Geringerer als Bürgermeister Claus Jacobi. „Was macht ihr jetzt mit mir?“, fragt er sorgenvoll. „Erstmal ab ins Tipi“, lautet die Antwort. Gesagt, getan. Die Kinder bringen ihre Beute in die selbstgebaute Behausung abseits des Weges. „Darf ich wieder raus, wenn ich verspreche, dass um 15 Uhr der Eismann kommt?“, fragt der Gefangene. „Wie viele Kugeln bekommen wir denn?“, fragen die Kinder skeptisch. „Drei?“ Das Ergebnis der Verhandlung sind zwei Kugeln Eis. Jacobi wird freigelassen. Die Gruppe setzt sich auf einen nahe gelegenen Baumstamm. Es kehrt Ruhe ein.

Teil des Gevelsberger Ferienspaßprogramms

Seit Anfang der Woche waren die Kinder täglich im Wald. Susanne Krause vom Städtischen Jugendzentrum Gevelsberg und Waldpädagogin Stefanie Bentz-Beckmann hatten dabei die Aufsicht über die Gruppe. Die Aktion nennt sich „Abenteuer-Camp“ und ist Teil des Ferienspaßprogramms rund um das Jugendzentrum. In einem Szenario entdeckten die Teilnehmer hierbei den unbekannten Planeten „Aske“.

Um dort zu überleben, erforschten sie gemeinsam die Flora und Fauna der neuen Welt. Um sich vor unbekannten Gefahren zu schützen, bauten sie einen Schutzwall und einen Unterstand. Ein Bauwagen und ein Zelt bildeten das Raumschiff, mit dem sie gelandet waren. Claus Jacobi schaute am Donnerstag vorbei, um mit den Kindern über ihre Eindrücke der Natur zu sprechen.

Auf Tuchfühlung mit den Tieren

„Habt ihr auch Wildschweine gesehen?“, fragt der Bürgermeister, der auf dem Baumstamm inmitten der Kinder sitzt. „Wir haben welche gehört“, sagt ein Junge. „Ich hab sie gerochen“, wirf ein Mädchen hinterher. „Und welche Tiere habt ihr noch gesehen?“, will Jacobi wissen. „Füchse, Marder und auch Rehe“, sagen die Kinder aufgeregt. Claus Jacobi erklärt, dass Rehe sich gut tarnen können und dass man früh aufstehen muss, um welche zu sehen. 6 Uhr sei da schon zu spät. Um 5 könne man mehr Erfolg haben. Ein Junge erzählt, dass er schon einmal ein Reh gestreichelt habe.

Plötzlich wird es unruhig. Mehrere Kinder quatschen miteinander. „Hey, lasst ihn doch ausreden“, ruft Jacobi sie zur Ordnung und droht: „Sonst bestell ich den Eiswagen wieder ab.“ Davon lassen sich die Kinder aber nicht beeindrucken: „Dann kommst Du wieder ins Tipi.“ Alle lachen. Susanne Krause sorgt wieder für Ruhe.

Umweltbildung für Kinder

Der Bürgermeister spricht die raschelnden Blätter der Bäume an. „Ist das nicht schön, einfach mal im Wald zu sein?“, fragt er. „Ja“, sagen mehrere Kinder sofort unisono. „Hier bekommt man besser Luft“, stellt ein Junge fest. „Hier kann man mehr bauen“, freut sich ein Mädchen. „Kann sich denn einer vorstellen, mal Förster zu werden?“, fragt Jacobi dann. Ein Junge meldet sich. Ein anderer scherzt: „Ich werde mal Bürgermeister.“ Wieder lachen alle.

„Einige Kinder sind das dritte Jahr in Folge hier“, freut sich Stefanie Bentz-Beckmann. Gemeinsam mit Susanne Krause bietet sie das siebte Jahr in Folge Umweltbildung für Kinder an. Eine wichtige Arbeit, wie die beiden finden. „Es gibt Kinder, die sich nicht trauen, auf Laub zu treten“, weiß die Waldpädagogin. Manche hätten Probleme mit der Weite in einem Wald. Wieder andere hätten Angst vor wilden Tieren. „Es spiegelt sich wider, dass einige Kinder viel draußen sind und andere weniger“, so Bentz-Beckmann.

Feste Tagesabläufe

Im „Abenteuer-Camp“ würden sie den Kindern vermitteln, wie sie sich im Wald orientieren können oder welche Tiere dort lebten. Auch gebe es feste Abläufe am Tag. So würden morgens zuerst das Camp aufgeräumt und die Wasser- beziehungsweise Müllbehälter aufgebaut. Danach können die Teilnehmer sich im Wald austoben. Nachmittags geht es für alle wieder nach Hause.

Während die Gruppe noch mit Bürgermeister Jacobi spricht, biegt in der Ferne auf einmal ein größerer weißer Wagen auf den Waldweg ab. Er bleibt von den Kindern nicht unbemerkt. „Der Eismann“, ruft ein Junge. Die Gruppe wird unruhig. Jacobi bedankt sich bei den Kindern und löst die Runde auf. Sofort stürmen die Waldabenteurer auf ihr nächstes Opfer los: den Eismann.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben