Schädling

Eichenprozessionsspinner dürfte im EN-Kreis heimisch werden

Beim Bekämpfen des Eichenprozessionsspinners muss Schutzkleidung getragen werden.

Beim Bekämpfen des Eichenprozessionsspinners muss Schutzkleidung getragen werden.

Foto: Alex Talash

Schwelm.  An den Eichenprozessionsspinner werden sich die Menschen in Schwelm, Ennepetal und Gevelsberg wohl gewöhnen müssen. Seine Entfernung ist teuer.

Der Eichenprozessionsspinner mit seinen für den Menschen gefährlichen Brennhaaren wird bei uns in den nächsten Jahren heimisch werden. „Es wird so kommen und wir werden uns darauf einstellen müssen“, erklärt Grünexperte Achim Stockermann von den Technischen Betrieben Schwelm.

Keine vier Wochen ist es her, dass in Schwelm erstmals ein Nest der Raupen gefunden wurde, deren Vorkommen in anderen Städten zu Schulhof-, Spielplatzschließungen und Parksperrungen führten. Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können bei Hautkontakt zu Reizungen und allergischen Reaktionen bei Menschen führen. Auch Tiere kann es treffen, beispielsweise Hunde, wenn sie ein Härchen in die Augen bekommen. Das Ordnungsamt hatte das betroffene Areal auf dem städtischen Grundstück zwischen Arndtstraße und Schwelmebad daher unmittelbar nach Bekanntwerden mit Flatterband abgesperrt und Warnhinweisschilder aufgestellt.

Gefahr erstmal gebannt

Inzwischen ist die Gefahr gebannt. Eine Fachfirma aus Köln saugte das Gespinst mit den gefährlichen Brennhaaren ab und kümmerte sich auch um die Entsorgung. Das Flatterband hängt weiter an besagter Stelle, weil die Stadt nochmal Regen drüber spülen lassen will. Die organischen Überbleibsel des Eichenprozessionsspinners wurden – wie auch die Sammelsäcke und die Spezialbekleidung, die die Mitarbeiter zu ihrer eigenen Sicherheit während des Entfernens tragen müssen – in einer Müllanlage verbrannt. 1000 bis 1500 Euro kostet solch ein Einsatz pro Tag.

Noch liegt der Stadt die Rechnung nicht vor. Dass sie deutlich geringer ausfallen dürfte, wie Achim Stockermann hofft, hat folgenden Grund: Das Raupen-Nest befand sich in Fußhöhe, weswegen die Firma nur gut eine Stunde für die Entsorgung brauchte. „Wäre das Gespinst in der Baumkrone gewesen, wären noch Kosten für eine Arbeitsbühne oben drauf gekommen“, so Achim Stockermann.

Die Stadt hatte auch aus einem anderen Grund Glück, dass der Fall so einfach lag. So konnte die Firma aus Köln den Termin in Schwelm noch kurzfristig dazwischenschieben. Andere Städte müssen wochenlang mit den gefährlichen Funden leben. Die gefährliche Raube treibt momentan überall ihr Unwesen, und die Auftragsbücher der Spezialisten sind proppevoll.

Giftige Raupe- Fakten rund um den Eichenprozessionsspinner

Neue Fundstellen wurden in Schwelm seitdem nicht bekannt, wie Stockermann erklärte. Doch nach Entwarnung ist dem Grünfachmann nicht zumute. Er geht davon aus, dass es in fünf, sechs Wochen – je nach Witterung – wieder problematisch werden könnte. Dann, wenn die nächste Raupen-Generation der Schmetterlinge, die aus dem Nest an der Arndtstraße stammen, sich dreimal gehäutet haben und ihre Härchen den giftigen Wirkstoff entfalten. „Das ist kein Grund in Panik zu verfallen, aber wir müssen uns darauf einstellen.“ Überhaupt ist Stockermann überzeugt, dass der Eichenprozessionsspinner kein einmaliges Phänomen ist. Die Raupe, die die Wärme liebt, breite sich von Südeuropa kommend immer weiter nach Norden aus. Der Klimawandel sei schuld, dass sich das Tier inzwischen auch in unserer Region heimisch fühlt. Achim Stockermann geht davon aus, dass der Eichenprozessionsspinner auch in den kommenden Jahren in unserer Region immer wieder für Schlagzeilen sorgen wird. Denn: „Er stößt hier auf keinen ausreichend starken Gegenspieler“. Ein solcher Gegenspieler könnte beispielsweise ein Vogel sein, auf dessen Futterliste die gefährliche Raupe steht. Die gibt es. Doch es könne Jahren dauern, sagt Stockermann, bis sich ein solcher Gegenspieler hier so breit gemacht hat, dass der Eichenprozessionsspinner-Bestand im wahrsten Sinne aufgefressen ist. Die sei kein linearer Prozess. „Das dauert Jahre, und wir werden bis dahin immer wieder ein Auf und Ab erleben“, ist Stockermann überzeugt.

Für die Städte wird der Kampf gegen die Gefahren des Eichenprozessionsspinner damit in den kommenden Jahren ein mehr oder weniger aufwändiges und teures Unterfangen werden. „Wir sollten uns da keine Illusionen machen“, meint Stockermann. „Bei uns ist es im Augenblick noch entspannt, aber es wird kommen.“ Und er sagt auch, wo er die Grenzen sieht und worauf sich die Menschen einstellen sollten: „Überall dort, wo es um die Sicherheit der Öffentlichkeit geht, wie Spielplätze, an Schulhöfen oder an öffentlichen Gebäuden, werden wir aktiv werden müssen und die Nester entfernen. Parks oder Grünanlagen lassen sich vielleicht noch absperren. Aber was im Wald ist, darum werden wir uns nicht kümmern können. Da wird der Pilzsammler auf sich selbst achten müssen.“

Schlussendlich rät Achim Stockermann den Städten und Menschen zu einem besonnenen, sachlichen Umgang mit dem Thema. „Es trifft uns nicht unvorbereitet, wir sind ja nicht erfahrungslos.“ Woanders sei der Eichenprozessionsspinner viel massiver in Erscheinung getreten, und auch diese Städte seien damit fertig geworden.

So bereiten sich Ennepetal und Gevelsberg auf den Eichenprozessionsspinner vor

In Ennepetal und Gevelsberg tauchte der Eichenprozessionsspinner bisher noch nicht auf, wie es aus beiden Rathäusern hieß. Gleichwohl wissen auch dort die Verantwortlichen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann die gefährliche Raupe erstmals gesichtet wird. Man zeigt sich gewappnet.

In Ennepetal war der Eichenprozessionsspinner jüngst im Ausschuss für Feuerwehr und Ordnungswesen ein Thema. Marco Heimhardt, Leiter der Abteilung Ordnungswesen bei der Stadt Ennepetal, informierte darüber, dass es bisher noch keinen Fund eines Eichenprozessionsspinners bzw. eines Gespinstes dieser Raupe auf Stadtgebiet gegeben habe. Gleichwohl sei man vorbereitet und habe beispielsweise die Bereitschaften der Stadtbetriebe genau unterwiesen, wie die Abläufe sind, wenn ein Fund außerhalb der Betriebszeiten aufschlägt. Auch mit den Nachbarstädten stünde man bei dem Thema im ständigen Austausch.

Im Rathaus an der Bismarckstraße wird derweil ein Flyer erstellt, der den Menschen in der Klutertstadt Informationen mit an die Hand geben wird, wie man sich im Falle eines Fundes verhalten soll. Darin zu lesen ist unter anderem, was genau den Eichenprozessionsspinner so gefährlich macht, welche Symptome beim Hautkontakt auftreten können, wie man sich schützen kann und wie man sich verhält, wenn der Eichenprozessionsspinner auf dem eigenen Grundstück gefunden wird. „Auf keinen Fall den Eichenprozessionsspinner, die Häutungsnester und die an Bäumen und Bodenverbleibenden Verpuppungsgespinste selbst entfernen! Informieren Sie in jedem Fall auch das Ordnungsamt!“, lautet die Empfehlung. Der Flyer soll in Kürze fertig sein.

Auch Gevelsberg ist vom Eichenprozessionsspinner bisher verschont geblieben. Und auch hier hat sich die Stadtverwaltung schon drauf eingestellt, wie man im Falle eines Fundes vorgehen wird.

Nester bzw. Gespinste zu verbrennen oder mit Chemie zu bekämpfen, kommt für das Gevelsberger Rathaus nicht infrage. „Wenn, dann greifen wir zur schonendsten Methode und würden den Fund absaugen lassen“, hieß es aus dem Büro des Bürgermeisters.

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