Grenzwerte überschritten

PCB-Alarm in Ennepetal: Alle Infos zu der giftigen Gefahr

PCB-Gefahr: Die ist das Gebiet, in dem die Anwohner den Verzehr von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten vermeiden sollen.

PCB-Gefahr: Die ist das Gebiet, in dem die Anwohner den Verzehr von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten vermeiden sollen.

Foto: Manuela Nossutta Funkegrafik NRW / WP Ennepetal

Schwelm.  Nach erhöhten PCB-Werten in Ennepetal sollen Anwohner auf Obst und Gemüse aus dem Garten verzichten. Die Firma BIW rückt in den Fokus.

Die Untersuchungen laufen noch, und bis die tatsächliche Belastung mit dem potenziell krebserregenden Stoff PCB in Ennepetal feststeht, empfiehlt der Ennepe-Ruhr-Kreis den Menschen für die Ortsteile Oelkinghausen und Büttenberg, die diesjährige Gartenernte nicht zu verzehren. Ob eine Gefahr für die Gesundheit besteht, wird abschließend erst im kommenden Frühjahr geklärt werden können. In den Fokus bei den Untersuchungen rückt die Firma BIW Isolierstoffe, deren Inhaber Ralf Stoffels bereits eigene Untersuchungen beauftragt hat.

Nach Hinweisen aus der Bevölkerung auf einen Niederschlag kleiner weißer Partikel im Gewerbegebiet ist die Umweltüberwachung des Kreises tätig geworden und hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) beauftragt, umgehend Untersuchungen vorzunehmen. Mitte August stand fest: In Oelkinghausen liegen erhöhte PCB-Werte vor. Im Rahmen der Untersuchung waren an acht Stellen rund um das Gewerbegebiet Löwenzahn-Blätter geerntet, gewaschen, gemahlen, gefriergetrocknet und auf PCB untersucht worden.

Klarheit gibt es erst im Frühjahr 2020

Nun erhielt der Ennepe-Ruhr-Kreis die Ergebnisse. „An einigen Messpunkten konnten demnach deutlich erhöhte Werte von PCB nachgewiesen werden“, teilt Kira Scheven, Pressesprecherin des Kreises schriftlich mit und weiter: „Aufgrund dieser Ergebnisse sieht der Kreis sich in Absprache mit dem Landesamt veranlasst, eine vorsorgliche Empfehlung für die Bürger aus dem Bereich Oelkinghausen und Büttenberg auszusprechen, jegliches Gemüse und Obst aus Nutzgärten vorsorglich nicht zu verzehren.“ In welcher Einheit PCB gemessen wird, wo Grenzwerte liegen und wie weit diese überschritten worden sind, konnte Kira Scheven am Freitag nicht beantworten, sagt aber zu, der Öffentlichkeit diese Informationen so bald wie möglich zur Verfügung zu stellen.

Ergebnisse wird es ohnehin erst im kommenden Frühjahr geben. Denn dann erst werden die Ergebnisse vorliegen, die die zwölf Behälter mit Grünkohl liefern sollen, die Mitte August in der Nähe potenzieller Verursachungsstandorte aufgestellt worden sind. „Die Pflanzen eignen sich hervorragend als Bio-Indikator, weil sich auf der großen Blattoberfläche mögliche Schadstoffe aus der Luft absetzen und analysiert werden können“, teilt der Ennepe-Ruhr-Kreis mit.

Die Suche nach den Schuldigen läuft

Der Zuschnitt der Zone, für die der Kreis die Empfehlung ausspricht, vorsorglich auf den Verzehr von Obst und Gemüse aus dem heimischen Garten zu verzichten, beruht auf der Lage der Stellen, an denen der Löwenzahn geerntet wurde. Diese Ernte wurde aufgrund eines Partikelniederschlags im Umfeld der Firma BIW Isolierstoffe GmbH durchgeführt. In den jetzt folgenden Untersuchungen gilt es nun abzuklären, ob und gegebenenfalls welche weiteren Emittenten im Umkreis des Gewerbegebietes Oelkinghausen für eine Schadstoffbelastung in Frage kommen“, teilt der Ennepe-Ruhr-Kreis mit.

Stammt das PCB also aus der Firma des SIHK-Präsidenten Ralf Stoffels? „Dazu können wir derzeit noch nichts sagen“, antwortet Kira Scheven auf Nachfrage der Redaktion. Ralf Stoffels hat bereits eigene Untersuchungen beauftragt, bei denen die Raumluft in den Hallen und an den Kaminen seiner Firma untersucht wird, um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um sein Unternehmen handelt, das für den PCB-Niederschlag verantwortlich ist. „Wie jedes andere verantwortungsvolle Unternehmen sind wir an den Messergebnissen höchst interessiert und werden im Falle einer Bestätigung durch die Analysewerte an deren ursächlicher Aufklärung im Sinne der Umwelt und der hier arbeitenden und lebenden Menschen aktiv und transparent mitarbeiten“, teilt er auf Nachfrage dieser Zeitung mit.

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