Interview

Projekt „Come Together“ unterstützt geflüchtete Jugendliche

Der Künstler Mohamed Aziz Elkhiar hat die Jugendlichen bei dem Kunstprojekt an der  Hausfassade an der Mühlenstraße, Ecke Jahnstraße angeleitet.   AWo-Praktikantin Jule Kuhler unterstützte ihn und die Jugendlichen bei der Umsetzung. Das Bild erstreckt sich über elf mal vier Meter und bot für jeden Einzelnen die Möglichkeit, sich auszudrücken.

Der Künstler Mohamed Aziz Elkhiar hat die Jugendlichen bei dem Kunstprojekt an der Hausfassade an der Mühlenstraße, Ecke Jahnstraße angeleitet. AWo-Praktikantin Jule Kuhler unterstützte ihn und die Jugendlichen bei der Umsetzung. Das Bild erstreckt sich über elf mal vier Meter und bot für jeden Einzelnen die Möglichkeit, sich auszudrücken.

Foto: Carmen Thomaschewski / WP

Gevelsberg.  „Come Together“ hilft geflüchteten Jugendlichen, sich selber zu finden. Sebastian Helpenstein von der AWo spricht im Interview über das Projekt.

Was kann ich? Wer will ich sein? Für viele jugendliche Flüchtlinge sind diese Fragen entscheidend. „Sie wissen nicht, welche Möglichkeiten sich ihnen hier bieten“, weiß Sebastian Helpenstein. Er arbeitet beim Jugendmigrationsdienst der AWo und ist Leiter des Projektes „Come Together“. Das habe zum Ziel, den Jugendlichen dabei zu helfen, hier anzukommen, und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Helpenstein erklärt, dass geflüchtete Jugendliche mehr Unterstützung dabei benötigen, ein Selbstverständnis zu entwickeln, als Jugendliche, die hier aufgewachsen sind.

Warum ist das für geflüchtete Jugendliche so schwierig, den eigenen Weg zu finden?

Sebastian Helpenstein: Weil viele es aus ihrer Heimat nicht kennen, kreativ zu sein oder eigene Ideen entwickeln zu können. Sie sind dort in anderen Lebensumständen, haben andere Strukturen. Hier müssen sie erst einmal lernen, dass ihre Meinung eine Rolle spielt, dass auch sie etwas bewegen können. Mit dem Projekt sollen sie ermutigt werden, sich auszudrücken und auch eigene Stärken zu entdecken.

Wie kann das gelingen?

Indem wir unterschiedliche Angebote schaffen. Wir haben ein Theaterstück gelernt und aufgeführt, Musik einstudiert, gezeichnet. Wir waren Bowlen, haben Ausflüge unternommen, zusammen Sport gemacht, einen Sprachkurs für die Eltern der Jugendlichen entwickelt. Mir war es wichtig, dass die Jugendlichen selbst entscheiden, was Thema sein soll. Das war am Anfang schwierig, aber als das Eis gebrochen war, kamen viele aus sich heraus. Jeder konnte sich ausprobieren und hat neue Seiten an sich entdeckt. Das war schön zu sehen. Es haben sich durch die gemeinsamen Aktivitäten auch soziale Kontakte untereinander aufgebaut. Auch das ist ein Ziel des Projektes.

Was noch?

Die Jugendlichen sollen lernen, wie sie Zugang zu kulturellen, sportlichen oder Bildungsangeboten erhalten. Sie sollen die deutsche Gesellschaft und soziale Normen besser kennenlernen, und berufliche Perspektiven finden. Und sie sollen natürlich auch Spaß und eine schöne Zeit haben.

Dabei ist auch eine Häuserwand an der Jahnstraße zu einem Kunstwerk geworden.

Allerdings. Sechs Jugendliche haben mehrere Tage daran gearbeitet. Unterstützt wurden sie von dem Künstler Mohamed Aziz Elkhiar. Auf einer Fläche von etwa elf mal vier Metern hatten sie die Möglichkeit, sich auszudrücken. Fische und ein Boot sind dort deutlich zu erkennen, als Zeichen für ihren Weg nach Deutschland über das Meer. Es wurde auch eine Festung aufgemalt. Sie steht für Sicherheit, die sie hier empfinden.

Was wünschen Sie sich für die Jugendlichen?

Dass man diesen Jugendlichen wie anderen Jugendlichen auch begegnet. Ohne Vorurteile, ohne aufgedrückten Stempel für Flüchtlinge. Es ist leider immer noch so, dass diese Menschen schnell in eine Schublade gesteckt werden und in eine Außenseiterrolle geraten. Wichtig ist auch, den geflüchteten Jugendlichen das Gefühl mitzugeben, dass sie sich nicht in diese Rolle drängen lassen sollen. Eine gute und freie persönliche Entwicklung fördert die Integration.

Nach drei Jahren Laufzeit endet das Projekt am 31. August. Wie geht es weiter?

Viele der Jugendlichen besuchen jetzt erst einmal wieder die Schule. Der Jugendmigrationsdienst bleibt aber Anlaufstelle. Er unterstützt junge Menschen mit Migrationshintergrund im Alter zwischen 12 und 27 Jahren und neu zugewanderte Menschen ab 16 Jahren. Wir bieten Beratungen an, Unterstützungen bei der Suche nach Ausbildungsplätzen, bei der Vermittlung von Wohnungen. Es laufen aber auch in Zukunft, so wie vor dem Projekt auch, kreative Aktionen für die Jugendlichen. Ich hoffe aber, dass das Projekt in irgendeiner Form weiter läuft. Weil es sich bewährt hat und weil es viel zu wenig solcher Projekte für Jugendliche gibt. Und gerade hier kann man viel bewirken.

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