Interview

Purple Schulz: Darum komme ich gerne nach Schwelm

„Ich liebe die Begegnungen mit dem Publikum“: Purple Schulz tritt am Freitag in der Christuskirche auf

„Ich liebe die Begegnungen mit dem Publikum“: Purple Schulz tritt am Freitag in der Christuskirche auf

Foto: Agentur

Schwelm.  Auch wenn sein Verhältnis zur Kirche ein eher kritisches ist: Purple Schulz verrät, warum er beim Adventival mit dabei ist.

Zu „Sehnsucht“ schmachteten in den Achtziger Jahren nicht nur die Teenager, und das Lied „Verliebte Jungs“ gehört zu den Ohrwürmern einer ganzen Generation. Rüdiger „Purple“ Schulz ist einer der erfolgreichsten deutschen Popsänger, und Songschreiber. Am Freitag, 6. Dezember, tritt er im Rahmen des Adventivals in der Christuskirche auf. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht er über seinen Auftritt in Schwelm, über sein Verhältnis zu Gott und welche Rolle die Hits von einst bis heute für ihn spielen.

Im Jahr 2014 sind Sie schon mal beim Adventival aufgetreten. Warum singen Sie nach fünf Jahren wieder auf dem Festival und wie ist die Zusammenarbeit mit dem Adventival zustande gekommen?

Das Adventival habe ich in sehr guter Erinnerung, vor allem das tolle Publikum. Es sind sehr aufmerksame Menschen, denen es bei einem Konzert um die Songs und ihre Geschichten geht. Und auf die Christuskirche bin ich auch sehr gespannt. Ich gebe ja viele Kirchenkonzerte im Jahr, aber jede Kirche klingt anders. Dass ich dieses Jahr zum zehnjährigen Bestehen des Adventivals dort spiele, und das auch noch mit so wundervollen Kolleginnen und Kollegen wie Christina Lux, Oliver George, Dania König und Kathrin Eggert, freut mich besonders.

Haben Sie neben dem Adventival noch eine Beziehung zur Stadt Schwelm und haben Sie die Stadt schon privat besucht?

Nein, außer dass ich im Jahr zigmal daran vorbeifahre (lacht).

Treten Sie bei einem Adventsfest auf, weil Sie ein religiöser Mensch sind? Wie ist Ihre Beziehung zu Gott?

Ich bin nicht religiös und zur Kirche habe ich ein sehr kritisches Verhältnis. Aber man muss unterscheiden zwischen der Kirche als Institution und den Menschen, die aktive Gemeindearbeit betreiben. Und was meine Beziehung zu Gott angeht, darüber gebe ich dann im Konzert Auskunft (lacht).

Was erhoffen Sie sich von dem Adventival 2019 und inwiefern wird sich die diesjährige Show von Ihrem vorherigen Auftritt unterscheiden?

Ich freu mich sehr auf Christina Lux, deren letztes Album ich in meiner Sendung „Songpoeten“ bei WDR 4 zum Album des Jahres 2018 gekürt habe. Sie ist eine der besten Songschreiberinnen Deutschlands und auf jeden Fall werden wir auch etwas zusammen singen. Und natürlich wird es in meinem Programm – abgesehen von den Hits – auch neue Songs geben, denn nach meinem letzten Adventival-Gastspiel sind ja nochmal zwei neue Alben hinzugekommen. Allerdings wird die Auswahl immer schwerer, je mehr Alben man aufgenommen hat. Immerhin sind das jetzt auch schon 16 Stück.

Haben Fans nach der Show die Chance, ein Autogramm von Ihnen zu bekommen oder ein Foto mit Ihnen zu schießen? Können sie auch Merchandise kaufen?

Dreimal ja. Ich liebe die Begegnungen mit dem Publikum und das Feedback am Merchandise-Stand. Es ist doch schön zu hören, welcher Song wem in welcher Situation schon mal geholfen hat. Und es ist immer wieder lustig zu sehen, wie viele Leute sich nicht mit der Kamera ihres Handys auskennen (lacht).

Man kennt Sie von Liedern wie „Sehnsucht“ und „Verliebte Jungs“. Treten Sie mit diesen Songs heutzutage immer noch auf und was bedeuten Ihnen diese Lieder?

Natürlich spiele ich beide Songs jeden Abend. Bei „Verliebte Jungs“ werde ich immer Zeuge einer spontanen Verjüngung der Zuschauer, die werden dann wieder zu Teenies (lacht). Aber „Sehnsucht“ ist heute für mich und auch das Publikum immer noch einer der emotionalsten Höhepunkte im Programm. Und das, obwohl der Song jetzt 35 Jahre alt ist. Das liegt daran, das er sich nie abgenutzt hat und dass er so viele Geschichten in sich vereint. Er hat sich im Laufe der Jahre immer ein bisschen verändert, aber heute spiele ich ihn in der intensivsten Version, die es je gab. Vor zwei Monaten erst habe ich das Video „Sehnsucht“ veröffentlicht.

Wann fingen Sie mit der Musik an und wie kamen Sie dazu?

Mit neun Jahren begann ich Klavier zu spielen. Mit 14 kamen die Gitarre und die Mundharmonika hinzu. Als ich dann mit 16 zum ersten Mal das Album „Supper’s Ready“ von Genesis gehört habe, wollte ich sofort eine Band gründen. Das war 1972 und dass ich nach all den Jahren immer noch knapp 40.000 Kilometer im Jahr auf Tour bin, empfinde ich als ein großes Glück.

Wie gelang Ihnen der Durchbruch in den 1980er und 1990er Jahren?

Obwohl ich mein erstes Konzert bereits 1973 gab, kam der richtige Durchbruch erst 1984 mit „Sehnsucht“. Zum Glück hatte ich aber so viele gute Songs geschrieben, dass ich mit allen Singles danach auch in die Charts kam.

Worüber handelt Ihr Buch und warum haben Sie sich dazu entschieden, diese Dinge aufzuschreiben?

Ich wollte mich mit der Frage befassen, was genau das damals für eine Sehnsucht war, die mich diesen Text hatte schreiben lassen. Und ich wollte wissen, was aus dieser Sehnsucht geworden ist. Ich hatte immer eine große Sehnsucht nach Familie und Gemeinschaft. Aber ich weiß auch noch, dass ich damals keine Kinder in diese Welt setzen wollte. Heute bin ich dreifacher Vater und vierfacher Opa. Es hat sich also einiges getan in all den Jahren.

Von all meinen Sehnsüchten ist mir eine geblieben: die Sehnsucht nach der Wahrheit. In diesen Zeiten, in denen die Wahrheit auf der Strecke zu bleiben droht, muss man die richtigen Fragen stellen. Und das geht wunderbarerweise auch mit Songs. Darum gehe ich heute mit der gleichen Leidenschaft auf die Bühne wie damals.

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