Drogen

Schlag gegen Rauschgiftszene im Ennepe-Ruhr-Kreis gelungen

Etwa 900 Cannabis-Pflanzen entdeckte die Polizei auf einer  Plantage im Ludwigstal in Hattingen.

Etwa 900 Cannabis-Pflanzen entdeckte die Polizei auf einer Plantage im Ludwigstal in Hattingen.

Ennepe-Ruhr.  Polizei stellt im Ennepe-Ruhr-Kreis Rauschgift im Straßenverkehrswert von ungefähr 1,3 Millionen Euro sicher. Soko ermittelt sechs Monate lang.

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Sensationeller Schlag der Polizei gegen den organisierten Rauschgifthandel im Ennepe-Ruhr-Kreis: Ein halbes Jahr lang ermittelte eine Soko der Kriminalpolizei auf Hochtouren. Die akribische Arbeit hat sich gelohnt, denn der Blick auf die Zahlen zeigt: Dies ist der wohl größte Schlag gegen die Drogenszene und zahlreiche Hintermänner in der Geschichte der Kreispolizeibehörde. Neben 120 Kilogramm Rauschgift, stellten die Beamten zahlreiche Waffen und eine erhebliche Summe Bargeld sicher, zwölf Festnahmen gelangen der Polizei am Ende.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte im Raum Regensburg. Dort war eine Person an so genannten Legal Highs verstorben. Das sind Mixturen aus oftmals legalen Substanzen, die unter den Namen „Kräutermischung“ oder „Badesalz“ verkauft werden. Vorwiegend Jugendliche rauchen die Mischungen, um sich zu berauschen. Die Folgen sind oft unvorhersehbar. So auch in Regensburg. Nach dem tragischen Tod nahm sich die Kriminalpolizei in der Oberpfalz dieses Themas an. Dabei kam zu Tage, dass die psychoaktiven Substanzen auch aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis über das Internet in das gesamte Bundesgebiet in Umlauf gebracht wurden.

Die hiesigen Kriminalpolizei rief daher eine Ermittlungsgruppe ins Leben, die sich ausschließlich mit dem Thema Rauschgift beschäftigte. Ab März des vergangenen Jahres tauchten deren Mitglieder tief in die Drogenszene ein und sehr schnell klickten die ersten Handschellen. „Der Rattenschwanz, den die Anfangserfolge hinter sich herzogen, wurde immer länger“, sagt Sonja Wever, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Ennepe-Ruhr, und weiter: „Wir reden hier nicht über den Dealer an der Straßenecke, das hatte durchweg eine andere Qualität.“

72 polizeiliche Durchsuchungen

Bald erstreckten sich die Ermittlungen über alle acht Städte des EN-Kreises, für die die Behörde zuständig ist. Die Stadt Witten unterliegt dem Polizeipräsidium Bochum. Ein halbes Jahr umfangreiche Ermittlungsarbeit hat die Rauschgift-Soko investiert, zog immer wieder neue Verbindungen, deckte Strukturen auf. Am Ende fanden 72 Durchsuchungen in den Städten des Kreisgebiets statt und es war bald klar: Über das Internet und analoge Vertriebswege agierten die Täter überregional.

Die Zahlen sind beeindruckend: Die Polizei stellte unter anderem 85 Kilogramm Marihuana sicher. Allein im Ludwigstal in Hattingen entdeckten die Ermittler in einer angemieteten Firmenhalle eine Plantage mit knapp 900 Pflanzen. Laut Polizei beträgt der Straßenverkehrswert dieses Fundes knapp eine Million Euro. Dem Eigentümer der Halle kam es komisch vor, dass seine neuen Mieter permanent alle Fenster abgeklebt hatten, so dass er sich bei der Polizei meldete.

Schlagringe, Messer, Schusswaffen

Dazu kamen etwa 35 Kilogramm Amphetamine, Heroin und Kokain mit einem Straßenverkehrswert von geschätzten 300 000 Euro. Auch Waffen stellte die Polizei sicher und verfolgte 15 Fälle nach dem Waffengesetz. „Das waren zumeist die straßentypischen Dinge: Schlagringe, Messer, Schusswaffen, die überwiegend nicht scharf waren“, sagt Sonja Wever. Dazu gesellten sich noch 200 000 Euro Bargeld, das die Beamten sicherstellten. Nach einem halben Jahr standen im Oktober zwölf Festnahmen zu Buche, von denen sich zwei Personen noch in Untersuchungshaft befinden. „Dies sind aus unserer Sicht die beiden Haupttäter“, sagt Sonja Wever und rechnet vor: „Die sichergestellten Drogen haben insgesamt einen Straßenverkaufswert von ungefähr 1,3 Millionen Euro.“

Dass die Polizei diesen großen Erfolg jetzt bekannt gibt, hängt laut Sonja Wever mit den umfangreichen Nachermittlungen zusammen. „Wir wollten niemanden aufschrecken.“ Das Hauptverfahren sei nun abgeschlossen, die Fälle liegen bei den beiden zuständigen Staatsanwaltschaften in Hagen und Essen. Diese prüfen aktuell, ob weitere Ermittlungen notwendig sind, bevor sie Anklagen erheben.

Kein Drogenproblem im Kreis

Auch wenn insbesondere beim Rauschgifthandel neue Leute in die illegalen Vertriebswege nachrutschen, glaubt Sonja Wever an eine nachhaltige Wirkung der groß angelegten Ermittlungen: „Der ein oder andere ist seitdem mit Sicherheit deutlich vorsichtiger geworden. Und jedem, der überlegt, eine Karriere als Rauschgifthändler zu machen, sagen wir ganz klar: Wir kriegen Dich.“ Grundsätzlich seien Drogen im Ennepe-Ruhr-Kreis genauso präsent wie überall anders auch, „aber wir sind weit entfernt von einem Drogenproblem“, sagt Sonja Wever.

>>>Info: Drogenfälle sind bei der Polizei ein so genanntes Erfolgsdelikt

  • Das heißt, dass sich die Kriminalitätsstatistik in diesem Bereich um so schlechter liest, je mehr Zeit und Personal die Beamten zur Bearbeitung der Rauschgiftszene im Kreis investieren.
  • „Diese so genannten BtM-Delikte steigen in den Statistiken nur an, wenn wir mehr Fälle aufdecken, weil es ganz selten ist, dass uns dies auf anderem Wege erreicht“, sagt Polizeisprecherin Sonja Wever.
  • Das hat den einfachen Grund, weil es in diesem Bereich so gut wie nie Opfer gibt, die sich bei der Polizei melden und Anzeige erstatten, wie beispielsweise bei Gewaltstraftaten oder Diebstahlsdelikten.
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