Wahrzeichen ausgebrannt

Schwelm: Das Entsetzen nach der Brandnacht

„Schrecklich, was da passiert ist“: Die Menschen kommen am Morgen zur Brandstelle, um sich selbst ein Bild zu machen

„Schrecklich, was da passiert ist“: Die Menschen kommen am Morgen zur Brandstelle, um sich selbst ein Bild zu machen

Foto: Andreas Gruber

Schwelm.  Nach dem Brand des Kornspeichers im Martfeld: Wenige Meter entfernt wurde eine Stelle entdeckt, wo Unbekannte noch ein Feuer gelegt haben.

„Das ist ein weiterer schwarzer Tag für unsere Stadtgeschichte“. Michael Lindermann, Vorsitzender des Verschönerungsvereins, kam am frühen Morgen zum Martfeld, um sich selbst ein Bild zu machen von den Schäden, die das Feuer in der Nacht angerichtet hatte. Er ist sichtlich bewegt angesichts des komplett ausgebrannten Haferkastens.

„Schon wieder ist ein historisches Gebäude in unserer Stadt in Mitleidenschaft gezogen worden“, schlägt er eine Brücke zu dem Großbrand in der Altstadt vor zwei Wochen. „Ohne diese Gebäude verliert die Stadt ihre Identität. Wir werden alles tun, um den Kornspeicher wieder zu restaurieren.“

Restaurator eingeschaltet

Ob dies überhaupt noch möglich ist, wird der Restaurator sagen müssen, den Michael Lindermann noch am Mittwochvormittag kontaktierte, um schnellstmöglich einen Termin abzumachen. Es handelt sich um die Firma Lehmkuhl, die im Jahr 2009 auch die Restauration des Haferkastens durchführte. Michael Lindermann ist guter Hoffnung: „Die Schäden sind gewaltig. Aber die Eichenbohlen sind massiv.“ Da das Gebäude versichert ist, hofft der Verschönerungsverein auf eine möglichst komplette Erstattung der Kosten.

Stand der Ermittlungen

Die Kripo schließt einen technischen Defekt als Brandursache definitiv aus. Vielmehr gehen die Ermittlungen verstärkt in Richtung Brandstiftung. Zumal am Morgen nach der Brandnacht ein paar Meter weiter, an einer Mauer nahe der Martfeld-Kapelle, eine Stelle entdeckt wurde, wo Unbekannte versucht haben, ein Feuer zu machen. Auf dem Boden lagen verkohlte Holzstücke. Als Anzünder verwendeten sie einen aktuellen Baumarkt-Prospekt. Die Kripo hat den Fall mitaufgenommen und in Absprache mit der Staatsanwaltschaft einen Brandsachverständigen hinzugezogen.

Wie in der Brandnacht zu hören war, musste die Feuerwehr bereits am 24. Juli zum Kornspeicher ausrücken. Damals hatten Mitarbeiter im Haus Martfeld Rauch am Haferkasten wahrgenommen und die Rettungskräfte alarmiert. Die Mitarbeiter konnten zum Glück noch vor dem Eintreffen die angekokelte Stelle löschen, bevor daraus ein Brand entstand.

So gefährlich war es wirklich

Wie gefährlich das Feuer in der Nacht zuvor wirklich war, machte am Morgen danach Feuerwehr-Chef Matthias Jansen deutlich. Zur Brandzeit habe Südwest-Wind geherrscht. Der Wind habe die Flammen direkt in Richtung Schloss Martfeld gedrückt. Wäre der Alarm auch nur ein paar Minuten später eingegangen und die Feuerwehr nicht schon drei Minuten danach vor Ort gewesen, hätte das Feuer wahrscheinlich katastrophale Schäden angerichtet.

Worte der Bürgermeisterin

„Nicht auszudenken. Das macht es noch trauriger“, meinte Bürgermeisterin Gabriele Grollmann-Mock. „Es ist ganz, ganz schrecklich, was da passiert ist“. Der Haferkasten sei ein solch wichtiges Gebäude für die Stadt, betonte die Bürgermeisterin, die sich in der Brandnacht persönlich ein Bild von dem Geschehen machte. „Erst bei Tageslicht war zu erkennen, wie schwer die Schäden wirklich sind.“ Bürgermeisterin Grollmann-Mock hofft, dass es gelingt, den Haferkasten wieder zu sanieren.

Auch Schwelms Ehrenbürger Wilhelm Erfurt, der die Restaurierung des Haferkastens vor Jahren ermöglichte, soll tief betroffen von der schrecklichen Nachricht sein, wie zu hören ist.

Die Geschichte des Haferkastens

Im Jahr 1583 erbaut ist der Haferkasten das ältestes Holzgebäude in der Stadt. Es ist 5,65 Meter lang, 3,55 Meter breit und über 5 Meter hoch.

Einst gehörte der Haferkasten zum Hof Mennenöh im Westen der Stadt (Oehde), wo er bis 1929 stand. Die Stadt kaufte das Gebäude, lagerte es bis 1936 zerlegt auf dem Bauhof und baute ihn 1937 im Hof des damaligen Museums (später Stadtbücherei) in der Schulstraße auf.

Mit dem Heimatmuseum zog der Haferkasten zunächst zum Sternenbergschen Haus in der Barmer Straße (50er Jahre) und dann zum Martfeld (60er Jahre).

Im Jahr 2009 wurde das durch Wind und Wetter gezeichnete Holzgebäude, das zwei Jahre zuvor auch noch von Sturm Kyrill in Mitleidenschaft gezogen wurde, grundlegend restauriert. Das von der Stadt auf den Verschönerungsverein übertragene Gebäude wurde in seine Einzelteile zerlegt und zur Fachfirma Lehmkuhl transportiert, die es nach der Restaurierung im Herbst 2009 wieder am alten Standort aufbaute.

Finanziert wurde dieses aufwändige Vorhaben durch die Wilhelm-Erfurt-Stiftung für Kultur und Natur und durch Schwelms Ehrenbürger Wilhelm Erfurt persönlich.

Mehr Informationen gibt es in Folge 32 des „Martfeld-Kuriers“, der Schriftenreihe des Vereins für Heimatkunde Schwelm. Die frühere Archiv- und Museumschefin Cornelia Hackler hat den Beitrag verfasst.

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