Regenwald

Schwelmer will den Regenwald in Peru retten

Der Schwelmer Jens Bergmann gemeinsam mit Yánesha-Indianern in Zentralperu. Er hilft ihnen, ihre Landrechte zu verteidigen.

Der Schwelmer Jens Bergmann gemeinsam mit Yánesha-Indianern in Zentralperu. Er hilft ihnen, ihre Landrechte zu verteidigen.

Foto: Privat / Verein

Schwelm.  Dem Schwelmer Jens Bergmann ist es mit seinem Verein Chance e. V. gelungen, ein 18.000 Hektar großes Regenwaldgebiet in Peru vor Brandroder.

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Während der Sommer von Schreckensnachrichten über sterbende Wälder in Deutschland, Amazonien und Sibirien dominiert war, ist es Jens Bergmann mit seinem Verein Chance e.V. gelungen, ein 18.000 Hektar großes Regenwaldgebiet im peruanischen Amazonasgebiet endgültig vor den Flammen der Brandroder und Landschmuggler zu retten.

„Es sah aus wie Bilder vom Ruhrgebiet 1945“, erinnert sich der gebürtige Schwelmer an seinen Besuch im peruanischen Amazonasgebiet 2015. Wo wenige Jahre zuvor noch unberührter Urwald gestanden hatte, sah Bergmann quecksilberverseuchte Sandwüste, die kriminelle Goldschürfer überall im Dschungel zurücklassen. Stundenlang fuhr er durch gerodete und verbrannte Regenwälder, Geier saßen auf toten Baumgerippen.

„Vielen Kindern aus den Indianerdörfern fallen wegen der Vergiftung die Zähne aus, Minderjährige werden als Sklavenarbeiter in den illegalen Minen und Bordellen eingesetzt“, so Bergmann. „Es ist wie ein Krieg, ein Krieg gegen das Leben.“ Laut Bergmann bewegten diese Erfahrungen den Verein Chance e.V., den er bereits 2003 gegründete hatte, genau da aktiv zu werden, wo die Not am größten ist: in den Regenwäldern Amazoniens. „Denn hier im Dschungel entscheidet sich auch unsere Zukunft“, sagt Bergmann, „ohne den Schutz der Regenwälder ist der Kampf gegen den Klimawandel verloren.“

Deshalb engagiert sich der Verein heute an der Seite der letzten Yánesha-Indianer in Zentralperu, die er dabei begleitet, ihre Landrechte zu verteidigen, ihre Wälder zu bewahren und die Armut zu bekämpfen. Vor einiger Zeit dann errang der Verein seinen bislang größten Erfolg. Das erste Regenwaldschutzgebiet von Chance e.V. wurde offiziell ins peruanische Grundstücksregister eingetragen. „Elf Monate dauerte allein die Eintragung des Waldgebiets, um es gegen Eindringlinge schützen zu können“, erläutert Bergmann. Insgesamt konnte der Verein 18.000 Hektar unberührten Bergregenwald in letzter Minute vor der Zerstörung retten. Das entspricht der halben Fläche des Bundeslandes Bremen.

Ein dreijähriger Kampf

Schon 2015 hatte Chance e.V. den Antrag auf Übertragung des Waldgebiets gestellt. Dann begann ein dreijähriger Kampf gegen Korruption, Chaos und Gleichgültigkeit. Bergmann und seine einheimischen Partner gingen bis ins Büro des peruanischen Präsidenten, um eine Verfügung zu erwirken. Dann mussten sie die Provinzregierung überzeugen und am Ende die Forstbehörde mit Anwälten unter Druck setzen, bis im Dezember 2018 endlich die Verträge unterschrieben wurden. „Das ist ein Wunder, das ohne den Einsatz unserer peruanischen Partner nicht möglich gewesen wäre“, so Bergmann.

Jetzt geht die Arbeit des Vereins weiter: Kontrollposten müssen gebaut und Waldhüter eingestellt werden. Kooperationen mit Universitäten sollen helfen, den Urwald dauerhaft zu schützen. Das ist wichtig, denn der Regenwald von Chance e.V. nimmt jedes Jahr in etwa so viel CO2 auf wie eine Stadt von der Größe Schwelms produziert. Außerdem versorgt er zwei Landkreise mit Wasser. „Es ist ein Paradies“, berichtet Bergmann begeistert, „hier gibt es mehr Baumarten als in ganz Mitteleuropa, hunderte Orchideenarten und viele vom Aussterben bedrohte Tierarten.“ Die Arbeit mit den zehn an den Dschungel angrenzenden Dörfern hat bereits begonnen. Sie wollen ihren Wald verteidigen und durch nachhaltigen Kaffeeanbau der Armut entkommen. Für Jens Bergmann ist dieses Projekt ein Beispiel dafür, wie jeder auch selbst aktiv werden kann für den Regenwald und das Klima. „Wir alle können hier konkret handeln, statt uns von den vielen schlechten Nachrichten entmutigen zu lassen“, sagt der Vereinsgründer. All das ermögliche der Verein durch Waldpatenschaften, durch die jeder sein eigenes Stück Regenwald retten kann. Besonders wichtig seien Unternehmen, die ihren CO2-Fußabdruck kompensieren können, indem sie den Schutz einer bestimmten Regenwaldfläche finanzieren und so ganz praktisch etwas für den Klimaschutz tun.

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