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Schwelms Wahrzeichen in akuter Schieflage

Der Fußweg an der Christuskirche ist abgesperrt. Die Fläche wird zur Lagerung der Baumaterialien benötigt. Voraussichtlich bis Ende Mai bleibt die Ampelanlage stehen, um den Verkehrsfluss in diesem Abschnitt der Kirchstraße einspurig zu regeln.

Der Fußweg an der Christuskirche ist abgesperrt. Die Fläche wird zur Lagerung der Baumaterialien benötigt. Voraussichtlich bis Ende Mai bleibt die Ampelanlage stehen, um den Verkehrsfluss in diesem Abschnitt der Kirchstraße einspurig zu regeln.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.   In der kommende Woche startet die Christuskirchen-Sanierung. Der erste von fünf Bauabschnitten kostet 875.000 Euro

Mit dem bloßen Auge ist es nicht zu erkennen. Dennoch beschäftigt das Problem die Evangelische Kirchengemeinde Schwelm und ein ganzes Heer an Fachleuten schon seit Jahren. Das Fundament ist auf kalkhaltigem und lehmigem Boden gebaut, die zwei Türme der Christuskirche driften auseinander. Der Südturm ist zuletzt um weitere 4 Millimeter (gemessen in 40 Meter Höhe) innerhalb eines Jahres aus dem Lot geraten. Die Sanierung ist ein Millionenprojekt, dass die Gemeinde über Jahre hinweg noch begleiten wird. Die Vorbereitungen für den Start des ersten Bauabschnitts sind angelaufen. Ende des Jahres soll er abgeschlossen sein.

Millionen-Projekt in heißer Phase

Seit sechs Jahren beschäftigt sich Hans-Joachim Fettke ehrenamtlich mit der Sanierung der Christuskirche. Das tat es übrigens auch schon, als er noch Baukirchmeister (1990 bis 2014) der Gemeinde war. Jetzt ist der 71-Jährige zwar im Ruhestand, aber irgendwie doch nicht. „Ich mache die Arbeit gerne, bin aber froh, dass ich im Ruhestand bin. Diese Aufgabe hat mich sowohl geistig als auch körperlich gefordert. Aber man wächst mit seinen Entscheidungen“, sagt Fettke, schon von Berufs wegen als Maschinenbau-Ingenieur in Technischen Fragen nicht unerfahren. In das Spezialwissen einer Kirchensanierung musste er sich dennoch unzählige Stunden in das Fachgebiet einarbeiten, um auf Augenhöhe mit den Fachleuten diskutieren zu können.

Nun ist das Millionen-Projekt in die heiße Phase getreten. Am 18. März soll der erste von insgesamt fünf Bauabschnitten starten. Die Vorarbeiten sind im vollen Gange. Die Baustelle ist eingerichtet, eine Ampelanlage wird den Verkehr in der Kirchstraße für die nächsten Monate regeln. Ende Mai soll die Sperrung wieder aufgehoben werden. Für den auf 875.000 Euro geschätzten Bauabschnitt mussten der Haupteingang und die Zugänge für die beiden Türme geschlossen werden. Damit dürfen bis auf Weiteres auch die Besucher nicht mehr auf die Empore. Im Unglücksfall fehlt für sie der zweite Fluchtweg. Der Zugang zum Kirchenschiff erfolgt ausschließlich über den Seiteneingang an der Kirchstraße. Die Umfahrung der Christuskirche ist nur noch für Anlieger möglich.

Probebohrungen im Fundamentbereich des Gotteshauses hatten ergeben, das erst in zwölf Metern Tiefe der Boden unter dem Südturm fest und felsig wird, während die Fundamente unter dem Südturm zwei Meter tief in das Erdreich ragen und somit auf einem lehmigen Boden stehen. Nun sollen die Türme teilweise neu gegründet werden, indem der Raum zwischen Fels und Kirchenfundament mit Beton verfüllt wird. Dafür werden rund 60 Bohrungen im Durchmesser von 60 Millimeter in bis zu 12 Meter Tiefe unter dem Südturm getrieben. Im Grundbereich wird mittels einer speziellen Düsentechnik Schlamm herausgedrückt und der sich bildende Hohlraum mit Beton verfüllt. Die benötigten Baumaterialien, zwei Betonsilos und eine Betonpumpe, werden teilweise auf dem abgesperrten Fußgängerweg gelagert. „Die Behörden wie Feuerwehr und Ordnungsamt arbeiten alle positiv mit uns zusammen und sind jederzeit ansprechbar“, lobt Hans-Joachim Fettke das gute Miteinander aller und schließt ausdrücklich auch alle anderen Beteiligten wie Gutachter, Fachfirmen und die Hochschule mit ein.

Neben den Gründungsarbeiten müssen noch alle Fugen der Fassade erneuert werden. Das Mauerwerk ist zweischalig, besteht im Inneren aus Milsper Grauwacke, vor die eine Verkleidung aus Sandsteinen gesetzt wurde. Jetzt muss ein Pressverfahren entwickelt werden, wie die zum Teil bis zu 35 Zentimeter tiefen Fugen bis in die hintersten Ecken mit Mörtel neu verfüllt werden können. Ob alle Verfahren vom Erfolg gekrönt sein werden, wird sich noch zeigen. „Die Statiker sagen, dass erst in drei bis fünf Jahren erkennbar ist, ob die Maßnahmen erfolgreich waren“, so Fettke.

Orgel muss für 60.000 Euro „eingepackt“ werden

Für die Evangelische Kirchengemeinde ist die Sanierung nicht nur ein Millionenprojekt, sondern auch eine Aufgabe, die sie über viele Jahre hinweg beschäftigen wird. Die Kirchtürme als Wahrzeichen der Stadt sind auch den Bürgern lieb und teuer. „Es ist unglaublich, was bei uns an Spenden eingegangen ist. da kann man sich nur bei den Schwelmern bedanken“, freut sich Pfarrer Rainer Schumacher. Mal sind die Beträge vierstellig, mal sind es Kleinbeträge. Aber jede Summe hilft der Gemeinde bei der Sanierung des denkmalgeschützten Bauwerks. Auch der Versteigerungserlös von 5000 Euro aus der Aktion mit Norbert Dickel und natürlich ebenso die fleißigen Helfer der Aktion „Schwelm is(s)t für die Türme“ dürfen nicht vergessen werden.

Für den ersten Bauabschnitt konnten somit allein 85.000 Euro an Spendengelder eingeplant werden. 300.000 Euro stammen vom Bund aus dem „Denkmalschutz-Sonderprogramm VI“. Der Rest sind Eigenmittel der Gemeinde.

Für den zweiten Bauabschnitt, der auf 980.000 Euro beziffert wird, kann auf weitere aus Spenden stammende 130.000 Euro zurückgegriffen werden. Darüber hinaus hat die Gemeinde erneut einen Förderantrag an den Bund gestellt. „Wir hoffen auf eine 50-prozentige Förderung“, sagt Pfarrer Schumacher. Die Entscheidung über den Antrag wird in diesem Jahr erwartet. „Wenn das Geld da ist, können wir nahtlos mit dem zweiten Bauabschnitt an den ersten anschließen“, wünscht sich Hans-Joachim Fettke. Der zweite Sanierungsabschnitt nimmt sich des Nordturms und der Westseite an. Wahrscheinlich muss die Rosette zum Altmarkt hin herausgenommen werden. „2017 haben wir die Risse im Fenster geschlossen, 2018 waren sie wieder da. Jetzt müssen wir ein Verfahren finden, damit die Mauer dicht hält“, sagt Fettke.

Diese anstehenden Arbeiten werden auch Auswirkungen auf die Orgel haben. Wegen des zweiten Bauabschnitts muss die Orgel vor Staub geschützt werden. Die großen Orgelpfeifen werden abmontiert, die Orgel selbst eingepackt. Diese Arbeiten müssen von einer Spezialfirma ausgeführt werden. Geschätzte Kosten allein für diese Schutzmaßnahme: 60.000 Euro. Bereits in diesem Sommer wird entschieden, ob das noch in diesem Jahr passiert.

Im dritten Bauabschnitt wird sich der Südseite, im vierten der Ostseite und im fünften schließlich der Nordseite angenommen. „Die ersten und zweiten Bauabschnitte sind die technisch anspruchsvollsten. Bei den übrigen Arbeiten geht es in erster Linie um Fassadenarbeiten“, erklärt Fettke. Für die Kirchengemeinde eben ein Millionenprojekt über Jahre hinweg, das nach einer Kostenschätzung aus dem Jahr 2016 mindestens 3,5 Millionen Euro verschlingen wird.

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