Gymnasium

So geht es nach Amok-Drohung in Schwelm weiter

Die Leitstelle der Polizei beordert am Donnerstagmorgen sofort alle verfügbaren Streifenwagen nach Schwelm.

Die Leitstelle der Polizei beordert am Donnerstagmorgen sofort alle verfügbaren Streifenwagen nach Schwelm.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Schüler, Lehrer und Eltern des Märkischen Gymnasiums stehen unter den Eindrücken der Amok-Drohung gegen die Schule. So geht es jetzt weiter.

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Und plötzlich ist alles voller Polizei. Mit Helmen, schusssicheren Westen und Maschinenpistolen im Anschlag versammeln sich die Beamten am Märkischen Gymnasium in Schwelm. Unsicherheit und Angst machen sich breit. Kurz zuvor war der Hinweis auf einem bevorstehenden Amoklauf an der Lehranstalt eingegangen. Zum Glück blieb alles friedlich, doch einfach zum Alltag können Lehrer und Schüler nicht wieder übergehen.

„Kurz vor der ersten Stunde bekamen wir einen Anruf“, sagt Direktorin Katharina Vogt im Gespräch mit dieser Zeitung. Am anderen Ende, so teilt Polizeisprecherin Sonja Wever mit, befand sich eine Frau, die anonym darauf hinwies, dass sie ein Gespräch mit angehört habe, in dem es darum ging, am Donnerstag, 21. November, einen Amoklauf am Märkischen Gymnasium zu starten. „Wir haben umgehend die Polizei informiert und uns mit der Bezirksregierung auseinander gesetzt“, sagt Vogt. „Sofort haben wir alle verfügbaren Kräfte zum Gymnasium geschickt, weil wir diese Sache ausgesprochen ernst nehmen“, sagt Sonja Wever, die jedoch auch deutlich macht: „Wir haben keinerlei ernsthafte Anzeichen dafür, dass eine solche Tat wirklich geplant ist.“ Schnell sei allen klar gewesen, dass zumindest keine akute Gefahr bestand, weshalb die Schule auch keinen Amokalarm ausgelöst hat.

Betreuung für verängstigte Kinder

Dennoch entschieden die Schulleitung, die Polizei und die Bezirksregierung, dass die Mädchen und Jungen an diesem Tag frei bekommen. „Ein geregelter Unterricht wäre ohnehin nicht möglich gewesen. Und einige Kinder haben Angst bekommen, als sie gesehen haben, dass die Polizei hier so massiv angerückt ist – was ohne Zweifel richtig und notwendig war“, sagt die Schulleiterin. Ob die Eltern ihre Kinder am heutigen Freitag wieder in die Schule schicken, liege in ihrem eigenen Ermessen. Auch ohne die Amokdrohung hätte eine so genannte Verfügungsstunde am Freitag stattgefunden. „Diese werden wir nun nutzen, um mit den Kindern über die Vorkommnisse zu sprechen“, sagt Katharina Vogt.

Ebenso sei aus einem ganz anderen Grund der schulpsychologische Dienst im Hause. Auch dieser fungiert nun als Ansprechpartner für möglicherweise verängstigte Kinder. „Ebenso gelten diese Gesprächsangebote aber auch für alle Kollegen, die möglicherweise Unterstützung benötigen. Auch sie können selbst beurteilen, ob die am Freitag wieder zum Dienst erscheinen oder sich dazu nicht im Stande sehen“, sagt Vogt. Generell werde aber der Unterricht normal fortgesetzt.

In Sorge waren am Vormittag vor allem die vielen hundert Eltern. Etliche von ihnen meldeten sich telefonisch im Gymnasium und bei der Polizei. Im MGS wurde in Absprache mit den Sicherheits- und Aufsichtsbehörden schnell ein Text für den Anrufbeantworter entwickelt, der auch sofort auf die Internetseite der Schule gestellt wurde: „Nach einem anonymen telefonischen Hinweis auf einen möglichen Amokversuch am MGS kam es zu einem Polizeieinsatz. Auch wenn nach Einschätzung der Polizei zu keiner Zeit Gefahr für unsere Schülerinnen und Schüler bestand, haben wir uns entschlossen, den Unterricht für heute zu beenden.“

Mechanismen funktionieren

Nachdem die Polizei gegen 8.15 Uhr angerückt war, entspannte sich die Lage bereits am Vormittag schon wieder. „Wir haben nach und nach die Kräfte abgezogen“, sagt Sonja Wever. Die Ermittlungen laufen derzeit noch in alle Richtungen, auch Trittbrettfahrer nach den Drohbriefen an eine Hagener Schule zu Beginn der Woche werden nicht ausgeschlossen. Das Positive an dem großen Schrecken, der am Schwelmer Gymnasium sicherlich noch etwas nachwirken wird, sieht Schulleiterin Katharina Vogt: „Wir haben deutlich gesehen, dass die Mechanismen in einem solchen Fall genau so funktionieren, wie sie sollen. Wir sind von der Polizei optimal betreut worden“, bilanziert sie.

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