Kriminalität

Sparclub-Raub in Gevelsberg: Täter sind gefasst

Auf dem Parkplatz der Sparkassen-Hauptstelle ereignete sich der Überfall auf den Sparclub-Boten, der 75.000 Euro im Rucksack bei sich hatte.

Auf dem Parkplatz der Sparkassen-Hauptstelle ereignete sich der Überfall auf den Sparclub-Boten, der 75.000 Euro im Rucksack bei sich hatte.

Foto: Carmen Claudia Thomaschewski / WP

Gevelsberg/Essen.  Die Umstände der Tat werfen noch Fragen auf. Immerhin: Die Täter, die dem Sparclub-Boten einen Rucksack mit 75.000 Euro entrissen, sind gefasst.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Täter entkamen unerkannt und hinterließen an jenem Freitag im Oktober 2018 vor allem viele Rätsel. Auf dem Parkplatz vor der Sparkassen-Hauptstelle in Gevelsberg hatte das Duo einem Mann einen Rucksack mit 75.000 Euro entrissen und war geflüchtet. Lange herrschte von Polizeiseite aus ein eisiges Schweigen zu dem Fall. Jetzt ist klar: Der Gevelsberger Überfall ist nur eine Randnotiz von dem, weshalb sich die Täter ab dem 15. Oktober vor dem Essener Landgericht an bislang angesetzten 20 Prozesstagen verantworten müssen. Hier verantwortet sich eine kriminelle Vereinigung, deren Oberhaupt seine Band als „Clan“ bezeichnet und die im Ruhrgebiet Beute in Millionenhöhe gemacht hat.

Ausgangspunkt dieser Reihe von Verbrechen war der Plan dreier ehemaliger Schulfreunde aus dem nördlichen Ruhrgebiet, einen aufwendigen Lebensunterhalt mit Verbrechen zu bestreiten und dabei nie unter 100.000 Euro zu erbeuten. Die Anklageschrift liest sich wie ein Gangster-Krimi: Auf Geldtransporter hatte sich laut Anklage die beschuldigte Gruppe um Rodrigues S. (25), Kesser J. (25) und Housein El K. (26) aus Marl und Recklinghausen spezialisiert. Akribische Planung zeichnete ihre Arbeit aus, stellten die Ermittler fest. Nicht nur, dass die Gruppe mögliche Tatorte intensiv ausgespäht haben soll. Sie nutzte auch das Insiderwissen des Angeklagten Ahmad A., der damals bei einer in Recklinghausen ansässigen Firma für Geldtransporte arbeitete.

Auf der Flucht Auto-Unfall gebaut

Dank seiner Informationen gelang ihnen auch ihr größter Coup, den sie im münsterländischen Gronau landeten: 2017 nahm die Gruppe sich die Zentrale der Supermarktkette „K+K“ in Gronau vor, sagt die Anklage. Dort holte die Recklinghäuser Securityfirma, in der Ahmad A. beschäftigt ist, regelmäßig die Einnahmen ab. Die Gruppe um Rodrigues S. besorgte sich, so hat es die Staatsanwaltschaft ermittelt, ein baugleiches Fahrzeug der Marke VW, versah es mit dem Logo der Geldtransporterfirma und nutzte die Kenntnis der üblichen Abholprozedur. So kamen die Männer in entsprechender Uniform am 19. Dezember 2017 nach telefonischer Ankündigung bei der Supermarktzentrale in Gronau an. Einnahmen in Höhe von 1,8 Millionen Euro bekamen sie ausgehändigt, quittierten sogar den Empfang der Summe. Dann fuhren sie weg, bevor die echten Fahrer mit dem Geldtransporter kamen. Keine Gewalt, kein Tropfen Blut.

Im Vergleich dazu mutet die Beute in Gevelsberg fast an, als sei sie zu vernachlässigen. Auch hier hatten die beiden Täter einen Tipp bekommen, dass das Mitglied des Sparclubs der Gaststätte „Am Ufer“ zu diesem Zeitpunkt an der Sparkassen-Hauptstelle 75.000 Euro abholen würde, die zur Ausschüttung an die Mitglieder bestimmt waren.

Es war ungefähr 14.30 Uhr, als der Sparclub-Bote das Geld in einem Rucksack verstaute und mit diesem über dem Arm hängend über den Sparkassenparkplatz ging. Wie aus dem Nichts kam ein Mann auf ihn zu, entriss ihm den Rucksack, stieg in einen schwarzen Mercedes ein, in dem ein zweiter Täter gesessen haben, der sofort mit dem Wagen losgebraust sein soll. Obwohl die Flüchtigen auf der Autobahn 43 einen Unfall bauten, entkamen sie.

Abhörtechnik und V-Mann-Einsatz

Erst im Laufe der Ermittlungen zu den Trickdiebstählen und Überfällen auf Geldtransporter oder eine Schmuckhändlerin, die die Truppe verübte, um sich einen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren, stießen die Beamten auch auf den Gevelsberger Fall. „Wir sind über verdeckte Ermittler und Abhörtechnik auf die Täter aufmerksam geworden. Immer mehr Taten kamen ans Tageslicht“, sagt die Essener Oberstaatsanwältin Anette Milk im Gespräch mit dieser Zeitung. Unter anderem waren die teuren Autos der sieben Banden-Mitglieder, die aus Spanien, Deutschland, Pakistan, dem Libanon, Zentralafrika und Guinea stammen, von der Polizei verwanzt worden, Telefongespräche von Haupttäter Rodrigues S. (25) abgehört worden. Es gab Hinweise eines V-Manns und schließlich griff die Polizei Ende des Jahre 2018 zu.

Der Gevelsberger Fall ist dabei nur ein kleiner Teil, der ab Oktober vor der VII. Strafkammer des Landgerichts Essen verhandelt wird. In diesem Verfahren wird sich nur einer der beiden Täter verantworten müssen, der zweite wird in einem separaten Verfahren angeklagt, weil er noch heranwachsend ist und demnach nach Jugendstrafrecht verurteilt werden könnte. „Wann dieses zweite Verfahren beginnt, steht bislang aber noch nicht fest“, sagt Anette Milk. Dann werden hoffentlich auch auch die letzten der zahlreichen Rätsel, die im vergangenen Oktober bei dem spektakulären Überfall in Gevelsberg entstanden, geklärt werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben