Sportentwicklungskonzept

Sporthallen in Ennepetal als wenig ansprechend beurteilt

Bouldern, das Klettern ohne Seil und Gurt an Kletterwänden in Absprunghöhe, zählt zu den Lifestyle-Sportarten, die immer mehr an Bedeutung gewinnen. Auf solche Trends müssen sich Sportvereine nach Meinung von Peter Wehr einstellen, um zukunftsfähig zu sein.

Bouldern, das Klettern ohne Seil und Gurt an Kletterwänden in Absprunghöhe, zählt zu den Lifestyle-Sportarten, die immer mehr an Bedeutung gewinnen. Auf solche Trends müssen sich Sportvereine nach Meinung von Peter Wehr einstellen, um zukunftsfähig zu sein.

Foto: Fabian Strauch

Ennepetal.   Ennepetals Sporthallen sind zwar funktional, aber ästhetisch wenig ansprechend – so heißt es im Zwischenbericht für das Sportentwicklungskonzept.

„Mit unseren Sportstätten werden wir in 20 Jahren nicht mehr leben können. Wir müssen uns Gedanken machen.“ Das sagte der Vorsitzende des Stadtsportverbands (SSV), Dirk Baunscheidt, nachdem sich der Sportausschuss mit ersten Ergebnissen des derzeit in Arbeit befindlichen Sportentwicklungskonzepts befasst hatte. Daraus geht hervor, dass der beauftragte Experte Peter Wehr alle Sporthallen, die er begutachtete, zwar für alltagstauglich hält, sie aber „nur schwer für eine umfassendere sportliche Nutzung optimierbar“ seien.

Der Auftrag

Peter Wehr, der mit seiner Consulting-Firma nach eigenen Angaben seit 25 Jahren selbstständig in ganz Deutschland Sportentwicklung mit voran treibt, war vom SSV in Abstimmung mit der Stadt beauftragt worden, ein Konzept unter der Überschrift „Sportentwicklung in Ennepetal – mit Sportvereinen Zukunft gestalten“ zu erarbeiten. Es soll die Zukunft der Vereine hinsichtlich Nachwuchsgewinnung und Organisationsgrad beleuchten und Themen wie Integration und Inklusion beinhalten. Berücksichtigt werden sollen unter anderen Veränderungsfaktoren, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben, anstehende Investitionsvorhaben in die Sportinfrastruktur, Bemühungen, ländlich strukturierte Stadtgebiete zu beleben, sowie eine intensivere Zusammenarbeit in Entwicklungsfragen mit den Sportvereinen. Am Ende soll eine Art „Masterplan für die Entwicklung des Sports in Ennepetal“ stehen.

Bewertung der Sporthallen

Nach Grundlagenermittlung und einer Auftaktveranstaltung mit den Vereinen im Vorjahr nahm Peter Wehr nun zwischen Mitte Januar und Anfang März gemeinsam mit Vertretern des SSV, der Stadt und von Vereinen die Sporthallen bzw. „deckten Sportanlagen“ unter die Lupe. „Alle sind zwischen 35 und 50 Jahren alt. Investitionen in neue kommunale Sporträume, die auf zielgruppenspezifische Bedarfe und Wohlfühlkriterien eingehen, sind nicht vorgenommen worden“, heißt es dazu. „Die Sportanlagen werden durchgängig als funktional und ästhetisch wenig ansprechend beschrieben.“ Viele würden reingehen, um rauszugehen und empfänden die Hallen als „schmucklose Hüllen.“

Wehr berichtete nicht zuletzt, dass Männer und Frauen, Alt und Jung oftmals völlig gegensätzliche Sichtweisen auf die jeweilige Sportanlage gehabt hätten.

Hinsichtlich Klimaschutz, technischer Optimierung und Schallschutz sähen viele am Bewertungsverfahren Teilnehmende einen großen Optimierungsbedarf. Darüber hinaus sei das Thema Inklusion und Barrierefreiheit in vielen Anlagen nicht umgesetzt bzw. nicht umsetzbar. Die emotionale Anbindung der Sportlerinnen und Sportler an die Sportanlagen als Orte gelingenden sozialen Miteinanders nehme ab, nennt Peter Wehr als weiteres Bewertungsergebnis.

Dabei betont der Konzeptentwickler, dass das Verfahren an sich -- mit Beteiligung der Vereine – als „wichtig, richtig und förderlich betrachtet“ werde. Die Bewertungsverfahren seien für die Stadtverwaltung und den SSV ein wichtiger Baustein, um die Bedarfe und Zukunftsplanungen der Vereine besser erfassen und Strategien entwickeln zu können.

Konkrete Ergebnisse und Empfehlungen für einzelne Sporthallen führte Wehr nicht auf. Allerdings gab er an, dass es nicht zuletzt darum gehe, neue Räume zu gestalten oder Räume auch ganz anders auszustatten und zu nutzen. Nicht zuletzt gelte es, neue Bewegungsräume zu entdecken – losgelöst von der speziell dafür eingerichteten Sportstätte.

Ausrichtung der Sportvereine

In seinem Zwischenbericht rückte der Experte auch die Ausrichtung der Sportvereine hinsichtlich ihrer Angebote in den Blick. Er betonte, dass sich die Sportvereine jenseits von räumlichen Gegebenheiten Gedanken um neue Themen mit starkem Quartiersbezug machen sollten, „die in der Luft hängen und die die Sportvereine jetzt schon streifen, aber noch nicht systematisch für sich gestalten“. Solche Themen seien Sport und Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung, das Schaffen von Bildungsanlässen, Klimaschutz und Mobilität, Netzwerkarbeit für soziale und integrierende Projekte, das Schaffen von Engagementmöglichkeiten, Hilfen bei der Alltagsbewältigung sowie das Ermöglichen von Kontakten und das Fördern von sozialem Wohlbefinden.

Wehr, der selber Vorsitzender eines Vereins in Essen ist, mahnte, dass die Sportvereine sich mit Feldern wie Bewegungsförderung, gesunde Lebensführung, funktionale Fitness, Lifestyle, Kraft-Ausdauer-Fitness, aber auch E-Sports auseinadersetzen müssten. Dabei gebe es enorme Entwicklungspotenziale, diese sollten nicht einfach anderen überlassen werden.

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