Halle Vollmann

Tennis in Gevelsberg: Das schwere Erbe von Boris Becker

Spielen hier die neuen Beckers und Grafs? Laut Ute Vollmann wird Tennis wieder deutlich populärer.

Spielen hier die neuen Beckers und Grafs? Laut Ute Vollmann wird Tennis wieder deutlich populärer.

Foto: Vollmann

Gevelsberg.  Vor 30 Jahren gab es kaum einen exklusiveren Sport als Tennis. Wie sieht es damit in Gevelsberg heute aus. Ein Blick in die Halle Vollmann.

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Der 7. Juli 1985 hat Deutschland verändert und auch die Gevelsberger Sportszene auf den Kopf gestellt. Boris Becker gewinnt im Alter von 17 Jahren völlig überraschend das bedeutendste Tennis-Turnier der Welt in Wimbledon. Die Nation hat ein neues Idol und drängt massiv auf die Tennisplätze. Ein vor allem damals elitärer Sport, bei dem sich der Herr Doktor mit der Frau von und zu im gemischten Doppel gegenübersteht. Ein Sport, der 34 Jahre später nichts von seinem Reiz aber viele seiner Anhänger verloren hat.

Freies W-Lan und Luxusduschen

Eine, die nach wie vor die Tennisfahne in Gevelsberg hoch hält, ist Ute Vollmann. Jüngst erst hat sie ihre Tennishalle im Breitenfeld von Grund auf renoviert und modernisiert. In den allgemeinen Untergangsgesang des Tennissports will sie nicht mit einstimmen: „Klar, werden wir solche Zeiten wie vor 25 Jahren nicht mehr haben, aber Tennis wird wieder beliebter, wir haben wieder mehr Zulauf.“ Nicht zuletzt die Erfolge von Angelique Kerber hätten auch dazu beigetragen, dass Tennis wieder mehr in den Fokus rückt.

Das sah nach Beckers Triumph ganz anders aus. Spielte Boris, waren die Straßen leer. Spielte Boris nicht, spielten die Gevelsberger. Silschede, Berge, Peddinghaus, Rot-Weiß, TV Lichtenplatz – gleich fünf Vereine duellierten sich allein innerhalb der Stadtgrenzen. Dazu kamen die Tennishallen am Breitenfeld und in Berge, die mittlerweile ein Teil der Georg-Müller-Schule ist. Die Wartelisten waren rappelvoll, selbst für Kinder mussten die Eltern Aufnahmegebühren von manchmal mehr als 1000 Mark berappen. Tennis war teuer, in den Vereinen herrschte auch ein gerütteltes Maß an Hochnäsigkeit.

Das kann sich heute niemand mehr leisten. Vor allem die Vereine nicht mehr: Am Lichtenplatz steht nun der Edeka, die Berger Plätze existieren längst auch nicht mehr. Tennis bezieht seine Exklusivität mittlerweile nicht mehr aus elitären Zirkeln und der Sehnsucht der Leute, auch mitspielen zu wollen, sondern daraus, dass Tennisspieler echte Exoten geworden sind. Heute gibt es Schnupperjahre ganz ohne Gebühr. „Und niemand muss mehr für einen bürgen, wie es damals bei Neuaufnahmen in Gevelsberger Tennisclub der Fall war“, sagt Ute Vollmann.

Zwischen 15 und 23 Euro pro Stunde

„Wir sind die einzige verbliebene kommerzielle Tennishalle im gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis“, betont Ute Vollmann, die mächtig in eben diese Halle investiert hat: ein neues Dach, moderne LED-Beleuchtung, ein neuer Boden, ein frischer Anstrich, eine bessere Akustik, eine angenehme Wärme, ein hochwertiger Clubraum mit Musik- und Bildschirmanlage, freies W-LAN, sanierte Damen- und Herrenumkleiden, Duschen und Toiletten in Luxusausstattung lauten allein die Neuerungen der jüngsten Vergangenheit. Zuletzt nahm sie Geld in die Hand, um das Buchungssystem in die Gegenwart zu überführen. Bislang waren Telefonate notwendig, nun ist eine Online-Buchung auf der Internet-Seite www.tennishalle-vollmann.de eingebettet.

Wer spielt denn dort? „Das sind überwiegend Abospieler“, sagt Ute Vollmann. Die Preise für Einzelstunden schwanken je nach Uhr- und Jahreszeit zwischen 15 und 23 Euro – das Jahresabo variiert zwischen 572 und 832 Euro. Ganz billig ist das Tennisspielen also immer noch nicht, im Vergleich mit vielen Trendsportarten aber mittlerweile durchaus erschwinglich.

„Schön ist, dass wir neben den alten Recken auch wieder mehr Kinder für den Tennissport begeistern können“, sagt Ute Vollmann, die neben der Halle auch seit mehr als 25 Jahren mit ihrer Tennisschule den Gevelsbergern außerhalb der Vereine das Spiel beibringt.

Kooperation mit Grundschule

Doch der Nachwuchs kommt auch noch von ganz woanders her. Rot Weiß Gevelsberg und Rot Weiß Schwelm trainieren hier im Winter, und immer mehr Kinder interessieren sich über die Kooperation mit der Tennis AG der Grundschule Strückerberg für diesen Sport. Ein weiterer Vereinspartner ist der Tennisclub Breckerfeld. „Wir spüren den Zuwachs und das neu erweckte Interesse bei vielen Kindern am Tennis“, sagt Ute Vollmann. Doch dass ein 17-Jähriger nochmal einen derartigen Boom auslösen wird, wie es Boris Becker an jenem 7. Juli 1985 gelungen ist, davon geht in der Tennisszene – ob in Gevelsberg oder anderswo – aktuell niemand mehr ernsthaft aus.

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