Städtepartnerschaft

Ärger wegen verwüsteter Ferienwohnung in Gevelsberg

Gevelsberg und Butera feiern 15 Jahre Städtepartnerschaft.

Gevelsberg und Butera feiern 15 Jahre Städtepartnerschaft.

Foto: Carmen Thomaschewski

Gevelsberg.   Das schlechte Benehmen von jugendlichen Gästen aus Italien wirft einen Schatten auf die Städtepartnerschaftsfeier.

Ein unschöner Vorfall am Rande der Städtepartnerschaftsfeier Gevelsberg-Butera am Wochenende sorgt im Internet für Kontroversen. Öffentlich wurde er in der Facebook-Gruppe „Du bist Gevelsberger, wenn...“. In diesem Netzwerk sind knapp 14.000 Menschen Mitglied, dutzende reagieren, als Sandra Höfinghoff sich über ihre Gäste aus Butera in ihrer Ferienwohnung auslässt. Sie schreibt: „Vielen Dank für den hinterlassenen Schweinestall. Benehmen Sie sich zuhause auch so?“ Was folgt, ist eine mitunter nicht immer sachlich geführte Diskussion. Wir klären auf, was passiert ist, und wie darauf auf allen Seiten reagiert wird.

Worum geht es?

Sandra Höfinghoff macht im Internet in einem Beitrag ihrem Ärger darüber Luft, dass Gäste aus Butera ihre Ferienwohnung verwüstet hätten. Sie schreibt: „Geplant und angemeldet waren 4 Gäste, da waren 7 oder 8. Selbstbedienung an den Privatschränken und rauchen in der Nichtraucherwohnung waren anscheinend selbstverständlich. Von den Nachbarn angesprochen, ob wir wissen was wir uns da ins Haus geholt haben, war sehr peinlich.“

Sie veröffentlicht im Netz Bilder, die unter anderem ein Bett zeigen, wo das Lattenrost auf dem Boden liegt, auseinander genommene Schränke, verdreckte Fußböden und Herdplatten. Einer Veröffentlichung in unserer Zeitung stimmt sie nicht zu. Sie erläutert in einem Kommentar unter ihrem Beitrag später: „Ich möchte hier nochmal eine kurze Zusammenfassung geben und dann bin ich auch fertig mit dem Thema. (...) Ich habe mich für die Veröffentlichung hier entschieden, da ich wollte, dass die besagten Gäste ausfindig gemacht werden. Das ist auf den Weg gebracht und ich bedanke mich bei den entsprechenden Personen für die Hilfe.“

Was ist passiert?

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Bürgermeister Claus Jacobi, dass es Jugendliche einer Fußballmannschaft gewesen seien, die sich in der Ferienwohnung von Sandra Höfinghoff so daneben benommen hätten.

Er bedauere diese unschöne Geschichte und wisse, dass das auch einen kleinen Schatten auf die Begegnung beider Städte werfe. Er erklärt: „Ohne den Vorfall relativieren zu wollen, er ist nicht repräsentativ für die Buteresie.“ Die Treffen seien jahrzehntelang rund gelaufen, die Begegnungen seien großartig gewesen und auch dieses Mal wäre gezeigt worden, wofür Europa steht.

Der Bürgermeister betont, dass sicherlich auch der oder andere als Jugendlicher in einem Punkt in seiner Lebensgeschichte über die Stränge geschlagen hätte und nicht mehr in der Lage war, die Folgen zu beseitigen. „Die Stadt hat die Wohnung angemietet und wird auch dafür gerade stehen und die zusätzlichen Kosten übernehmen.“

Was Jacobi freut, ist, dass sich in der Diskussion im Internet auch der Bürgermeister von Butera, Filippo Balbo, zu Wort meldet. Er will die Namen der Leute aus der Wohnung wissen, lässt ausrichten, dass er sich in aller Form entschuldige. Er hofft, „dass durch dieses Verhalten einiger Landsleute nicht alles zerstört wird, was jahrelang erfolgreich zwischen zwei Städten aufgebaut worden ist.“

Woran hat sich die Diskussion entzündet?

Es sind vor allem die folgenden Sätze im ersten öffentlichen Beitrag von Sandra Höfinghoff, die für Diskussionen sorgen. „Ich war bisher immer ein Freund von Partnerstädten und wir hatten auch schon oft die französischen Gäste aus Vendôme zu Gast. Aus Butera sag ich heute - 1x und nie wieder!“

Es folgen mehr als 100 Kommentare: Ein Mitglied der Gruppe schreibt: „Unfassbar, da ist man hilfsbereit und dann trifft einen der Schlag. Unglaublich fassungslos“; ein anderer schreibt: „Pack....gut zu wissen, danke für den Bericht. Und gut, dass es öffentlich gemacht wurde, kann sich keiner rausreden und unter den Teppich kehren.“ Die Diskussion im Internet geht hin und her, wiederum ein anderer teilt mit: „Schön, jetzt wissen wir ja das nach deiner Meinung alle sich so benehmen, oder wie soll das verstanden werden mit nie wieder Butera. Jeder Vermieter kann Dir ein Lied davon singen, wieviel Container Müll der schon von seinen deutschen Mietern am Ende rausgeschaffen hat.“

Von Verallgemeinerung ist die Rede, „man kann nicht alle über einem Kamm scheren“, von „Denunziantentum“, Es wurde die Frage gestellt, warum dieser Vorfall öffentlich gemacht werde, andere wiederum finden gut, dass darüber öffentlich diskutiert wird. Ein Gevelsberger schreibt: „Bin selber aus Butera...doch hier geboren. Das hat nix damit zu tun, wo die Menschen her kommen, eher was mit Erziehung. (...) Ich finde es traurig, dass meine Landsleute da so ne Scheiße hinterlassen haben....sorry dafür.“

Sandra Höfinghoff erklärt später im Internet: „Ja, die Verallgemeinerung war vielleicht etwas unglücklich. Ich möchte, dass die Personen die da waren zur Rechenschaft gezogen werden und nicht die Stadt/Bürger dafür aufkommen müssen, das andere sich nicht benehmen können. Das würde ich auch erwarten, wenn wir im Austausch in Butera sind. Wenn ich mich da nicht benehmen kann, muss ich für meine Fehler gerade stehen und nicht die Stadt! Ich finde, und bei der Meinung bleibe ich auch, dass hier jeder seine Meinung sagen darf.“

KOMMENTAR

Ich hoffe wirklich, dass dieser Vorfall die deutsch-italienische Freundschaft nicht belastet. Letztlich geht es darum, dass Jugendliche Mist gebaut haben, so wie es Jugendliche schon mal tun, egal welcher Herkunft. Daraus eine Städtepartnerschafts-Angelegenheit zu machen, ist falsch.

Ich finde es trotzdem gut, dass sich gleich mehrere Buteresie für das Benehmen ihrer Landsleute entschuldigen und Verantwortung übernehmen, obwohl dies eigentlich nicht nötig ist. Schließlich geht es hier um ein Fehlverhalten einzelner.

Natürlich darf man sich ärgern und seine Meinung sagen, so ein Verhalten finde ich auch unter aller Sau. Aber alle Buteresie unter Generalverdacht zu stellen, auch wenn es im Affekt geschieht, spielt Populisten in die Hände.

Das gefährdet die Idee, wofür die Städtepartnerschaft steht: für eine Grenzen und Vorurteile überwindende Freundschaft.

Carmen Thomaschewski

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