Wasserrutschen-Test

Wasserrutschen-Tester: Dank ihm sind die Röhren sicher

Werner Böge ist Sachverständiger für Sport- und Spielgeräte und Wasserrutschen beim TÜV Nord. Im Gevelsberger Schwimm In prüft er die Wasserrutschen. Im Video erzählt er, was seinen Job ausmacht und welche Verletzungen vorkommen können.

Beschreibung anzeigen

Gevelsberg.  In die Röhre schauen kann durchaus glücklich machen: Werner Böge testet für den TÜV Nord 400 Wasserrutschen jährlich auf der ganzen Welt.

Acht Uhr morgens im Gevelsberger Schwimmbad „Schwimm-in“. Die Becken sind leer. Stille. Ein leises Kratzen aber hört man bei den Wasserrutschen. Der, der da kratzt, ist Werner Böge, Sachverständiger für Sport- und Spielgeräte und Wasserrutschen beim TÜV Nord. Seit mehr als 15 Jahren prüft er Rutschen aller Art. Der 52-jährige Oberhausener geht Zentimeter für Zentimeter mit seinen Saugschuhen die einzelnen Elemente der Rutsche ab. Hier und da bleibt er stehen und schabt am Material. Immer mit dabei – seine Stirnlampe und der Auswertungsbogen.

Werner Böge ist gelernter Hochbautechniker. Als Sachverständiger ist er fünf Tage die Woche im Einsatz. Deutschland, Belgien, Korea – die Mitarbeiter vom TÜV Nord sind weltweit unterwegs. „Der TÜV wird oft in die Planung neuer Rutschen einbezogen, und viele Hersteller möchten die europäische Norm“, sagt Böge. Unter DIN 1069 werden „Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren im Bereich der Wasserrutschen“ festgehalten, so heißt es im Amtsdeutsch.

Tests, die an die Substanz gehen

Mit Hilfe einer großen Taschenlampe leuchtet Böge gerade die einzelnen Elemente der „Blackhole“, einer 80 Meter langen Rutsche, ab. Kurz hinter dem Eintrittsbereich bleibt er stehen, streicht mit seinen Fingern über den Boden und notiert eine helle Stelle in der dunklen Oberfläche. „Hier war einmal eine kleine Kerbe in der Oberschicht“, sagt er, „die Stelle wurde behandelt.“ Dabei wischt er sich mit dem Handtuch übers Gesicht. Es ist warm in der Röhre. Unten auf dem Boden sammelt sich das Schwitzwasser. „Ich habe im Sommer einmal eine Rutsche geprüft, die eine Glaskuppel hatte. Das geht dann ganz schön an die Substanz.“

Einen praktischen Test, der Abkühlung verspräche, gibt es für Werner Böge heute nicht. Das passiere nur alle drei Jahre bei neueren Rutschen. Eine spezielle Badehose habe er nicht. „Die Badegäste gehen ja auch nicht mit speziellen Schwimmsachen zum Rutschen. Was wir aber haben, ist ein Brustgurt, um die Beschleunigung in sogenannten Turbo-Rutschen zu messen.“ Rutschen, in denen eine hohe Geschwindigkeit erreicht wird. „Am besten sind die Erstabnahmen der Wasserrutschen oder aber Familien-Freizeitparks, wo es so gut wie alles gibt.“ Die Vielfalt seines Berufes – so sagt er – mache ihn glücklich. Für viele Kinder bestimmt ein Traumberuf. „Wenn man es täglich macht, ist es nicht mehr so spannend.“

400 Rutschen-Prüfungen pro Jahr

Bis zu 400 Rutschen jährlich prüfen die Mitarbeiter vom TÜV Nord allein in Deutschland. Insgesamt gebe es hierzulande rund 1700 Wasserrutschen. „Wir sind nicht die einzigen, die prüfen. Das ist bei der Auto-Inspektion ja nicht anders“, erklärt Böge. Wie bei einem Auto sollte der Betreiber laut Böge mit den Reparaturarbeiten an der Wasserrutsche nicht zu lange warten.

„Behandelt man den Schaden an der Oberfläche nicht, kann das Material angegriffen werden. Wasser läuft ein und damit Dreck und Staub. Das zerstört das Gewebe. Wird es kalt, kann die Stelle aufplatzen.“ Scharfe Kanten, Gegenstände, die zwischen Elementen stecken und auch die Sauberkeit sind einige der Dinge, die der Wasserrutschentester zudem überprüft.

Im Außenbereich hat sich derweil eine kleine Wasserpfütze unter der hellblauen Rutsche gebildet. Eine undichte Stelle im Verbindungselement. „Nicht so schlimm“, bewertet Böge, „die Wasserrutsche bricht dadurch nicht zusammen. Dennoch sollte man es sich anschauen.“ Und noch etwas hat der 52-Jährige entdeckt. Auf der kleinen Außenrutsche fließe nicht genügend Wasser. „Zu wenig Fließwasser kann zu Verletzungen führen.“ Das wird behoben. Verletzungen durch scharfe Kanten gebe es nur selten. In der Regel werden solche Stellen schnellstmöglich abgeschliffen.

Verletzungsgefahr durch Fehlverhalten

„Gefahren gibt es im Sport überall. Viele Verletzungen geschehen durch Fehlverhalten. Und wer ist am Ende schuld?“, fragt Böge und gibt sich die Antwort selber, „richtig: das Gerät oder aber der Betreiber.“ Der Wasserrutschentester verweist auf das große blaue Schild, das direkt an der Rutsche angebracht ist: „Benimmregeln für Rutscher“ steht dort. Doch er weiß auch, dass nicht alle sich an die Regeln halten. Nicht selten ist Böge als Gerichts-Sachverständiger im Einsatz. „Wir prüfen, ob Verletzungen durch Mängel an der Rutsche oder durch den Badegast selbst entstanden sind. Zu 95 Prozent ist es Fehlverhalten der Gäste.“

Für Böge endet nun sein Gevelsberger Wasserrutschentest. Deswegen können jetzt auch die Kinder, die ungeduldig warten, endlich auf die Freigabe hoffen – und die Rutsche auf ihre Art testen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben