Gericht

13 Jahre nach Überfall in Essen: Angeklagter freigesprochen

Der Angeklagte mit seinen Verteidigern im Gerichtssaal.

Der Angeklagte mit seinen Verteidigern im Gerichtssaal.

Foto: Jörn Hartwich

Essen.  13 Jahre nach dem Überfall auf einen Juwelier auf der Huyssenallee in Essen ist der Angeklagte freigesprochen - trotz eindeutiger DNA-Spuren.

Kaum war das Urteil gesprochen, fiel der Angeklagte seinen Verteidigern um den Hals. 13 Jahre nach dem Überfall auf das Essener Juweliergeschäft Sprenger an der Huyssenallee ist ein 32-jähriger Mann aus Serbien am Freitag freigesprochen worden. Seine DNA war zwar an Kleidungstücken gefunden worden, die bei der Flucht zurückgelassen worden sind, für eine Verurteilung reichte das dem Essener Landgerichts jedoch nicht aus.

„Es bleiben Bauchschmerzen“, sagte der Richter

Leicht haben es sich die Richter allerdings nicht gemacht. Und so richtig zufrieden scheinen sie mit ihrer Entscheidung auch nicht zu sein. „Es bleiben Bauchschmerzen“, sagte Volker Uhlenbrock, Vorsitzender der 5. Strafkammer bei der Urteilsbegründung. Und direkt an den Angeklagten gewandt: „Vielleicht haben Sie die Bilder des Überfalls ja sogar noch vor Augen.“

Aus Sicht der Richter könne es tatsächlich sein, dass der Angeklagte alle Opfer, die im Prozess als Zeugen ausgesagt haben, schon einmal gesehen habe. Grund seien deutliche Hinweise – vor allem DNA-Spuren an einer Jogginghose und an einer Sturmhaube. Das Problem war jedoch: An den Kleidungsstücken hatten sich auch noch Spuren anderer Männer befunden. Zudem lässt sich nach Ansicht von zwei Gutachtern des Landeskriminalamtes nicht sagen, wer die Kleidungsstücke zuletzt – das heißt bei dem Überfall – getragen habe. Der Angeklagte selbst hatte behauptet, dass er die Maske nur einmal aus Spaß über den Kopf gezogen habe, als er einen Freund in Deutschland besucht habe. Dabei habe er vielleicht auch die Jogginghose vergessen, die später bei dem Überfall getragen worden ist. Aus Sicht der Richter war das nicht zu widerlegen.

Der Angeklagte muss trotzdem ins Gefängnis

Auf freien Fuß kommt der 32-Jährige allerdings nicht. In Hamburg wartet bereits das nächste Strafverfahren – ebenfalls wegen eines Überfalls auf ein Juweliergeschäft. Dorthin wird er nun überstellt. Ganz unschuldig ist der Angeklagte auch nicht. Er ist nach einem Überfall auf ein Juweliergeschäft in Madrid, bei dem er angeschossen worden ist, bereits 2013 zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. „Sie sind damals nach Spanien gereist, um besser leben zu können, um Party machen zu können“, so Richter Uhlenbrock. Die Essener Richter gehen auch davon aus, dass der 32-Jährige zur berüchtigten Pink-Panther-Bande gehört, die in ganz Europa Raubüberfälle auf Juweliergeschäfte verübt. Für eine weitere angeklagte Tat in Marl konnte der Angeklagte ebenfalls nicht verurteilt werden. Bei den Überfällen war Schmuck im Wert von über 700.000 Euro erbeutet worden.

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