Fotografie

Agnes Wallek schenkt mit ihren Bildern „Momente der Ruhe“

Agnes Wallek mit einem ihren Lieblingsmotive: Zwei Frauen, entspannt im Hier und Jetzt, auf Malta.

Agnes Wallek mit einem ihren Lieblingsmotive: Zwei Frauen, entspannt im Hier und Jetzt, auf Malta.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Rüttenscheid.  Fotografin Agnes Wallek hat die Stille an ungewöhnlichen Orten gefunden. Ihre Ausstellung zeigt Motive zwischen Bahnsteig und Beichtstuhl.

Kann man Stille sehen? Agnes Wallek findet schon. Auf ihren Bildern kriecht die Stille manchmal durch lange, leere Flure, platziert sich auf einem leeren Stuhl am Fenster und macht die nächtliche menschenleere Gasse im Süden zu einem Versprechen romantischer Idylle. Und wo Stille ist, da sind auch die Momente der Ruhe nicht weit. Beidem widmet die agile Fotografin, die viele Essener vor allem noch als langjährige Leiterin des Werdener Bürgermeisterhauses kennen, nun eine Ausstellung, die am Sonntag, 25. August, in der Evangelischen Kirchengemeinde an der Julienstraße 31 eröffnet wird.

Wer die temperamentvolle Kultur-Managerin kennt, dem mag das Thema Stille nicht als erstes in den Sinn kommen. Denn wer sich einen Großteil seines beruflichen Lebens mit der Musik beschäftigt hat, der scheint nicht unbedingt auf der Suche nach dem akustischen Nichts. Doch die 68-jährige Essenerin, die die Fotografie neben der Musik schon lange zu ihren Leidenschaften zählt, liebt es inzwischen, in Themen zu arbeiten. Der Magie der „Zechenrohre“ hat sie sich schon gewidmet, dem Motiv „Treppen“ oder auch dem Thema „Allein“. Und irgendwann ist dann die Stille in die Bilder eingezogen. Es mag auch am eigenen Leben liegen, das nun ein paar Ruhemomente mehr kennt.

Einfach mal runterfahren, innehalten und „wahrnehmen, was andere nicht sehen“, das hat Agnes Wallek hinter der Kamera versucht. Und plötzlich war die Sicht fokussiert auf all diese klassischen, aber auch ungewöhnlichen „Räume der Stille“, die auf den ersten Blick manchmal ganz betriebsam erscheinen. Der menschenleere U-Bahnsteig, wo ein nicht aufgelegter Telefonhörer daran erinnert, dass hier vor der Stille noch mehr war als das Rauschen und Brausen des Bahnverkehrs. Der leere Beichtstuhl, hinter dessen rotem Vorhang noch das Zischeln und Gemurmel vertraulicher Gespräche zu wabern scheint. Und dieser seltsam verlassene Kleiderständer im Kölner Kolumbarium, auf dessen goldener Wand sich Hut und Mantel so spiegeln, als spuke der menschliche „Geist“ noch durch den Raum.

Es sind immer wieder spirituelle Momente, die Agnes Wallek in ihren Bildern eingefangen hat: Die meditierende Frau in Nepal, die ungestörte Ruhe eines japanischen Teehauses, aber auch der Strandkorb am Meer, der wie ein Platzhalter steht für eine Auszeit vom Trubel. „Wirklich extrem still war in der Etosha-Pfanne in Namibia“, erinnert sich die weit gereiste Essenerin. Das endlose Weiß der Salzpfanne vor strahlend blauem Himmel ist vielleicht der Inbegriff von Ruhe, die bei aller optischen Schönheit auch eine Herausforderung sein kann.

Manchmal muss man Stille eben auch aushalten. „Aber eigentlich ist sie etwas Schönes, ich genieße sie immer mehr“, sagt Agnes Wallek, die schon auf der Suche nach einer neuen Herausforderung ist. Das neue Thema heißt „Dächer der Welt“. Es ist ein anderer Anreiz, das neu zu entdecken, was uns wie selbstverständlich umgibt. „Wenn ich jetzt losgehe, gucke ich andauernd nach oben“, lächelt Agnes Wallek. Doch bei aller Lust am Fotografieren will sie es auch ruhig angehen lassen. Und wie zur Erinnerung denkt sie an das Bild von den alten Damen auf Malta, die ihren Moment der Ruhe wie selbstverständlich auf ihren an die Straße gestellten Stühlen finden. „Die nehme ich mir zum Vorbild“, lächelt Wallek.

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