Hochschule

ASta kritisiert Stauforscher für Rolle bei Mario Barth

Der Leiter des Lehrstuhls für Physik an der Uni Duisburg-Essen, Michael Schreckenberg,  steht beim ASta nach seinem Auftritt bei Mario Barth in der Kritik.

Der Leiter des Lehrstuhls für Physik an der Uni Duisburg-Essen, Michael Schreckenberg, steht beim ASta nach seinem Auftritt bei Mario Barth in der Kritik.

Foto: Foto: MÜLLER, Oliver

Essen.   Der ASta der Uni Duisburg-Essen kritisiert den Stauforscher Michael Schreckenberg für dessen Aufritt in der Sendung „Mario Barth deckt auf“.

Professor Michael Schreckenberg darf man mit Fug und Recht einen Medienprofi nennen. Als Stauforscher hat sich der Physiker und Hochschullehrer der Universität Duisburg-Essen auch außerhalb der Wissenschaftsgemeinde einen Namen gemacht. 500 Fernsehauftritte hat Schreckenberg nach eigenen Worten bereits hinter sich. Diesen einen, bei Mario Barth, würde er wohl am liebsten Vergessen machen. Wiederholen würde er ihn jedenfalls nicht.

Im März war Michael Schreckenberg Gast in der Unterhaltungssendung „Mario Barth deckt auf“, was ihm nicht nur böse Anrufe und einen Shitstorm im Internet einbrachte, sondern nun – zwei Monate danach – auch einen Rüffel vom Allgemeinen Studierendenausschuss (ASta).

Die ZDF-Satire-Sendung „Die Anstalt“ nahm Schreckenbergs Auftritt bei Mario Barth dankbar auf

Was war geschehen? Michael Schreckenberg diente Mario Barth als wissenschaftlicher Experte, um die Sinnhaftigkeit von Diesel-Fahrverboten infrage zu stellen und die Aussagekraft des von der EU beschlossenen Grenzwertes anzuzweifeln. Beides zog der Comedian in der ihm eigenen Art ins Lächerliche, sekundiert von Schreckenberg. Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Werte wurden wenige Zentimeter über einer brennenden Kerze und über einer von Barth angehauchten Zigarre gemessen, um die EU-Grenzwerte im Straßenverkehr herunterzuspielen, kritisiert der Asta und zitiert Maria Barth: „Also, wer Zigarre raucht, der kann auch direkt neben Diesel pennen.“ Eine dringend erforderliche Einordnung dieses populärwissenschaftlichen Ansatzes habe Schreckenberg vermissen lassen.

Der Status des Experten sei von Mario Barth ausgenutzt worden, um eine unsachliche Argumentation zu betreiben, heißt es in der Stellungnahme der Studierendenvertretung. „Wir kritisieren die Art und Weise des Auftritts und wie hier der Expertenstatus instrumentalisiert wurde, um Mario Barths Kritik an Stickoxid-Grenzwerten zu stützen.“

Den ASta hatten nach eigenen Angaben Beschwerden und Anfragen, vereinzelt auch von anderen Universitäten, erreicht, die sich empört über den Gastauftritt gezeigt hätten. Die ZDF-Satire-Sendung „Die Anstalt“ nahm den bei RTL ausgestrahlten Beitrag dankbar aufgenommen, um die Expertenrolle des Wissenschaftler durch den Kakao zu ziehen.

Michael Schreckenberg fühlt sich „ein bisschen über den Tisch gezogen“

Im Gespräch mit der Redaktion betonte Michael Schreckenberg, dass an den gezeigten Versuchen inhaltlich nichts auszusetzen sei. „Die Messungen, die wir gemacht haben, sind alle korrekt, da kann man nichts dagegen sagen.“ Über das Format der Sendung könne man hingegen streiten. Der Hochschullehrer hatte nach eigenen Worten bereits zwei Mal für Mario Barth gedreht, aber noch nie mit dem Comedian. Zum Dreh mit Barth sagt Schreckenberg: „Ich hatte gar keinen Einfluss darauf, was sie daraus machen.“ Im Rückblick findet er: „Man hat mich ein bisschen über den Tisch gezogen. Der Beitrag war nicht so doll.“ Immerhin: Der Verkäuferin in Schreckenbergs bevorzugten Supermarkt hat er gefallen.

Medial will Michael Schreckenberg weiter präsent sein. Schon am Wochenende soll es zu Filmaufnahmen gehen, wieder für RTL, dann zum Thema Stau.

Der ASta meint: „Presseaffinität und Wissenschaft wurden in unseren Augen von Herrn Professor Schreckenberg in der Vergangenheit schon in vorbildlichem Maße betrieben, weshalb wir hoffen können, dass dies auch künftig der Normalfall sein wird.“ Klingt so, also wollten sie ab sofort ganz genau hinschauen.

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