Tierhilfe

Auf zwei Pfoten und zwei Rädern: Hund Miro sucht ein Zuhause

Miro führt ein fast normales Hundeleben – auf der Straße nur eben auf zwei Pfoten und zwei Rädern. Der Mischlingshund sucht ein neues, liebevolles Zuhause.

Miro führt ein fast normales Hundeleben – auf der Straße nur eben auf zwei Pfoten und zwei Rädern. Der Mischlingshund sucht ein neues, liebevolles Zuhause.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Hund Miro sitzt im Rollstuhl und hat schwere Zeiten hinter sich. Jetzt ist der lebensfrohe Vierbeiner auf der Suche nach einem Herrchen.

Beim Gassi gehen lenkt Miro die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Doch sein süßes Aussehen ist es nicht, warum alle Blicke den Vierbeiner finden. Es ist der Rollstuhl, mit dem der Hund fährt. Was zu Miros Glück noch fehlt: ein Zuhause auf Lebenszeit.

Bei jedem Spaziergang begegnen dem Frauchen und Hund aufmunternde Worte, aber auch Unverständnis. „Viele glauben, das ist kein Leben. Miro sollte besser eingeschläfert werden. Aber Miro will leben. Er ist ein Kämpfer“, sagt Susanne Heisterkamp, Pflegemama des sieben Monate alten Rüden.

Flink mit dem Rollstuhl unterwegs

Und wer den Mischlingshund mit seinem Rollstuhl über den Gehweg und im Garten in Essen-Bochold flitzen sieht, glaubt es der 50-Jährigen sofort. Denn wirklich flink ist er unterwegs, wenn auch noch etwas unbeholfen. „Den Wagen hat Miro seit zwei Wochen.“

Während er mit den Vorderpfoten schnell über den Boden tippelt, hängen die Hinterbeine in der Luft. Stattdessen rollen zwei Reifen über den Boden. „Er ist mit dem Rolli sofort losgelaufen, als würde er nichts anderes kennen. Jetzt kann er endlich die große Welt entdecken“, freut sich die 50-Jährige.

Auf der Straße in Rumänien dem Tod entkommen

Miros Schicksal begann in Rumänien: Halb erfroren und völlig ausgehungert wurde er als Welpe auf der Straße entdeckt. Seine Hinterbeine wirkten wie gelähmt. Er zog sich mit seinen Vorderbeinen über den Boden.

„Miro wurde misshandelt“, vermutet Susanne Heisterkamp. „Die Kniescheiben sind verdreht und die Kniegelenke komplett steif.“ Ein Beugen der Beine ist so unmöglich – die Läufe sind dauerhaft gestreckt.

Kein Zuhause in Sicht: Miro lebt in Pflegestellen

Die Tierhilfe Niederrhein erfuhr von dem Leid des Tieres und nahm Miro in seine Obhut. Tierärzte in Deutschland hielten eine Einschläferung des Tieres für sinnvoll. Der Tierschutzverein stellte sich jedoch quer. „Miro hat keine Schmerzen und kein Problem mit der Behinderung. Ich kann die Aussage des Tierarztes nicht nachvollziehen“, ärgert sich Susanne Heisterkamp.

So fand der Hund den Weg zu verschiedenen Pflegestellen, denn ein dauerhaftes Zuhause wurde bisher nicht gefunden. Dabei sei Miro „ein sehr lieber und lebendiger Hund“, sagt Susanne Heisterkamp. „Eine richtige Schmusemaus.“

Auch ohne Rollstuhl ist Miro ein agiler Hund

Nach dem Spaziergang holt Susanne Heisterkamp Miro aus dem Wagen. Sie schnallt das Hundegeschirr ab und hebt das Tier aus seinem Gefährt. Wer nun völlige Hilflosigkeit erwartet, der irrt. Auch ohne Rolli ist Miro schnell unterwegs. Er robbt über den Boden und zieht sich mit seinen Vorderbeinen kraftvoll vorwärts.

Er tobt und flitzt durch den Garten, als würde er jeden Moment zeigen wollen, dass er ein fast normales Hundeleben führt. Durch Physiotherapie hat sich die Situation von Miro stetig verbessert. Mittlerweile gelingt es dem Hund, auf allen Vieren zu stehen. „Jeden Tag machen wir Übungen.“

Gesucht wird ein Zuhause auf Lebenszeit

Doch bei der Pflegemama kann Miro nicht bleiben, denn die 50-Jährige hat bereits drei Hunde und kann Miro nicht die Aufmerksamkeit geben, die er braucht. „Der kleine Held sucht ein Zuhause, wo er ankommt, bleiben darf und akzeptiert wird, wie er eben ist“, hofft Susanne Heisterkamp.

Doch bisher hat sich niemand zugetraut, den kleinen Hund zu übernehmen. Telefonische Nachfragen gab es – ernsthafte Interessenten? Fehlanzeige. „Viele haben Angst vor der Verantwortung und den möglichen Kosten“, glaubt Susanne Heisterkamp.

Gartenzugang und Hundeerfahrung

„Eine ebenerdige Wohnung mit Gartenzugang wäre super“, nennt die Essenerin zwei der Vorzüge, die das neue Zuhause für Miro mitbringen sollte. Hundeerfahrung der Herrchen sei ein Vorteil. Mit anderen Hunden ist Miro verträglich. Wichtige Hilfsmittel wie sein Rollstuhl, das Tragegeschirr und ein orthopädisches Bett ziehen kostenlos mit um.

Mittlerweile ist Miro auch stubenrein, verrichtet sein Geschäft im Sitzen. „In der Urlaubszeit würde ich Miro übernehmen“, bietet Susanne Heisterkamp an. Mehrere Annoncen bei Ebay Kleinanzeigen führten nicht zu einer Vermittlung. Dabei ist sich Susanne Heisterkamp sicher: „Es gibt den einen passenden Besitzer. Aber dieser muss erstmal erfahren, dass es Miro gibt.“

>>> EIN NEUES ZUHAUSE FÜR MIRO

Wer Miro ein Zuhause bieten möchte, erhält Infos bei der Pflegestelle von Susanne Heisterkamp (0175/ 361 81 76) oder direkt bei der Tierhilfe Niederrhein e.V. (02824/ 97 53 12 oder per Mail an info@tierhilfeniederrhein.de).

Insgesamt 24 Tiere suchen derzeit durch die Tierhilfe ein Zuhause. Viele der Vierbeiner wurden misshandelt oder etwa aus Tötungsstationen gerettet. Gebühren und Spenden für die Tiere wandern komplett in die Arbeit Tierschutzverein und in die Tierrettung.

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