Corona-Kontaktverbot

Baldeneysteig: Reiter und Spaziergänger auf Konfliktkurs

Christiane Kluge-Schocke auf dem privaten Feldweg in Essen-Fischlaken. Er zweigt vom Baldeneysteig ab.

Christiane Kluge-Schocke auf dem privaten Feldweg in Essen-Fischlaken. Er zweigt vom Baldeneysteig ab.

Foto: Julia Tillmann

Essen-Fischlaken.  Normalerweise verstehen sich Reiter und Spaziergänger rund um den Heidhauser Reiterverein. Jetzt gibt es allerdings Stress durch Corona.

Rücksichtnahme und Verständnis zwischen Spaziergängern und Reitern, das wünscht sich Christiane Kluge-Schocke vom Heidhauser Reiterverein zu jeder Zeit, auch in der Corona-Krise. „Doch jetzt beim Kontaktverbot gibt es Menschen, die sehr uneinsichtig reagieren und uns geradezu aggressiv begegnen.“ Nicht anders zu verstehen sei es, dass nicht weniger als 20 Hinweisschilder des Reitvereins, der seinen Sitz auf dem Maashof in Fischlaken hat, abgerissen wurden. Der Knackpunkt: Reiter und Spaziergänger teilen sich ein 200 Meter auf dem Essener Baldeneysteig; ein weiterer Weg zweigt davon ab, ist aber privat.

Und genau diesen privaten Weg rund um ein Feld nutzten viele Anwohner und natürlich auch Ausflügler gewohnheitsmäßig für ihren Spaziergang – mit und ohne Hund, weiß die erste Vorsitzende des Reitvereins. „Mit den aktuellen Auflagen funktioniert das aber nicht mehr. Wir müssen einfach strikt darauf hinweisen, dass dies ein Privatweg ist und damit das Betreten verboten“, sagt Christiane Kluge-Schocke.

Corona: Die 80 Pferde des Reitvereins sind in der Notbetreuung

Denn: „Wir managen hier eine Notbetreuung für unsere 80 Pferde. Die Tiere benötigen dringend den Auslauf, und Abstand halten ist dabei oberstes Gebot.“ Das sei schwer durchführbar, wenn gerade bei warmem Frühlingswetter wieder Menschenscharen (in Zweiergrüppchen) nicht nur den städtischen Wanderweg benutzten, sondern auch noch Pfade abseits wählten, um die Natur zu genießen.

Schilder werden einfach abgerissen

„Unverschämt finde ich dann außerdem, wenn unsere wohlmeinenden Schilder, eines davon hing hoch in einem Baum, einfach abgerissen werden“, berichtet Kluge-Schocke – und der sonst freundlichen Reiterin steigt die Zornesröte ins Gesicht. „Wir tun unser Bestes, um die Regeln einzuhalten. Und das wird einfach komplett negiert.“

Wie sehen diese Regeln aus? Das Betreten des Hofes ist nur den Pferdebesitzern bzw. der Reitbeteiligung gestattet – und zwar ohne Begleitung. „Das heißt, eine Mutter muss im Auto bleiben oder muss sich weit entfernt aufhalten, während ihr Kind das Pferd pflegt“, erläutert Sabine Weimer, die zweite Vorsitzende. „Maximal darf nur eine Person pro Tag ein Pferd betreuen.“

Die Aufenthaltsdauer sei auf 90 Minuten beschränkt, informiert Weimer. Darin enthalten sind das Putzen des Tieres, das Säubern der Box und der Ausritt. Letzterer darf zwar zu zweit stattfinden – aber auch hier gilt das Abstandsgebot. In der großen Halle dürfen sich fünf Reiter gleichzeitig aufhalten, in der kleinen nur zwei.

Die Tiere reagieren in Zeiten der Corona-Krise sensibler und aufgeregter

„Bei 80 Pferden ist das über den Tag verteilt schon sehr kompliziert“, sagt Christiane Kluge-Schocke. „Die Tiere merken ja auch, das alles etwas anders läuft. Sie reagieren sensibler und aufgeregter.“ Geritten werden sie nicht so häufig und nicht so lange wie sonst. „Wenn dann Spaziergänger auf dem Reitpfad entlang des Feldes unterwegs sind, möglichst noch ihren Hund nicht angeleint haben, dann könnte es schon schwierig werden“, befürchtet die versierte Reiterin.

„Anders als bei anderen Sportarten, können wir unser Sportgerät nun mal nicht einfach in die Ecke stellen. Es ist ein Lebewesen, das versorgt werden muss.“ Dem versuche der Heidhauser Reiterverein auf dem Maashof gerecht zu werden.

Reitunterricht und Lehrgänge fallen durch das Coronavirus aus

„Das Vereinsleben hat sich in den letzten Wochen grundlegend geändert“, sagt Sandra Vooren, ihres Zeichens Sportwartin und Leiterin der Reitschule. Nicht nur, dass alle Lehrgänge und die Vorbereitung auf Turniere nicht stattfinden, „das gemeinsame Reiterlebnis entfällt ja komplett“. Für die Jugendlichen schon ein harter Einschnitt, findet sie. „Aber sie halten sich hier alle an die Vorschriften, benutzen immer und überall Handschuhe, tragen sich in die Listen ein und halten Abstand.“

Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, habe sich der Verein außerdem entschlossen, die Hürden auf der Sprungbahn abzubauen, berichtet die erste Vorsitzende. „Wir hoffen, alles in allem mit diesen Maßnahmen gut über die Zeit zu kommen.“

Ob es demnächst nicht nur freundliche Hinweisschilder gibt, sondern gleich eine Kette zur Sicherung des Privatwegs (und damit der Tiere) installiert wird, sei noch offen. „Jetzt am Wochenende war es trotz des schönen Wetters doch etwas ruhiger auf dem Baldeneysteig.“ Das lasse sie hoffen, so Kluge-Schocke.

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